Ratgeber
Freitag, 12. Oktober 2007

Zukünftige Lehrer: Zum Scheitern verurteilt

Lehrer ist einer der anstrengendsten Berufe: Oft führt die Arbeit zu psychischen Problemen und völliger Erschöpfung. Als Gründe nennen Lehrerverbände die zu hohe Unterrichtsverpflichtung, zu große Klassen und schwierige Kinder. Diese Fakten scheinen unstrittig. Dass viele junge Pädagogen einfach den falschen Beruf wählen, war bislang nicht so klar.

Eine Studie der Universität Potsdam beleuchtet nun genau diesen Aspekt: Schon unter Lehramtsstudenten und Referendaren finden sich zahlreiche, die den psychischen Anforderungen des Lehrerberufs nicht gewachsen sind. "In der Tat sind zu viele ungeeignet für den Lehrerberuf", sagte der Leiter der Studie, Uwe Schaarschmidt, am Freitag in Stuttgart.

Schonung und Resignation

Die Untersuchung basiert auf Befragungen von 20.000 Lehrern aus 14 Bundesländern. Einbezogen waren auch Lehramtsstudierende und Referendare. Jeder vierte dieser jungen Pädagogen fällt unter das sogenannte "resignative Muster". Die Merkmale: ein permanentes Überforderungserleben, Erschöpfung und Resignation. "Klar ist, dass bei stärkerer Ausprägung dieses Musters der Betroffene kaum ein guter Lehrer sein kann", heißt es in der Studie.

Rund 30 Prozent der angehenden Lehrer sind der demzufolge in der Kategorie S wie "Schonung" eingeordnet. Charakteristisch dafür ist ein geringes Engagement. "Im Lehrerberuf dürfte es ein ernstes Hindernis für erfolgreiche Arbeit sein, kommt es hier doch verstärkt auf eigenaktives und engagiertes Handeln an", folgern die Potsdamer Wissenschaftler.

Falsche Berufserwartungen

Was treibt nun junge Menschen in die Schulen, auch wenn sie sich nicht zum Unterrichten berufen fühlen? Schaarschmidt mutmaßt, es könne die irrige Meinung sein, das Studium und der spätere Beruf seien leichter als andere. Auch die möglicherweise einfachere Vereinbarkeit von Beruf und Familie könnte ausschlaggebend sein. Die künftige Absicherung als unkündbarer Beamter dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. "Doch das ist keine Basis für einen Beruf, dessen Voraussetzung die Freunde an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist", sagt der Psychologieprofessor.

Nach Überzeugung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sollten die Studenten nicht erstmals im Praxissemester nach dem Grundstudium vor den Schülern stehen, sondern schon in den ersten Semestern einmal pro Woche praktische Erfahrung sammeln. GEW- Sprecher Matthias Schneider sagt: "Nach der ersten späten Praxiserfahrung ist ein Studienwechsel - dann im fünften oder sechsten Semester - sehr schwierig."

Quelle: n-tv.de