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Coronavirus auf dem Teller Wie gefährlich ist das Tönnies-Fleisch?

Nach dem massiven Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies werden nun noch 40.000 bereits geschlachtete Tiere verarbeitet. Geht von dem Fleisch Gefahr aus? Schließlich dürfte es mit dem einen oder anderen infizierten Mitarbeiter in Kontakt gekommen sein.

Schlachthöfe entwickeln sich immer mehr zu Coronavirus-Brutstätten. Zuletzt traf es Tönnies, eins der größten Schlachtereiunternehmen Deutschlands. Der Branchenriese musste nach einem Corona-Großausbruch mit mehr als 650 Infektionen bei seinen Mitarbeitern seinen Hauptproduktionsbetrieb vorläufig stoppen.

Doch bis zum Wochenende wird noch das Fleisch von 40.000 bereits geschlachteten Tieren verarbeitet. Mutmaßlich ist davon auszugehen, dass das Fleisch mit Arbeitern in Kontakt gekommen ist, welche sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Daraus ergibt sich die naheliegende Frage: Wie gefährlich ist das Fleisch aus der Tönnies-Produktion? Besteht die Gefahr, sich über Hähnchenbrustfilet, Schweinenackensteak, Frikadelle oder Würstchen mit dem Virus zu infizieren?

"Das Fleisch ist brandgefährlich"

Der Chef des Hygieneinstituts in Berlin, Prof. Klaus-Dieter Zastrow, äußert dazu gegenüber der "Bild"-Zeitung eine klare Meinung: "Das Fleisch ist brandgefährlich. Wenn es nicht stark erhitzt wurde, kann man es nicht mehr verwenden." Und weiter: "Man kann jetzt nicht einfach die aktuelle Produktion abverkaufen, sonst geht damit noch mal eine richtige Viruswelle übers Land."

Zudem mahnte Zastrow, "Tönnies sollte keine Fleischprodukte aus der betroffenen Produktionsstätte in Verkehr bringen. Sonst muss man die Verbraucher generell vor Tönnies-Fleisch warnen, weil der Kunde nicht nachvollziehen kann, wo die Produkte herkommen." Hintergrund: Nur bei unverarbeitetem Fleisch gilt eine Etikettierungspflicht. Ist das Fleisch verarbeitet, beispielsweise zu Wurst, muss der Hersteller nicht mehr angeben, woher der Rohstoff stammt.

Virus ist auf dem Fleisch

Zastrow rät Verbrauchern, Hautkontakt mit rohem Fleisch zu vermeiden, es am besten nur mit Haushaltshandschuhen zu berühren und die Hände anschließend zu desinfizieren. Denn erst die Hitze in der Pfanne deaktiviert das Virus. Von erhitztem Fleisch geht demnach keine Gefahr aus. Auch Kurzgebratenes ist sicher, wenn es von jeder Seite scharf angebraten wurde. "Das Virus ist ja auf dem Fleisch, nicht in ihm. Aber nicht erhitztes Fleisch ist ein gewaltiges Risiko", so Zastrow.

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Auch Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, hatte in der Vergangenheit gegenüber RTL die Lage ähnlich eingeschätzt: "Lebensmittel sind nicht steril. Wir haben in der Vergangenheit immer mal wieder gemerkt, dass wir zum Beispiel auch multiresistente Erreger auf rohem Hühner- oder Schweinefleisch finden", erklärte Zinn. Dennoch sei es in diesen Fällen nicht zu einer Infektion gekommen - das liege vor allem an der Zubereitung. Grundsätzlich sollte man dabei stets die gängigen Hygieneregeln befolgen, um durch Lebensmittel übertragbare Krankheiten zu vermeiden.

Dazu gehört vor allem, besonders Fleisch gleichmäßig und vollständig in Pfanne, Herd, Backofen oder Grill zu erhitzen. Denn die hier herrschenden Temperaturen von 70 bis 100 Grad machen eventuell anwesenden Viren und Bakterien den Garaus. Zinn betonte aber auch, dass stets darauf geachtet werden sollte, dass das Fleisch auch im Inneren ausreichend erhitzt wurde.

Quelle: ntv.de, awi