Fußball

Sané/Gnabry wie einst Robbery? Bayerns Traumduo soll Historie wiederholen

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Leroy Sané und Serge Gnabry spielen jetzt beim DFB und bei den Bayern zusammen.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Arjen Robben und Franck Ribéry - diese Namen stehen für Kongenialität und eine ganze Ära beim FC Bayern. Nun, der Bundesligist dominiert auch ohne sie den europäischen Klubfußball. Doch besser geht immer, und so sind mit Serge Gnabry und Leroy Sané zwei neue Dominatoren auserkoren.

Wenn der FC Bayern am 18. September gegen den FC Schalke in die Bundesliga-Saison startet, dürften bei einigen Fans Erinnerungen wach werden. Gedanken an alte Zeiten. An solche, in denen Franck Ribéry und Arjen Robben - Robbery - eine bestimmende Rolle spielten. Von 2009 bis 2019 wurden sie gemeinsam achtmal Deutscher Meister, fünfmal DFB-Pokalsieger sowie Champions-League-Gewinner. 268 Pflichtspieltore erzielten die beiden zusammen in 734 Partien für den FC Bayern.

Nun werden ihre alten Trikotnummern erstmals wieder gemeinsam auf dem Rasen zu sehen sein, denn während Robbens Zehn in der vergangenen Saison von Philippe Coutinho getragen wurde, ist Ribérys Sieben erst jetzt neu vergeben: an Serge Gnabry. Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 1. September 2018, bestritt Gnabry sein erstes Spiel für den FC Bayern. Nach 77 Minuten wurde er eingewechselt - für Ribéry. Ein Wechsel, der eine Wachablösung geworden ist. Die neue Nummer ist eine Bestätigung für Gnabrys famose Leistungen. 23 Tore schoss er in 46 Pflichtspielen, bereitete 14 Treffer vor. Und womöglich ist die Vergabe auch ein Signal: Gnabrys Vertrag läuft noch bis 2023, mutmaßlich will der Klub diesen frühzeitig verlängern. "Ich freue mich sehr, künftig mit dieser Rückennummer aufzulaufen", sagte der 25-Jährige jedenfalls. "Franck hat die Fans immer begeistert - das motiviert mich umso mehr."

Der Franzose in Diensten des AC Florenz ist mit der Wahl seines Nachfolgers mehr als einverstanden: "Der Chefkoch mit der 7. Du verdienst die Nummer, Bruder! Viel Erfolg damit und mach mich stolz!", twitterte er in Anlehnung an Gnabrys Torjubel, bei dem er eine imaginäre Suppe umrührt. Die Geste hat der deutsche Nationalspieler von Basketball-Superstar James Harden übernommen. "The Beard" erklärte er mal: "Wenn James Harden übertrieben viele Punkte macht, dann ist er der Chefkoch. Dann läuft er heiß."

"Schon jetzt Topleistungen"

Ein Jahr lang war die Nummer sieben nicht vergeben worden, nun aber gehört sie Gnabry. "Seine Leistungskurve geht von Jahr zu Jahr nach oben", so Bayerns Vorstandsmitglied Oliver Kahn. "Er ist noch lange nicht oben angekommen, aber bringt schon jetzt Topleistungen." Wie etwa im Halbfinale der Champions League gegen Olympique Lyon, als Gnabry zwei der drei Tore erzielte. Beim 1:0 kamen sogar Erinnerungen an Ribérys früheren kongenialen Partner Arjen Robben hoch. Wie der Niederländer zog er von rechts nach innen vors Tor und schoss mit seinem schwächeren linken Fuß das Führungstor in der 18. Minute.

Apropos Robben, auch dessen Nachfolger steht fest: Die Nummer zehn trägt ab sofort Königstransfer Leroy Sané. "Ich habe mich für diese Nummer entschieden, weil ich Verantwortung übernehmen und vorangehen will", sagte er bei seiner Vorstellung im Juli. "Ich habe meine Ziele, und die will ich erreichen, mache mir da aber keinen Druck wegen der Nummer." Dabei ist die Zehn ein klares Statement. Denn das Trikot mit dieser Nummer trugen beim FC Bayern schon so verdiente Spieler wie Lothar Matthäus, Stefan Effenberg oder Uli Hoeneß. Und eben Robben, der eines der wichtigsten Tore der Bayern-Historie schoss: den Siegtreffer zum 2:1 gegen Borussia Dortmund im Champions-League-Finale 2013.

Coman als Spielverderber?

Auch aktuell gibt es wieder einen Champions-League-Siegtorschützen im Kader von Trainer Hansi Flick: Kingsley Coman. Der 24-jährige Franzose sorgte mit seinem Tor gegen Paris St. Germain für die Entscheidung, sorgte dafür, dass die Münchner nach sieben Jahren wieder das Triple feiern können. Schon seit 2015 ist er im Verein, wurde häufig von Verletzungen zurückgeworfen, konnte seine Klasse zu selten unter Beweis stellen. Der Mann, der als Erbe von Ribéry und Robben auserkoren war, schafft jetzt erst endgültig den Durchbruch.

Ausgerechnet jetzt, wo er gegen Sané um einen Stammplatz kämpfen muss. "Wir haben beim FC Bayern schon immer gute Flügelspieler. Das macht die Kraft unserer Mannschaft aus", sagte Coman bei Sport1. "Es wird viele Spiele geben und genug Spielzeit für jeden." Das ist optimistisch angesichts des Hypes, der um den Transfer Sanés entfacht wurde. Der sagte denn auch jüngst der "Sport Bild": "Alle sind heiß auf die neue Saison, das gilt natürlich gerade auch für mich." Er betonte: "Wir haben weiterhin große Ziele mit dem Klub. Für mich wäre jeder Titel etwas ganz Besonderes, weil ich bisher in Deutschland noch keinen geholt habe. Dafür werde ich alles geben!"

Schon 2016 stand für Sané ein Wechsel zu den Bayern im Raum. Damals war er 20 Jahre jung, spielte beim FC Schalke und schloss sich stattdessen Manchester City an. Im "Kicker" begründete er nun warum: wegen Robben und Ribéry. "Die waren damals noch einige Nummern zu groß für mich."

Flick trifft Bauchentscheidungen

Mittlerweile ist der FC Bayern genau Sanés Kragenweite. Aber ist er deswegen bei Flick gesetzt? Oder verzichtet dieser womöglich auf die legendäre Kombination der Nummern Sieben und Zehn? Funkt die 29 dazwischen? So wie im Champions-League-Finale, in dem Coman überraschend in der Startelf stand? Da hatte Flick ein Bauchgefühl, erklärte er der "Sport Bild". Womöglich wird auch Sané noch lernen müssen, dass sich der Coach "die Entscheidungen gerne offen" lässt. "Es kann so viel passieren. Bei Kingsley fiel die Entscheidung letztendlich einige Stunden vor dem Anpfiff."

Seit Sanés Verpflichtung galt ein Abschied von Coman nicht als ausgeschlossen - der Treffer mitten hinein in die Bayern-Geschichtsbücher dürfte das wohl geändert haben. Auch wenn Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic bei Sanés Vorstellung schwärmte: "Wir haben mit Serge Gnabry und Kingsley Coman bereits zwei Flügelspieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und Qualitäten, aber mit Leroy haben wir noch mal jemanden bekommen, der genau zum FC Bayern passt, sich auf engem Raum durchsetzt, Lösungen hat, und vor allem schnell ist und Zug zum Tor hat." Klar ist, Flick hat seinen eigenen Kopf, gibt - wie etwa beim Transfer von Alexander Nübel ersichtlich - nicht allzu viel darauf, was andere ihm reinreden wollen. Und Coman war im Champions-League-Finale nun einmal die goldrichtige Entscheidung des Trainers.

Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass er mit Gnabry und Sané auf den Flügeln plant. Der Linksfuß Sané auf links, Gnabry auf der rechten Seite. Eine Ära zu prägen, wie Robben und Ribéry es geschafft haben, wird selbst für die beiden Überflieger harte Arbeit. Nicht zuletzt aufgrund der Konkurrenz im eigenen Kader.

Quelle: ntv.de