Ratgeber

Nur Rüpel auf dem Rad? Was wirklich für Radler gilt

Gelten Tempolimits eigentlich auch für Radfahrer? Muss man sich als Radler an die Fußgängerampel halten oder an die für Autos? Sind Kopfhörer wirklich verboten? Und wie ist das nun mit der leidigen Radwegebenutzungspflicht?

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Eine Kampfansage mit unklarem Absender.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Kampf den Kampfradlern" heißt es auf den Plakaten, die Unbekannte im Berliner Wohlfühl-Bezirk Prenzlauer Berg aufgehängt haben. Ein stilisierter Radfahrer ist darauf zu sehen, statt des Kopfes trägt er eine Handgranate. Darunter die Forderung: "Rücksicht statt Vorfahrt. Auf all unseren Wegen". Das klingt erstmal nach Verkehrserziehungsunterricht und dann nach großem Blödsinn, schließlich lassen sich Verkehrsregeln nicht einfach abschaffen, wenn nur einfach alle schön umsichtig fahren. Was allerdings nicht von der Hand zu weisen ist: Je mehr Menschen aufs Rad steigen, desto mehr sind dabei, die es mit den Regeln nicht so genau nehmen. Hier also ein Überblick darüber, was Radfahrer wissen sollten.

Reicht Batteriebeleuchtung?

Radfahren ohne Licht ist gefährlich, das haben inzwischen auch die meisten Radfahrer verstanden. Doch nicht jedes Rad ist mit einem Dynamo ausgestattet. Batteriebetriebene Lampen, die an Lenker oder Sattelstütze geklemmt werden, scheinen eine gute Alternative zu sein, zumal moderne Akkuleuchten zum Teil heller strahlen als manche älteren Dynamo-Funzeln. Als alleinige Beleuchtung sind sie trotzdem nicht erlaubt, auch wenn eine Freigabe seit Längerem diskutiert wird. Nur Sporträder mit einem Gewicht bis zu elf Kilogramm dürfen allein mit Batteriebeleuchtung fahren. Und die muss dann auch tagsüber mitgeführt werden. Es gibt nur eine Situation, in der Fahrräder offiziell kein Licht brauchen: Während eines Rennens darf das Licht zu Hause bleiben.

Muss man auf den Radweg?

Radwege, die mit dem blauen Radwegs-Schild ausgewiesen sind, müssen benutzt werden. Das Problem: Oft dürften die Schilder gar nicht dort stehen, wo sie stehen, Zum einen, weil viele Radwege nicht die nötigen Mindestvoraussetzungen, etwa bei Breite und Beschaffenheit, erfüllen, die von der StVO geregelt sind. Zum anderen hat das Bundesverwaltungsgericht im letzten Jahr entschieden, dass die Radwegebenutzungspflicht ohnehin nur im Ausnahmefall, nämlich bei einer "besonderen örtlichen Gefahrenlage", angeordnet werden darf. Solange ein Schild nicht abgebaut ist, darf man nicht einfach auf der Straße fahren. Wer es dennoch tut und deswegen Ärger bekommt, kann dem Bußgeld aber widersprechen und auf das Urteil verweisen.

Welche Ampeln gelten für Radler?

An vielen Kreuzungen gibt es inzwischen extra Radfahrerampeln. An die muss man sich halten, auch wenn man als Radfahrer trotz Radweg auf der Straße fährt. Wenn der Radweg an den Fußgängerweg grenzt und keine Radfahrerampel vorhanden ist, dann gilt das Lichtzeichen für Fußgänger. Radfahrer müssen also stehenbleiben, wenn die Fußgänger Rot haben, auch wenn sie deutlich schneller unterwegs sind. Werden Radweg und Fußweg getrennt geführt und es gibt keine Radfahrerampel, können sich Radler nach der Auto-Ampel richten.  

Darf man mit Kopfhörern fahren?

Musik hören ist auf dem Rad tabu, oder? Nicht unbedingt. Die Straßenverkehrsordnung sieht lediglich vor, dass das Gehör nicht beeinträchtigt sein darf. Man muss also alle Umweltgeräusche noch gut wahrnehmen können. Das lässt sich im Einzelfall kaum nachweisen, ein generelles Kopfhörerverbot gibt es aber nicht.

Gelten Zebrastreifen auch für Radfahrer?

Die richtige Bezeichnung für Zebrastreifen lautet "Fußgängerüberweg". Das sagt eigentlich schon alles: Fußgänger haben hier Vorrang. Als Radfahrer darf man den Zebrastreifen zwar auch benutzen, bremsen müssen die Autos aber eigentlich nur, wenn man dabei absteigt und schiebt.

Muss man sich ans Tempolimit halten?

So besser nicht: Wer sicher gehen will, steigt auf dem Zebrastreifen lieber vom Fahrrad ab. (Bild: dpa)

Bremsen müssen Autos hier eigentlich nur für Fußgänger.

Innerorts gelten 50 km/h als allgemeine Höchstgeschwindigkeit. Daran müssen sich aber nur motorisierte Verkehrsteilnehmer halten. Mit dem Rad darf man auch schneller fahren – sofern man dazu in der Lage ist. Anders sieht es aus, wenn Verkehrsschilder das Tempolimit festlegen. Dann ist die Geschwindigkeitsbegrenzung verpflichtend. Tempo 30-Zonen gelten demnach auch für Radfahrer. In verkehrsberuhigten Bereichen, den sogenannten "Spielstraßen", müssen auch Radler Schrittgeschwindigkeit fahren.      

Immer möglichst nah am Rand fahren?

Das Rechtsfahrgebot gilt auch für Fahrräder. Das heißt, man darf nicht ohne Not mitten auf der Straße fahren, braucht sich aber auch nicht an den Rand zu quetschen. 80 bis 100 Zentimeter Abstand zu parkenden Autos sind aus Sicherheitsgründen sinnvoll. Lücken zwischen den Autos fährt man besser nicht aus, sondern hält die Spur, um Autofahrer nicht zu irritieren. Rechts von Straßenbahnschienen kann es für Radfahrer besonders brenzlig werden. Sie dürfen dann weiter mittig auf der Bahnspur fahren.

Gelten für Fahrräder Parkverbote?

Wenn Fahrräder im öffentlichen Raum Fußgänger behindern oder Feuerwehrzufahrten blockieren, können sie entfernt werden. Ein generelles Parkverbot für Räder können Städte und Gemeinden aber nicht einfach verhängen, auch wenn sie es bisweilen versuchen. Auf Privatgrund dagegen kann der Eigentümer das Abstellen verbieten.

Quelle: n-tv.de

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