Ratgeber
Mittwoch, 03. November 2010

Fragwürdige Werbung : Wie bio kann Wasser sein?

Mineralwässer unterscheiden sich im Mineraliengehalt, im Geschmack und in ihrer Verpackung. Eins haben sie aber gemeinsam: Sie werden als reines Naturprodukt abgefüllt. Darf ein Hersteller sein Wasser trotzdem extra als "bio" bewerben?

(Foto: Rainer Sturm, pixelio.de)

Kann auch Mineralwasser "bio" sein? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Mittwoch das Landgericht Nürnberg-Fürth. Dort legte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs Klage gegen den Oberpfälzer Getränkehersteller Neumarkter Lammsbräu und dessen Mineralwasser "Biokristall" ein.

Die Wettbewerbshüter halten die Kennzeichnung des Wassers als Bio-Produkt für irreführend. Natürliches Mineralwasser habe seinen Ursprung immer in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Quellvorkommen und sei daher von ursprünglicher Reinheit. Weil Mineralwasser nicht angebaut oder wie landwirtschaftliche Erzeugnisse hergestellt wird, falle es auch nicht unter die Öko-Verordnung der Europäischen Union. Käufer müssten irrtümlich glauben, das Wasser weise eine bessere ökologische Beschaffenheit als Konkurrenzprodukte auf.

Angeblich höhere Standards

Lammsbräu behauptet jedoch, sein Mineralwasser habe tatsächlich eine bessere Beschaffenheit und übertreffe die gesetzlichen Anforderungen bei weitem. Das Unternehmen habe zudem zusammen mit anderen eine Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser ins Leben gerufen und ein dazu gehöriges Zertifizierungssystem entworfen. Dadurch würden einheitliche Standards geschaffen, die mittelfristig rechtsgültig werden könnten.

Erst mit solch einer Vorgehensweise - also der Festlegung gemeinsamer Standards - habe sich überhaupt der Begriff "bio" in Deutschland etabliert. Außerdem werde die Vorsilbe "bio" inflationär gebraucht, weshalb der Durchschnittsverbraucher keineswegs meine, diese habe nur etwas mit Agrarerzeugnissen zu tun. "Biokristall" ist seit Sommer 2009 im Handel, die 0,75 Liter-Flasche kostet zwischen 80 Cent und einem Euro.

Quelle: n-tv.de