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Urlaubsort mit dunkler Geschichte So sehen die Luxusbauten von Prora aus

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Appartments mit unverbautem Meerblick: Diese Perspektive macht den Bau in Prora für viele attraktiv.

(Foto: Carola Ferstl)

Prora war ein Bauprojekt der Nazis - heute wird es zu Luxusappartements umgebaut, die von Urlaubern gemietet werden können. Die Wohnungen liegen an einem der schönsten Strände Deutschlands auf Rügen. Doch das Projekt ist umstritten.

Drumherum ist noch Baustelle, aber das Hotel Solitaire mit seinen rund 90 Appartements hat pünktlich zu den Sommerferien seine Pforten geöffnet. Nur noch die äußere Hülle, die schieren Ausmaße, erinnern an das Projekt der Nationalsozialisten, die hier ein Urlaubsort für rund 20.000 Menschen entstehen lassen wollten.

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Die Hochglanzmöbel erinnern wenig an die historische Bedeutung Proras.

(Foto: Carola Ferstl)

Noch viel weniger kann man die Armee-Kaserne erahnen, als die es während der DDR-Zeit genutzt wurde.
 Denn an den schlichten Außenfassaden wurden Glas-Balkone angebaut, nichts trübt den freien Blick auf die Dünen und das Meer. Einrichtung und Grundrisse wurden den Bedürfnissen moderner Großstädter angepasst.

Wo bleibt die Erinnerung?

Helles Holzparkett und Ledersofas, Windlichter mit "There ist no place like home"-Aufschrift vermitteln Wärme und Gemütlichkeit. Studio-Appartements mit einem Schlafzimmer oder ganze Maisonette-Wohnungen für Großfamilien sind im Angebot. Doch wo ist der geschichtliche Bezug?

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Der Bau von Prora liegt direkt an der Ostsee.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nur Fotos im Erinnerungszentrum erzählen davon, dass sich zwei Personen hier auf 12 Quadratmetern in getrennten Betten erholen sollten, um ihre Arbeitskraft danach wieder dem Deutschen Reich zur Verfügung zu stellen. Das ist wohl auch einer der große Kritikpunkte, die sich die ambitionierten Investoren gefallen lassen müssen. Was bleibt von der Geschichte? Wird man sich in Prora an den Größenwahn und die Ungerechtigkeit zweier Diktaturen des 20. Jahrhunderts erinnern können?


Luxus im ehemaligen Nazibau

Noch stehen Menschen vor dem Museum in einem der Gebäudeteile. Doch die Ausstellung kann mit den Ansprüchen einer multimedialen Jugend nicht Schritt halten. Die Urlauber orientieren sich Richtung Meer und Binzer Strandpromenade. Die Anleger von Prora interessieren sich für ihre Rendite. Dank großzügiger Abschreibungen sind im aktuell sanierten Block 2 kaum noch Wohnungen zu haben. Das größte Appartement mit 350 Quadratmetern Wohnfläche und spektakulärerer Dachterrasse wurde vor kurzem für 1,7 Millionen Euro verkauft.

Noch mehr Luxus versprechen die riesigen Wohnungen über dem zukünftigen Spa-Bereich. Fünf Meter hohe Decken und große Fenster zur Ostsee sollen auch die verwöhntesten Urlauber zu Anlegern in diesem Mega-Projekt machen. Ein großes Bauvorhaben, das seine geschichtlichen Schattenseiten hat - und gerade deshalb sehr umstritten ist.

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Quelle: n-tv.de

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