Fußball

Die Lehren des 20. Spieltags Ach, der FC Bayern ...

8915f60dada852f26d80fd2edab393bb.jpg

Thomas Müller und seine Bayern sind wieder Erster. Das finden sie in München offenbar ziemlich gut.

(Foto: imago images/Kessler-Sportfotografie)

20 Spieltage hat es gedauert, aber jetzt ist doch alles wie immer: Der FC Bayern München ist in der Bundesliga wieder "Back on top", immerhin mit einem Rekord. Außergewöhnlich ist die Lage in Bremen und Dortmund - allerdings auf ganz unterschiedliche Weise.

1. FC Bayern ist wieder da, wo er sich selbst sieht

"Back on top" - mehr brauchte es nicht an Kommentar von Seiten des FC Bayern nach dem 3:1 gegen den FSV Mainz 05. So kurz und prägnant benannte die Medienabteilung auf Twitter, was los ist in der Fußball-Bundesliga. Der FC Bayern ist wieder Tabellenführer, er ist zurück auf dem einzigen Platz, an den er gehört - so weit es nach dem Selbstverständnis des Rekordmeisters geht. Ganz nach Bayern-Manier kam noch ein "Mia san mia" hinzu.

Etwas ausführlicher sprach Abwehrspieler David Alaba über den Sieg: "Wir haben wieder zu unserer gewohnten Spielweise zurückgefunden." Und zwar zu einer, die äußerst torreich ist. Die Münchner haben zwar bis zum 20. Spieltag gebraucht, um die Tabellenspitze zu erklimmen, aber dennoch haben sie einen weiteren Rekord auf dem Konto: 58 Tore nach 20 Spieltagen gelangen bislang nur zweimal dem SV Werder Bremen sowie einmal dem Hamburger SV.

Das sollte auch RB Leipzig zu denken geben. Denn am kommenden Sonntag (18 Uhr im Liveticker bei ntv.de) kommt es zum absoluten Spitzenspiel: Erster gegen Zweiter, die beiden trennt nur ein Punkt. Aber während die Sachsen im zweiten Spiel nacheinander ohne Sieg blieben - und bereits im fünften Sieg in Folge mit einem Tor-Rückstand zu kämpfen hatten, haben die Bayern in nur drei Spielen nach der Winterpause die vier Punkte Rückstand auf die Leipziger aufgeholt. Alaba sagte noch etwas zum Bayern-Spiel: "So sind wir schwer aufzuhalten." Für die anderen Klubs - inklusive RB Leipzig - heißt das nichts Gutes.

2. BVB packt die Rekordstiefel zum Angriff aus

Borussia Dortmund hat noch was vor. Wichtiges Werkzeug dafür: die Lockerheit bei den Spielern. Und die ist in der Rückrunde wieder gegeben. Davon zeugte unter anderem der Spruch von Roman Bürki über Neuzugang Erling Braut Haaland am vergangenen Wochenende: "Es ist sehr schade, dass er schon nachlässt", scherzte der Torhüter bei "Dazn". "Erst drei Tore, jetzt zwei Tore. Ich hoffe nicht, dass es im nächsten nur noch eins ist." Solche flapsigen Sprüche waren vor der Winterpause noch Fehlanzeige. Und darüber hinaus hat Bürki auch noch Glück, dass der 19-jährige Haaland auf ihn gehört hat. Es wurde nicht ein Tor gegen den 1. FC Union Berlin, es wurde wieder ein Doppelpack. So ganz nebenbei hat Haaland damit einen Bundesliga-Rekord aufgestellt. Er ist der erste, dem in seinen ersten drei Spielen sieben Tore gelingen.

a3fdca38e61fbcffbec60e3c84093ecb.jpg

Haaland versucht selbst das Unmögliche.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

"Er hat diese Gier, unbedingt Tore erzielen zu wollen", beschrieb Dortmunds Kapitän Marco Reus das Phänomen Haaland. Gut möglich, dass er für die Schwarz-Gelben im Saisonverlauf auch noch zum Bayern-Schreck avanciert. Nur drei Punkte trennen die beiden Klubs. Das direkte Aufeinandertreffen im Signal-Iduna-Park findet am Samstag, den 4. April statt. Und da hat der BVB nach dem blamablen 0:4 im Hinspiel noch etwas gutzumachen. Praktisch, dass Haaland nicht der einzige Teenager ist, der den BVB antreibt. Auch Jadon Sancho ist erst 19 Jahre jung - trotzdem hat er bereits 25 Tore für seinen Klub erzielt. Damit ist er der jüngste Profi, dem das in der Bundesliga glückt. Die beiden allein sorgten in den drei Rückrundenspielen für zehn Tore, hinzu kommen fünf weitere Treffer ihrer Teamkollegen. Kassiert hat ihre Defensive in derselben Zeit nur vier Tore. Diese Statistik kann sich sehen lassen. Und zwar auf dem Weg nach oben, die Tabelle hinauf.

3. Die Bundesliga sucht noch nach der passenden Stimmung

Zwei Situationen, zwei Respektlosigkeiten, hundert Meinungen: Im Spitzenspiel zwischen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach fliegt der Gladbacher Alassane Pléa vom Platz, weil er gleich zweimal sein Missfallen gegen eine Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Stieler deutlich macht. Lauter Protest und ein eher harmloses Abwinken führten in der Summe zu Gelb-Rot. Große Diskussionen, "Emotionen sollten in Teilen auch erlaubt sein", forderte Gladbachs Sportchef Max Eberl. "Ich erwarte schon, dass wir bei allem Vorbild, das wir sein müssen, uns auch ein bisschen regen dürfen und keine Zinnsoldaten werden, die nur auf dem Platz zu funktionieren haben." Vom Reglement und der in der Winterpause offensiv verkündeten neuen Linie der Schiedsrichter ist der Platzverweis in jedem Falle gedeckt. Die Diskussion darüber, ob ein Spieler in derselben Situation gleich zweimal bestraft werden muss, darf auch geführt werden. (Lesen Sie hier die klare, wohlargumentierte Meinung von "Collinas Erben".)

06e167dd0ea5898062ff7a7523a043ad.jpg

Ärger gibt es auch in Mainz - wegen einer Respektlosigkeit.

(Foto: imago images/Werner Schmitt)

Spannend wäre zu erfahren, was sie in Mainz dachten, als sie die Szene aus der 61. Minute in Leipzig zu sehen bekamen. Beim Abstiegskandidaten hatten sie am Nachmittag nämlich ihre eigene Respektlosigkeit zu kommentieren. Trainer Achim Beierlorzer hatte seinen Mittelfeldspieler Pierre Kunde Malong nach einer dürren Vorstellung und drei Gegentoren nach nur rund einer halben Stunde vom Feld genommen. Statt des eigentlich obligatorischen Handschlags kassierte der Trainer vom Kameruner dagegen eine ganz kalte Schulter. "Es ist definitiv nicht gut, dass man den Trainer so dastehen lässt. Respekt ist keine Einbahnstraße. Seine Reaktion war ein 'No Go' - das war sehr öffentlichkeitswirksam", schimpfte der Trainer über seinen gerade öffentlichkeitswirksam zum Sündenbock degradierten Spieler.

Der hatte allen Anlass, enttäuscht zu sein. Von sich, seiner Leistung, vom Ergebnis und über seine Auswechslung im großen Spiel. Menschlich ist das nachvollziehbar, auch dass der Spieler hernach keine große Lust auf Händeschütteln hatte. 05-Sportvorstand Rouven Schröder legte aber noch nach: "In dem Moment war der Respekt nicht da. Der Spieler hat aber relativ schnell gemerkt, dass er damit auf dem Holzweg ist. Er weiß, dass er sich da entschuldigen muss. Es war einfach ein Fehlverhalten." In der Bundesliga muss der Umgang miteinander noch geübt werden: Emotionen, Respektlosigkeiten, Missfallen gegen den Schiedsrichter ja bitte, aber untereinander nicht?

4. Herthas Neuer ackert - aber der Rest?

Wir müssen nicht drumherum reden. Das Spiel zwischen Hertha BSC und dem FC Schalke 04 war nun wirklich kein Leckerbissen. Im Gegenteil, schönen Fußball gab es gar nicht. Torchancen? Auf beiden Seiten Fehlanzeige. Was also Positives von diesem mauen 0:0 am Freitagabend bleibt? Dass es beim nächsten Aufeinandertreffen der beiden Klubs nicht mit einem torlosen Remis enden kann - denn schon am Dienstag empfängt der FC Schalke Hertha BSC, diesmal im Achtelfinale des DFB-Pokals (20.45 Uhr im Liveticker bei ntv.de).

f085149e67ad9a64845081a77b5a844f.jpg

Krzysztof Piatek alleine wird Hertha nicht retten.

(Foto: imago images/Matthias Koch)

"Im Kopf haben wir vielleicht einen kleinen Vorteil", glaubt Herthas Mittelfeldroutinier Per Skjelbred. Schließlich habe man als 13. gegen den Sechsten der Bundesliga mithalten können. Und: "Sie kennen ja unsere Nummer Sieben noch nicht so gut", wird Trainer Jürgen Klinsmann, ganz in Manier der WM 2006 womöglich sagen. Denn Neuzugang Krzysztof Piatek kam nur von der Bank. Ab der 63. Minute aber blitzte auf, warum er 23 Millionen Euro Ablöse an den AC Mailand kostete: Er ging sofort ins Laufduell, zeigte mit dem ersten Bodycheck Präsenz, erlief Räume in der Offensive und verlieh dieser damit neuen Schwung. Gut möglich, dass er am Dienstag in der Startformation steht. Klar ist jedoch auch: Ein aggressiver Stürmer allein? Das reicht nicht. Schon gar nicht gegen eine Schalker Mannschaft, die im eigenen Stadion spielt. Es bleibt abzuwarten, ob Piatek dann immer noch "sehr glücklich" ist, bei der Hertha zu sein.

5. Gisdol macht 1. FC Köln ligareif

4:0 hatte der 1. FC Köln gerade gegen den SC Freiburg gewonnen. Markus Gisdol gönnte sich einen kurzen Moment des Genusses. Kölsche Lieder der freudetrunkenen Fans schallten von der Tribüne - nun gut, als Trainer des Effzeh ist man ja geradezu verpflichtet, sie zu mögen. Auch wenn wir Gisdol eine bessere akustische Untermalung gewünscht hätten, den Jubel hat er sich verdient. Er betonte nach dem Spiel selbst: "Das war eine reife Leistung." Und zwar eine, die sich so richtig gelohnt hat. Zwar gibt es auch für einen Kantersieg nur drei Punkte, aber dank dieser haben die Kölner (vorerst) nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun.

Waren die Kölner Mitte Dezember noch Tabellenletzter, sind sie jetzt schon 14. der Bundesliga. 15 Punkte konnten sie seit dem 14. Spieltag ergattern, mehr gab es in diesem Zeitraum nur für den FC Bayern. Zusätzlich setzte es gleich mehrere Rekorde: Erstmals seit 2011 konnte der Klub vier Heimspiele in Serie gewinnen. "Unser Stadion ist im Moment eine Festung", sagte Dominick Drexler. Ein Lob könnte er auch für seinen Mitspieler Jhon Cordoba übrig haben. Der traf in sechs Heimspielen in Serie - das war in Köln zuletzt Klaus Allofs im Jahr 1984 gelungen. Für all das ist unter anderem Trainer Gisdol verantwortlich. Dass er ganz persönlich einen kuriosen Rekord verpasste, wird er ob des klaren Erfolgs verschmerzen: Der 50-Jährige und sein Freiburger Kollege Christian Streich hatten sich in den sechs Aufeinandertreffen, die sie bislang hatten, immer Unentschieden getrennt. Sieben Remis in Folge gab es noch nie. Nun, dank Gisdols Truppe gibt es sie auch weiterhin nicht.

6. Den SV Werder retten nicht mal Geschenke

imago42049259h.jpg

Florian Kohfeldt durfte immerhin mal wieder kurz jubeln.

(Foto: imago images / Nordphoto)

Zwei Tore hat der SV Werder Bremen in den drei Spielen der Rückrunde erzielt - oder besser: Erzielen lassen. Für die akut abstiegsbedrohten Norddeutschen trafen Florian Kastenmeier und Tin Jedvaj, der eine ist Düsseldorfer, der andere verdient sein Geld in Augsburg. Zum Rückrundenauftakt in Düsseldorf reichte das Geschenk zum Sieg, in Augsburg dagegen ging das Spiel noch verloren. Und das lag schlicht und einfach daran, dass diese eigentlich mindestens solide besetzte Werder-Mannschaft in jedem einzelnen Mannschaftsteil Probleme hatte. Gab es erst noch das große Lamento, dass den Bremern die Innenverteidiger ausgingen, bildeten in Augsburg am Ende, als Trainer Florian Kohfeldt offenbar wenigstens einen Punkt sichern wollte, gleich vier von ihnen die Viererkette. Aber das half nichts, die träge Kette wurde einfach vom Augsburger Tempo gesprengt.

Und die Offensive, in der mit Rekordtransfer Davy Klaassen, Hochgeschwindigkeitsaußen Milot Rashica, dem deutschen Nationalspieler Maximilian Eggestein, dem Ex-Hoffenheimer Leonardo Bittencourt und dem derzeit noch geliehenen Bald-Rekordtransfer Davie Selke zumindest nominelle Hochkaräter in Reihe stehen? Harmlos, planlos, quasi inexistent. Werders Sportgeschäftsführer Frank Baumann analysierte denn auch treffend: "Wir kriegen zu leicht Gegentore. Auch heute war es aus meiner Sicht unnötig, dass wir uns in Führung auskontern lassen." Außerdem sei das Team "nicht mutig im eigenen Ballbesitz". Die Situation sei "dramatisch". Der neue Hoffnungsträger Davie Selke dagegen muss noch erklären, woher er seinen Optimismus hat: "Wir wissen, wie die Situation ist und kennen den Ernst der Lage. Wir sind sehr positiv, dass wir da wieder rauskommen." Aus einer Situation, in der nicht mal mehr Geschenke helfen.

Quelle: ntv.de