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Tschüss Mini-Renten? Wer Anspruch auf Grundrente hat

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Von der Grundrente sollen Menschen mit Mini-Renten profitieren.

(Foto: imago images/Steinach)

Für rund 1,3 Millionen Menschen mit niedrigen Renten sollen ab dem kommendem Jahr die Bezüge aufgestockt werden. Über Monate haben Union und SPD um die entsprechende Grundrente gefeilscht. Wer profitiert davon?

Menschen mit kleinen Renten - trotz jahrzehntelanger Arbeit - sollen ab dem 1. Januar 2021 Aufschläge auf ihre gesetzliche Rente erhalten. Nach monatelangem Gezerre hat das Bundeskabinett den entsprechenden Gesetzentwurf zur Grundrente von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) beschlossen. Diese soll den Steuerzahler pro Jahr 1,3 Milliarden Euro kosten.

Wer soll profitieren?

  • Menschen mit Minirenten, die mindestens 33 Jahre in die Rentenkassen eingezahlt haben. Angerechnet werden dabei nicht nur Arbeit, sondern auch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen.
  • Den vollen Aufschlag erhalten diejenigen, deren monatliches Einkommen als Rentner bei maximal 1250 Euro (Alleinstehende) und 1950 Euro (Eheleute oder Lebenspartner) liegt. Einkommen über dieser Grenze sollen zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet werden.
  • Frauen erhalten häufiger eine niedrigere Rente als Männer. Deshalb profitieren sie besonders von dem neuen Gesetzesvorhaben. 70 Prozent der künftigen Grundrentenempfänger sollen Frauen sein.

Wie viel Geld soll es mehr geben?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Nach Berechnungen des Arbeitsministeriums kann ein Geringverdiener mit 35 Jahren an Grundrentenzeiten einen Zuschlag von bis zu 404,86 Euro erhalten. Abhängig ist der Aufschlag davon, wie viele Jahre in die Rentenkasse eingezahlt wurde und wie hoch das Gehalt war. Außerdem spielt es eine Rolle, ob man im Osten oder Westen gearbeitet hat. Im Grundsatz werden die Entgeltpunkte, die bei der Deutschen Rentenversicherung erworben wurden, aufgewertet. Mit diesen wird die Rente errechnet. Ein Durchschnittsverdiener bekommt pro Jahr einen Rentenpunkt. Dafür gibt es derzeit im Westen 33,05 Euro Rente und im Osten 31,89 Euro pro Monat. 

Für die Zeiten mit nur geringen Rentenanwartschaften, welche die Grundrente auslösen, werden dann die Entgeltpunkte erhöht. Nämlich für 35 Jahre auf das Doppelte des Durchschnittswerts der erworbenen Punkte - höchstens aber auf 0,8 Punkte. Dann wird der Wert wieder verringert, um 12,5 Prozent. Die so erreichte Verringerung des Zuschlags bewirkt, dass mehr Beitrag insgesamt die Rente erhöht.

Beispielsweise würde eine Verkäuferin in Dresden, die 39 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und dabei 60 Prozent des durchschnittlichen Lohns in Deutschland verdient hat, grundsätzlich 746 Euro Rente erhalten. Dank der Grundrente würde sie einen Zuschlag von 195 Euro erhalten. Und käme auf eine Rente von 941 Euro.

Die Grundrente soll nicht extra beantragt werden müssen, sondern ein möglicher Anspruch soll via Einkommensprüfung automatisch von der Deutschen Rentenversicherung mit einem geplanten Datenaustausch mit den Finanzämtern geprüft werden. Maßgeblich bei der Prüfung ist nicht, wieviel Vermögen mögliche Grundrentenbezieher haben, sondern wie viel Einkommen sie haben. Dabei werden auch Mieteinnahmen, Kapitalerträge, Pensionen oder Einkünfte aus einer betrieblichen oder privaten Vorsorge berücksichtigt.

Quelle: ntv.de, awi