Aktien, Anleihen, Gold ... Wohin mit 25.000 Euro im Juli?

Seit Mai hat die US-amerikanische Notenbank Fed mit Kevin Warsh einen neuen Chef. Dieser geht einige Dinge anders an als sein Vorgänger. Zusammen mit Künstlicher Intelligenz könnte dies der Wall Street einen zusätzlichen Schub verleihen.
Die Börsianer haben die erste Pressekonferenz des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh mehrheitlich so interpretiert, dass die amerikanische Notenbank im laufenden Jahr mindestens noch einmal die Leitzinsen erhöhen wird. Derzeit liegen diese bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Im Mai sind die Verbraucherpreise in den USA im Jahresvergleich um 4,2 Prozent gestiegen. Damit übertrifft die Inflation das Zwei-Prozent-Ziel der Fed deutlich.
Gleichzeitig zeigt sich der US-Arbeitsmarkt vergleichsweise robust. Zwar fiel die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft in den USA im Juni mit 57.000 geringer aus als von Volkswirten erwartet. In den drei Monaten zuvor war die Zahl der neuen Arbeitsplätze jedoch stark gestiegen. Zudem fiel die Arbeitslosenquote zuletzt von 4,3 auf 4,2 Prozent. Damit herrscht in den USA nahezu Vollbeschäftigung - zumindest auf den ersten Blick.
Im Gegensatz zur EZB verfolgt die Fed neben dem Ziel der Preisstabilität auch das der Vollbeschäftigung. Eine (zu) hohe Inflation und eine solide Lage am Arbeitsmarkt: Da kommt Warsh kaum an einer restriktiveren Geldpolitik vorbei - so sehen es die Marktteilnehmer mehrheitlich. Das signalisieren auch die Terminmärkte.
Wall Street könnte falsch liegen
Es ist jedoch durchaus möglich, dass Warsh die Lage anders einschätzt als die Finanzmärkte. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jerome Powell verzichtet Warsh auf einen Ausblick der künftigen Geldpolitik der Fed, den die Profis Forward Guidance nennen. Vielmehr orientiert er sich ausschließlich an den aktuellen Daten. Sein Motto lautet: "We have no conviction", was sich mit "Wir haben keine Überzeugung" übersetzen lässt.
Bei näherer Betrachtung lassen sich die Daten anders interpretieren als von der Mehrheit der Anleger. In erster Linie sind es die höheren Energiepreise, die die Inflation nach oben getrieben haben. So ist der Preis für ein Fass Öl der nordamerikanischen Sorte WTI nach Beginn des Kriegs im Nahen Osten und der damit verbundenen Sperrung der Straße von Hormus von knapp 70 auf mehr als 110 Dollar gestiegen. Zwischenzeitlich kostete WTI-Öl jedoch wieder weniger als 70 Dollar je Barrel.
Nachdem China seine Ölimporte stark reduziert hat und die USA ihre Produktion deutlich erhöht haben, öffnen nun auch Venezuela und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Ölschleusen. Das könnte den Ölpreis weiter in Richtung 50 Dollar je Fass fallen lassen, was sich entsprechend dämpfend auf die Inflation auswirken würde. Notenbanker schauen üblicherweise gewissermaßen durch einen solchen "Inflationsberg" hindurch, da er sich genauso schnell abbaut, wie er sich aufgetürmt hat.
Auch der Arbeitsmarkt lässt unterschiedliche Interpretationen zu. Immer mehr US-Amerikaner benötigen zwei oder drei Teilzeitjobs, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. In den offiziellen Statistiken wird jedoch nicht zwischen gut bezahlten Vollzeitstellen und eher dürftig entlohnten Teilzeitjobs unterschieden.
Gamechanger KI
Künstliche Intelligenz (KI) hat gravierende Auswirkungen auf die Inflation und den Arbeitsmarkt. KI sorgt für enorme Produktivitätsgewinne. So lässt sich beispielsweise ein neues Software-Programm durch den Einsatz von KI in wenigen Tagen oder sogar nur Stunden schreiben. Noch vor Kurzem brauchte die entsprechende Codierung dafür mindestens mehrere Wochen.
Im Kundendienst bewältigen immer weniger Beschäftigte, die von KI-Agenten unterstützt werden, dieselbe Arbeit wie früher deutlich mehr Mitarbeiter. So hat das US-Unternehmen Salesforce bereits im vergangenen Jahr 4000 Service-Mitarbeiter durch KI-Assistenten ersetzt. Auch Meta und Oracle haben angekündigt, ihre enormen Investitionen in KI durch den Abbau von Stellen zu finanzieren.
KI wirkt durch die deutliche Erhöhung der Produktivität der Inflation entgegen. Gleichzeitig setzt sie Arbeitskräfte frei und steht somit der Vollbeschäftigung entgegen. Eine geringere Teuerungsrate und ein tatsächlich weniger robuster Arbeitsmarkt - schließt sich Warsh dieser Interpretation an, wäre noch in diesem Jahr eine Senkung der US-amerikanischen Leitzinsen denkbar. Das würde die Wall Street sicherlich positiv überraschen.
Die 25.000-Euro-Frage
Bei einer Anlage von beispielsweise 25.000 Euro sollten Anleger etwa 70 Prozent in Aktien investieren. Dabei sollten US-amerikanische Betreiber von KI-Rechenzentren einen spürbaren Anteil haben, denn im Vergleich zu den Chipproduzenten besteht hier Nachholbedarf. Der rasante Ausbau von KI-Rechenzentren, vor allem in den USA und China, lässt den Strombedarf stark steigen. Dieser soll vor allem durch den Ausbau der Photovoltaik in China und der Kernkraft in den USA und der Volksrepublik gedeckt werden. Davon dürften die Produzenten von Silber und Uran profitieren. Gold und Bitcoin dienen der Risikostreuung. Mit Geld, das in Anleihen investiert ist oder bar gehalten wird, lässt sich bei Kursrücksetzern preiswerter nachkaufen.
Über den Autor: Marco Rumpf ist seit 1998 als geschäftsführender Gesellschafter bei der DRH Vermögensverwaltung GmbH tätig. Dort verantwortet der Bankkaufmann und Bankfachwirt die Bereiche Risikomanagement, Portfoliomanagement sowie die strategische Unternehmensführung.
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