Ratgeber

Holzöfen nachrüsten Wenn's den Nachbarn stinkt

Heizen wird immer teurer. Im Sommer ist die perfekte Zeit, um einen Holzofen nachzurüsten. Der verbreitet im Winter zwar wohlige Wärme, daran können sich aber nicht alle freuen. Wenn sich Nachbarn durch Gestank belästigt fühlen, müssen sie das nicht hinnehmen.

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Ein Kamin im Wohnzimmer spart Heizkosten.

(Foto: Claudia Hautumm, pixelio.de)

Der Fernseher gilt als die Feuerstelle der modernen Familie. In den eigenen vier Wänden versammeln sich die Familienmitglieder um ihn und lassen sich unterhalten. Sitzgruppen und Möbel sind oft auf den Fernseher ausgerichtet und rahmen ihn ein. In Zeiten teurer Heizkosten kehren aber auch die Feuerstellen zurück in die Häuser. Offene Kamine, Kamine mit Heizeinsatz, Raumheizer, Kachelöfen und viele Varianten sind in immer mehr Gebäuden anzutreffen. In der guten Stube wird es wieder wohlig warm und etwas Faszinierendes hat sichtbares Feuer schließlich auch. Wer es im Winter warm haben will, sollte nicht zu lange warten: Im Sommer ist die optimale Zeit, um solche Feuerstellen nachträglich einzubauen.

CO2-neutral, doch nicht gefahrlos

Glücklich macht ein Holzfeuer allerdings oft nur diejenigen, die davor sitzen. Die negativen Effekte auf die Umwelt sind nicht ohne, insbesondere dann, wenn beim Heizen nicht vorschriftsmäßig vorgegangen wird. Zwar gilt der Einsatz von Holz beim Heizen als CO2-neutral, weil das Holz bei der Verbrennung nicht mehr CO2 abgibt, als es beim Wachstum aufgenommen hat. Trotzdem entstehen bei der Verbrennung schädliche Stickstoff- und Schwefeloxide sowie Salzsäure.

Außerdem gelangt Staub in die Luft, der zu über 90 Prozent aus Feinstaub besteht. Feinstaub sind mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Partikel in der Luft, die beim Einatmen bis in die Lunge eindringen und die Gesundheit beeinträchtigen können. Laut Bundesumweltamt kann Feinstaub asthmatische Erkrankungen, Krebserkrankungen und Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems fördern.

Verbrennt Holz nicht richtig, können zudem giftiges Kohlenmonoxid und das klimaschädliche Methangas entstehen, das viel stärker als die gleiche Menge Kohlendioxid zur Erderwärmung beiträgt. Darüber hinaus können bei unvollständiger Verbrennung organische Verbindungen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen, die ebenfalls krebserregend sind. Wenn es also unangenehm riecht, können durchaus Gifte im Spiel sein.

Nachbarschaftsstreit programmiert

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Holz muss zwei Jahre lagern, bevor es verfeuert werden kann.

(Foto: Manfred Mazi, pixelio.de)

Die Holzverfeuerungsstellen können dann durchaus zu Streit mit den Nachbarn führen, wenn stinkende dunkle Wolken aus dem Schornstein qualmen. Das kann an einem Fehler beim Anheizen liegen. Manch einen verlockt das offene Feuer aber auch, gleich noch Dinge mitzuverbrennen, die nicht in den Kamin gehören. Holz mit Lack- oder Holzschutzresten, Pappe, Papier, Kunststoffe oder sonstiger Müll darf nicht verbrannt werden und führt meist zu schwarzem Rauch.

Weißer Qualm steigt hingegen auf, wenn das Holz zu feucht ist. Etwa ein bis zwei Jahre muss Holz trocken und gut belüftet lagern, um den gewünschten Feuchtegrad von 15 bis 20 Prozent zu erreichen. Frisch geschlagenes Holz enthält hingegen 45 bis 60 Prozent Wasser. Läuft alles korrekt, entsteht nur kurz nach dem Anzünden etwas Qualm. Danach ist nur ein leichtes Flirren über dem Schornstein zu sehen.

Beschwerde bei Behörden möglich

Fühlt man sich durch die Verfeuerungsmethoden des Nachbarn belästigt, sollte man zunächst das Gespräch suchen. Ist dies nicht möglich oder ändert sich nichts, ist eine Beschwerde bei den Behörden möglich. In den Bundesländern kann die Zuständigkeit unterschiedlich geregelt sein. In Frage kommen Ordnungsamt, Landratsamt, Bauordnungs- oder Immissionsschutzbehörde. Zunächst prüfen die Ämter dann, ob der Einbau und Betrieb überhaupt genehmigt wurden. Besteht der Verdacht, dass bei der Verbrennung giftige Gase oder zu viel Feinstaub entstehen, misst der Schornsteinfegers nach. Gegebenenfalls muss der Besitzer dann einen Filter nachrüsten. Zur Stilllegung kommt es aber nur in den seltensten Fällen.

Handeln die Behörden nicht, kann man auch vor dem Verwaltungsgericht klagen. Hier sollte man allerdings zuvor einen objektiven Blick auf die Sachlage werfen, denn die Gerichte verlangen von den Nachbarn eine gewisse Toleranz. Wenig erfolgversprechend ist die Klage eines Einzelnen. Ein gewisser Geruch ist laut Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz als sozialadäquat hinzunehmen. Dies gilt natürlich nicht, wenn Unerlaubtes verfeuert wird.

Übliche Nutzung beachten

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Qualm sollte nur beim Anschüren entstehen.

(Foto: wrw, pixelio.de)

Etwas anders sieht es aus, wenn mit Kaminen und Öfen geheizt wird, die nicht für den dauerhaften Betrieb vorgesehen sind. So darf beispielsweise ein offener Kamin nur gelegentlich angeheizt werden. In verschiedenen Gerichtsurteilen wurde genauer definiert, dass "gelegentlich" etwa acht Tage im Monat bedeutet.

Bei Kaminöfen muss differenziert werden. Bei vielen neuen Kaminöfen schließen die Ofentüren automatisch, wenn man sie loslässt. Die Gerichte gehen daher davon aus, dass ein solcher Ofen nicht mit offener Tür betrieben wird. Er kann daher uneingeschränkt genutzt werden, sofern das laut Herstellerbestimmung zulässig ist. Viele ältere und preiswerte Kaminöfen sind laut Hersteller dagegen nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt.

Zivilklage nicht empfehlenswert

Theoretisch ist auch eine Zivilklage möglich, wenn man sich durch den Rauch gestört fühlt. Allerdings ist diese mit einem deutlichen Risiko verbunden, denn die Beweislast liegt beim Kläger. Ein Gutachter muss im Zweifel vom Kläger bezahlt werden. Von daher ist dieser Weg nicht empfehlenswert.

Hoffnung, dass alte Stinker verschwinden, gibt es trotzdem. Die seit 2010 gültige Bundesimmissionsschutzverordnung schreibt vor, dass bis 2013 alle Kaminöfen überprüft werden müssen. Werden die Emissionsanforderungen nicht eingehalten, muss nachgerüstet und eventuell ein Filter eingebaut werden. Ist eine Nachrüstung nicht möglich, muss der Ofen gegen ein neues Gerät ausgetauscht oder stillgelegt werden.

Quelle: ntv.de

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