Fußball

Mbappé macht Gegner zu Vasallen Der neue Dominator auf dem Weg zum König

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Le roi, c'est moi: Mbappé eilt auf den Thron des Fußball-Königs.

(Foto: AP)

Ein Dominator ist er schon, ein König will er werden: Kylian Mbappé zeigt gegen die Bayern, dass er auf bestem Wege ist, den Fußball-Thron zu übernehmen. Denn dem Franzosen gelingt etwas, womit er auch Thronanwärter Erling Haaland in den Schatten stellt.

"Er ist noch nicht der König", wurde über Kylian Mbappé vor genau zwei Jahren geurteilt. "Er macht Tests durch, um König zu werden." Diese Beurteilung sprach kein Fan, Mitspieler oder Journalist aus. Sie stammte von Pelé, dem vielleicht besten Stürmer aller Zeiten. "Er hat noch viele Schritte vor sich", sagte Pelé der französischen Zeitung "Le Parisien" im April 2019. "Er ist jung, er hat gerade erst angefangen."

Nun, Mbappé war damals immerhin schon Weltmeister und einer der größten Jungstars auf dem Planeten. Aber Pelé hatte recht, denn der Franzose wurde noch besser, besteht Test um Test und geht die prophezeiten "Schritte" in Richtung Thron derzeit mit Siebenmeilenstiefeln. Beim 3:2 über den FC Bayern am Mittwochabend machte der Angreifer die Münchner mit zwei Schüssen zu seinen Vasallen. Sein Doppelpack zeigte mal wieder auf beeindruckende Art und Weise, dass Mbappé der wohl heißeste Anwärter darauf ist, der neue König der Fußballwelt zu werden.

"Le roi c'est moi." Der König bin in ich - frei nach dem Leitsatz Ludwig XIV. "L'État c'est moi" (Der Staat bin ich). Ganz so absolutistisch wie der Sonnenkönig kommt der 22-Jährige noch nicht daher. Aber wie problematisch es ist, gegen den Königsanwärter zu verteidigen, durfte die gesamte bayerische Hintermannschaft - die der Franzose mehrmals zu Leibeigenen machte - hautnah erleben. Vor allem Jérôme Boateng. Es lief die 68. Spielminute, als der deutsche Rekordmeister sich gerade erst zum zwischenzeitlichen 2:2 zurückgekämpft hatte - und Mbappé im perfekten Moment eiskalt zustach. Und wie!

Welche Eleganz, welche Wucht!

Bei einem PSG-Konter erhielt der Franzose am linken Strafraumeck einen durchgesteckten Ball, aber der Pass geriet ein klein wenig zu lang, sodass der Angreifer nicht direkt aufs Tor zustürmen konnte. Boateng holte auf und drängte Mbappé nach außen. Im Strafraum war sonst nur Neymar, die Bayern hatten eine Überzahl mit vier zu zwei hergestellt. Was nun? Tempo herausnehmen? Zurücklegen? Auf Verstärkung warten? Natürlich nicht. Wer Herrscher der Fußballwelt werden will, braucht Mut. Und Genialität. Der 22-Jährige hat beides. Gegen den gut postierten Boateng zog Mbappé nach innen, führte den Ball so eng am Fuß, dass kein Abluchsen möglich war. Dann ein Wackler und eine Torschuss-Finte. Boateng reagierte nur eine Millisekunde auf den Bluff. Aber das genügte. Der Franzose zielte humorlos genau zwischen die sich ganz kurz öffnenden Beine des Verteidigers und sein präziser Schuss schlug in der linken Torecke ein. Welche Eleganz. Welch simple Bewegung. Welche Wucht! 3:2.

Es ist nicht so, als wären Boateng und Co. nicht auf Mbappé vorbereitet gewesen. Der FC Bayern wusste, welcher Dominator da auf ihn zukam, schließlich hatte Sportvorstand Hasan Salihamidzic extra gewarnt bezüglich PSG: "Sie haben mit Mbappé einen Stürmer, der alles mitbringt. Und der sehr, sehr gefährlich ist." Nur den Franzosen aufhalten - mitsamt seiner Power, Dynamik und Torgefahr trotz wenig Spielanteilen -, das konnten die Münchner auch schon bei seinem ersten Treffer nicht. Zu viel Tempo, zu viel Spielintelligenz, zu viel Finesse für seine Gegenspieler brachte der Youngster mal wieder auf den Platz.

Das noch stärker als vor ein paar Jahren ausgeschöpfte Talent hatte die Fußballwelt auch schon eine Runde vor dem Viertelfinale der Champions League bestaunt. Dort schoss Mbappé den FC Barcelona und Lionel Messi im Alleingang aus der Königsklasse. Einem Hattrick beim 4:1 im Hinspiel in Messis Wohnzimmer (der erste Dreierpack eines gegnerischen Spielers in der K.o.-Runde im Camp Nou überhaupt) folgte ein Treffer beim 1:1 im Rückspiel. Die Auftritte offenbarten die von Pelé angekündigten Schritte auf dem Weg zum König. Endlich. Denn zuletzt war Mbappé in Frankreich durchaus in die Kritik geraten aufgrund seiner miesen Torquote in K.o.-Spielen. Vor Barcelona war ihm erst ein einziger Treffer gelungen in den finalen Runden der Champions League. Auch im Finale der Königsklasse 2020 gegen die Bayern konnte er keinen Treffer erzielen.

"Jeder wurde kritisiert, auch Maradona"

Dass der Stürmer jetzt auch in den ganz großen Spielen da ist, etwas das die ehemaligen Könige Cristiano Ronaldo und Lionel Messi stets drauf hatten, bewies er mit Nachdruck gegen die Münchner. "Nachdem er bereits das Camp Nou erobert hat, macht Mbappé die Allianz Arena zu seinem neuen Spielplatz", schrieb das englische Blatt "Mirror". "Das französische Phänomen stellte sein beängstigendes Talent einmal mehr unter Beweis." Und dass Mbappé sich mittlerweile durchaus auf einer Stufe (oder eine darüber) mit den Weltfußballern sieht, zeigte auch seine Antwort auf die französische Ladehemmung-Kritik nach dem ersten Barça-Spiel: "Man muss die Kritik nicht persönlich nehmen, das habe ich nie gemacht. Jeder wurde kritisiert, auch Maradona."

Warum auch nicht. Wer König werden will, muss andere Thronanwärter herausfordern und notfalls die etablierten Herrscher vom Stuhl schubsen. Mit 22 Jahren, drei Monaten und 18 Tagen ist Mbappé nun mindestens ein Hochadliger, schließlich löste er gestern Messi als jüngsten Spieler in der Geschichte der Champions League mit 27 Toren ab. Lediglich drei Spieler, die klangvollen Namen Messi (45), Robert Lewandowski (47) und Ronaldo (52), sammelten seit seinem Debüt in der Königsklasse 2016 mehr Scorerpunkte als der Angreifer (43).

Früher war von Messi und Ronaldo in großen Spielen stets eine extra Leistungsexplosion zu erwarten, Ronaldo traf als einziger Spieler weltweit in drei Champions-League-Finals. Dieses Herrschaftsgebiet hat Mbappé nun wohl schon erobert. Ein guter Messi, ein guter Ronaldo allein reichen nicht mehr für die großen Siege. Ein guter Mbappé aber durchaus. Obwohl er mit seinen jungen Jahren immense Lasten auf den Schultern tragen muss: die der Erwartungen der Grande Nation und die des Geldes beim Katar-Verein PSG.

Ein Titel zur Krönung

Auf dem Weg zum König, zum neuen Dominator, steht Thronanwärter Erling Haaland im Weg. Aber was der Franzose dem Norweger schon voraushat, zeigte sich, als Haaland am Dienstag gegen Manchester City allein aufs Tor der Engländer zulief und am Torhüter scheiterte. Beide aber scheinen geschaffen für Größeres, beide haben das gewisse Etwas, das große Fußballer von Fußballstars unterscheidet. Sie könnten die neuen Superstar-Rivalen werden. Sollte der BVB im Rückspiel die (nun nicht mehr ganz so riesige) Sensation gegen das Team von Pep Guardiola schaffen, könnte es im Halbfinale zum direkten Duell der beiden Juwele kommen.

Pelé glaubte im April 2019 sogar, dass Kylian Mbappé irgendwann die magische Marke von 1000 Karriere-Toren knacken könne, so wie die brasilianische Legende es selbst schaffte. Der Franzose winkte damals ab. Vielleicht sieht es das heute anders, immerhin erreichte er kürzlich mit allein 100 Ligue 1-Toren einen Meilenstein. Für die Krönung zum König muss natürlich auch der Champions-League-Titel her. Nur so wird man Weltfußballer. Nur so wird man der Größte. Mbappé eilt mit seinen Siebenmeilenstiefeln beinahe unaufhaltsam darauf zu.

Quelle: ntv.de

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