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Mietchaos in Deutschland Wer kann, der kauft

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Profitieren können Mieter, deren Vermieter zu den desillusionierten Eigentümern gehören, die nun ihre Einheiten abstoßen.

(Foto: imago images/Dirk Sattler)

Der Berliner Mietendeckel ist verfassungswidrig und ein Fiasko für alle Beteiligten. Für Mieter wird es nicht nur teurer, auch die Wohnungsknappheit dürfte sich verschärfen. Wer kann, sollte deshalb gegensteuern und seinem Vermieter ein Angebot machen, das dieser nicht ablehnen kann.

Die Klatsche kam mit Ansage. Als das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) vergangene Woche den Berliner Mietendeckel kippte, ging zwar ein Aufschrei durch die Republik. Tatsächlich aber war von Anfang an fraglich, ob das Land Berlin überhaupt einen solchen erlassen durfte. Nun ist es amtlich: Die Kompetenz für eine solche Regelung fehlte, da der Bund mit der Mietpreisbremse schon eine umfassende Regelung getroffen hatte (BVerfG, Az: 2BvF 1/20, 2BvL 4/20 und 2 BvL 5/20).

Doch auch wenn der Mietendeckel nun Geschichte ist: Seine Nachwirkungen sind weiter zu spüren - und zwar längst nicht nur in Berlin, und längst nicht nur bei den Mietern, denen happige Nachzahlungen drohen. Auch der Mietmarkt an sich hat bereits Schaden genommen.

Wenn Vermieten nicht mehr lohnt, wird verkauft

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Das ist nicht verwunderlich: Wer befürchten muss, dass eine große Investition am Ende zum Verlustbringer wird, sucht eben Alternativen. Entsprechend bauen Unternehmer - nicht nur in der Hauptstadt - inzwischen lieber Eigentums- als Mietwohnungen. Und auch private Vermieter gehen vermehrt dazu über, ihre Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln, um sich den Ärger künftiger Mietrechtsreformen zu ersparen.

Insgesamt hat der Mietendeckel damit den ohnehin schon angespannten Immobilienmarkt zusätzlich unter Druck gesetzt. Leidtragende sind einmal mehr all jene, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind und keine Chance haben, selbst Eigentum zu erwerben.

Die Krise als Chance

Profitieren können hingegen Mieter, deren Vermieter zu den desillusionierten Eigentümern gehören, die nun ihre Einheiten abstoßen. Wer in einem Mehrfamilienhaus mit sechs bis zehn Wohneinheiten wohnt, sollte daher aktiv werden und den Eigentümer ansprechen, ob er vielleicht verkaufen will. Kommt der Deal zustande, spart man sich dadurch nicht nur den Makler. Der Kauf der "eigenen" Wohnung hat auch den Vorteil, dass man die Schwachstellen und Vorzüge des Objektes kennt, also weiß, was man für sein Geld bekommt.

Um herauszufinden, ob und wie sich der Kauf finanziell bewerkstelligen ließe, eignet sich der Hauskauf-Rechner der FMH-Finanzberatung. Hier können Interessenten auf Basis ihres Nettoeinkommens und ihrer Familiengröße kostenlos errechnen, welche Immobilie sie in welchem Zeitrahmen abbezahlen könnten. Mit diesem Herrschaftswissen sind sie gut gewappnet für die Verhandlung mit ihrem (Noch)-Vermieter - oder einem anderen potenziellen Verkäufer.

Als Faustregel lässt sich festhalten: Wer aktuell 1000 Euro Kaltmiete bezahlt und pro Monat außerdem 500 Euro spart, kann locker einen Kredit von 400.000 bis 450.000 Euro bedienen - und macht damit sogar noch ein Plus.

Zehn Prozent Eigenkapital sollten da sein

Wie viel Haus man sich leisten kann, hängt allerdings nicht nur vom Kaufpreis, sondern auch von den Zinsen ab, die die finanzierende Bank verlangt. Der FMH-Zinsvergleich zeigt Interessenten tagesaktuell die günstigsten Angebote und stellt, wenn gewünscht, einen direkten Kontakt zum Banker der Wahl her. Wichtig: Der ausgewiesene Zinssatz ist mit einer Abweichung von maximal 0,1 Prozentpunkten am Tag der Berechnung verbindlich und stellt keinen Musterzins dar. Und die mögliche Kontaktaufforderung erhält nur der selbst ausgewählte Anbieter. Schneller und verbindlicher ist eine Finanzierungsanfrage fast nicht möglich.

Wichtig: Damit ein Kunde bei einer Bank die bestmöglichen Konditionen erhält, sollte er zumindest zehn Prozent der Anschaffungssumme aus eigenen Mitteln stemmen können. Das entspricht in vielen Bundesländern (fast) den Kaufnebenkosten - ohne Makler. Wenn das Ersparte dafür nicht reicht, lohnt es sich, die Familie ins Boot zu holen und zum Beispiel das Elternhaus zu beleihen, einen Vorschuss aufs Erbe zu vereinbaren oder ein privates Darlehen zu bekommen.

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Gut investiert ist dieses Geld allemal. Zwar warnen Experten seit Langem vor einer Immobilienblase. Solange aber weiterhin zu wenige Wohnungen gebaut werden, dürfte der Preisverfall wohl noch viele Jahre auf sich warten lassen. Auch die nach wie vor günstigen Zinsen machen die Entscheidung leicht: Zwar gibt es seit Monaten einen Aufwärtstrend, der wohl auch anhalten wird. Mit wenig Eigenkapital und langer Zinsbindung sind Kunden aber immer noch mit etwa zwei Prozent dabei.

Vor allem aber bedeutet eine lange Festschreibung Rechtssicherheit und Planbarkeit in finanziellen Fragen - beides Dinge, die Mieter und Eigentümer in letzter Zeit schmerzlich vermisst haben.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: ntv.de

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