Fußball

Lehren des 15. Buli-Spieltags Bayern gähnt, Freddy Krueger foltert den FC

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Ja ist denn schon Herbstmeisterschaft, Thomas Müller?

(Foto: imago/Jan Huebner)

Wer glaubt, es gehe nicht schlimmer als Platz 18, muss sich am 15. Spieltag vom 1. FC Köln eines Schlechteren belehren lassen. Der BVB zieht die Notbremse, die Bayern interessiert die Liga nicht mehr so. In Leipzig wirft ein Kuss Fragen auf.

1. Die Liebe ist ein seltsames Spiel …

… und die "echte Liebe" noch viel mehr, wie die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA am Sonntag bewiesen hat. Sie hat sich von ihrem Trainer getrennt, was insofern nicht überraschte, als der Beziehungsstatus schon lange vor dem Offenbarungseid gegen Werder Bremen auf "es ist kompliziert" stand. Den Neuen aber gleich mit auf die Pressekonferenz zu nehmen, bei der die Nachricht von der Entlassung offiziell verkündet wurde, das rückte sie dann doch in die Kategorie "eiskalt abserviert". Klubchef Hans-Joachim Watzke wirkt aus der Ferne betrachtet ja ohnehin nicht gerade wie einer, der sein Haus mit Herzenswärme heizt, und er hat auch die neue Flamme Peter Stöger nicht gerade mit Liebesbekundungen überhäuft. "Helfen" soll der Ex des FC, ausgestattet wurde er nur mit einem Vertrag bis Saisonende.

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Im besten Fall also eine Liaison auf Probe, im schlechtesten eine Überbrückungsbeziehung. Aber Achtung, Aki Watzke: Reporter-Veteran Marcel Reif bezeichnete Stöger treffend als "Menschenfänger" - was, wenn sich das zuletzt missmutige Dortmunder Publikum in den sympathischen Österreicher verschaut, aber der Boss lieber die Chance auf einen anderen wahrnehmen will, sagen wir, einen Jüngeren, aus reichem Hause? Dann könnte plötzlich die echte Liebe zwischen Fans und den Vereinsoberen erkalten.

2. Es geht schlimmer als Tabellenplatz 18

Wenn die Liebe schon ein seltsames Spiel ist, was ist dann bitte Fußball? Fragen Sie doch mal einen Fan des 1. FC Köln, aber bitte nur mit einer Fußlänge Abstand. Hier die Privatmeinung des Autors, Anhänger des Effzeh seit 25 Jahren: Fußball ist ein, Pardon, Arschloch. Wenn sich der FC den selig machenden Trip nach Europa erschummelt hätte, wie weiland Thierry Henry die WM gegen Irland, es wäre wenigstens verständlich und verschmerzbar, dass der Fußballgott seinen Tribut einfordert. Aber der Sport funktioniert ja ohnehin nicht nach der katholischen Logik von Sünde und Buße, der Fußballgott ist tot, es regiert Nietzsches Nihilismus.

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Und diese Saison fühlt sich einfach nur an wie "Und täglich grüßt das Murmeltier", aber ohne Murmeltier - Freddy Krueger hat es skalpiert und jede Woche einen anderen Albtraum parat, geskriptet von den sadistischen Drehbuchschreibern von "Game of Thrones". Beim 3:4-Horror gegen Freiburg am Sonntag keimte in der ersten Halbzeit sogar so etwas wie Hoffnung auf, beim zwischenzeitlichen 3:0 schon ungläubige Euphorie. Bis der Vorsprung zerbröselte wie ein Lottogewinn in der Hyperinflation, bis zu den zwei Elfmetern in den letzten fünf Minuten. "Das ist die Krönung", sagte ein völlig entgeisterter Dominique Heintz danach, "schlimmer geht es nicht mehr." Und die Saison 2017/2018 so: Hold my beer. Am Mittwoch geht es zu den Bayern.

3. Bayern gewinnt auch mit leitendem Personal

Der Rekordmeister wird wohl seine Schwierigkeiten mit dem Effzeh haben - nicht spielerisch, aber sie werden sich nicht auskennen. Die Kölner müssen ja wegen der Verletzungsseuche No-Names wie den 17-Jährigen Yann Aurel Bisseck und den 19-Jährigen Birk Risa aufbieten, selbst wer die Bundesliga wirklich eng verfolgt, hat von denen unter Umständen noch nie etwas gehört. Wie soll es erst den Bayern gehen, die sich offenbar nicht einmal für die Tabelle der Bundesliga interessieren? "Ach, ist das schon durch?", fragte Thomas Müller, als er nach dem 1:0 in Frankfurt auf die Herbstmeisterschaft angesprochen wurde. "Na dann feiern wir das halt auch noch." Schon verstanden, Herr Müller, Herbstmeisterschaft, das ist schon zum Gähnen. Trainer Jupp Heynckes wusste wenigstens Bescheid, wollte aber deswegen "keine Raketen steigen lassen". Eine Reaktion, so stocknüchtern wie die Leistung der Bayern bei der aufopferungsvollen Eintracht: Vorne eine Bude machen, hinten reinstellen, Beamtenfußball wie zu Michael Ballacks Zeiten. Plus eine Extraportion Bayern-Dusel, eigentlich hätte Torschütze Arturo Vidal zweimal Rot sehen können bis müssen, erst bei seinem Foul hart an der Notbremse in Minute 5, dann ganz sicher zehn Minuten nach der Pause, als er gelbbelastet Marius Wolf fällte.

Der Frankfurter hatte seinen großen Auftritt in der 72. Minute, als er James Rodriguez von hinten in die Beine trat, erst Rot sah - und dann, schon auf dem Weg in die Kabine, von Referee Harm Osmers per Review begnadigt wurde. So ganz nebenbei schrieb dieses Spiel noch die schöne Geschichte von "Starke die Krake": Neuer-Vertreter Sven Ulreich musste beim Aufwärmen passen, zwar saß auch ein U19-Torhüter auf der Bank, aber vermutlich hatte sich Heynckes mal wieder den Namen dieses jungen Hüpfers nicht merken wollen - also kam Tom Starke, der Torwartkoordinator des Nachwuchsleistungszentrums, in seinem Nebenjob nochmal eben zu seinem 100. Bundesligaspiel und einem Sonderlob von Javi Martinez: "Tom sieht aus wie 50 und spielt wie 28."   

4. Diese Laptoptrainer können doch was

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Schalke-Manager Heidel ist mit seinem Laptop-Trainer Tedesco zufrieden.

(Foto: AP)

Ein "Katastrophenjahr", so motzte Karl-Heinz Rummenigge am Wochenende über das maue Abschneiden der Bundesliga-Klubs in Europa. Wenn es so weitergehe, habe Deutschland bald nur noch zwei Champions-League-Plätze. Nicht, dass diese Aussicht den Abonnement-Meister schrecken sollte. Aber wenn sich der Bayern-Boss ernsthaft um die Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Konkurrenz im Europapokal sorgt, sollte er doch zum Beispiel die Finger von Leon Goretzka lassen. Es sieht nämlich so aus, als könnte Schalke den Shootingstar in der nächsten Saison gut gebrauchen. Beim unterhaltsamen 1:1 im Topspiel in Gladbach verteidigten die Königsblauen den Noch-Champions-League-Rang Drei, und das trotz eines Rückstandes und einer eher mittelprächtigen ersten Hälfte. "Wiederauferstanden" sei sein Team, lobte Manager Christian Heidel. "Ich finde, was unsere Jungs da in der zweiten Halbzeit abgezogen haben, auch vom kämpferischen Einsatz, ist einfach überragend."

Tedesco hatte nach anfänglichen Problemen das System umgestellt, aber offensichtlich auch die richtigen Worte in der Halbzeit gefunden. Der 32-Jährige scheint ein Spielerflüsterer zu sein, und genau deswegen adelte ihn die "Welt" jüngst als Gegenbeweis für Scholls These, dass die Laptoptrainer keine Ahnung von Menschenführung hätten. Und auch Heidel mischte sich nun in die Diskussion um Scholls Kritik ein: "An seiner Stelle wäre ich lieber mit dem Lada [gemeint ist wohl eine andere Marke, für die Scholl Werbung macht, Anm.d.Red.] nochmal durch die Stadt gefahren, bevor ich so ein Zeug erzähle." Zu laut trommeln sollte Heidel aber vielleicht nicht für seinen Coach, Karl-Heinz Rummenigge braucht ja auch noch einen Trainer. Und im Zweifel ist ihm die eigene Wettbewerbsfähigkeit dann doch am wichtigsten.

5. Es gruppiert sich

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Schneeballschlacht in Hannover.

(Foto: imago/Rust)

Nach 15 Spieltagen kristallisieren sich so langsam feste Gruppen in der Tabelle heraus - mit den einsam enteilenden Bayern an der Spitze und dem "San Marino der Liga" ("SZ") am Tabellenende. Von Rang zwei aus führen die schwächelnden Leipziger, die zu Hause nur ein 2:2 gegen Mainz holen konnten, mit 27 Punkten die Europa-Aspiranten an, zu denen sich mit 22 Punkten auch noch die zehntplatzierten Hannoveraner zählen dürfen, auch wenn sie das trotz des 2:0 in der Schneeballschlacht gegen Hoffenheim nicht wollen. Die Abstiegsgefahr beginnt auf Platz 11 mit Wolfsburg und 18 Punkten, das sind nur vier mehr als Werder Bremen auf 17, das zwar den Sieg in Dortmund feierte, aber das wahrscheinliche Saisonaus für Fin Bartels verschmerzen muss, der sich die Achillessehne riss.

6. Es gibt Klärungsbedarf in Sachen "Glücks-Kuss"

Es ist, so viel sei vorweg gesagt, völlig unklar, was da auf der Leipziger VIP-Tribüne genau passiert ist. Es sind aber Fragen offen, die Sandro Schwarz selbst aufgeworfen hat. Der Trainer des FSV Mainz war von Schiedsrichter Patrick Ittrich wegen Meckerns der Bank verwiesen worden, also saß er dort oben, "neben einer netten Frau", wie er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel grinsend schilderte. "Ich muss mich entschuldigen. Beim Ausgleich zum 2:2 habe ich sie aus Versehen auf die Stirn geküsst. Das tut mir leid, aber es gibt Schlimmeres." Von einem "Glücks-Kuss für eine fremde Frau" schrieb die "Bild"-Zeitung, die auch noch jovial Schwarz' Aussage kolportierte, seine Frau brauche sich keine Sorgen machen, es sei ja nur ein Kuss auf die Stirn gewesen. Wie gesagt, wir kennen nur Schwarz' Schilderung, vielleicht ist alles im einvernehmlichen Überschwang passiert, vielleicht hat es die Frau nicht gestört, vielleicht hat sie die Entschuldigung angenommen - es wäre aber in jedem Fall interessant, mal zu hören, was die Frau auf der VIP-Tribüne zu dem "Glücks-Kuss" sagt. Und ein ausführlicheres Statement von Sandro Schwarz zu hören als: "Es gibt Schlimmeres." So zu tun, als habe es zwei Monate Debatte über #MeToo nicht gegeben, wäre jedenfalls schwach.  

Quelle: n-tv.de

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