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Sechs Lehren des Liga-Auftakts FC Bayern klagt über Nagelsmanns Halali

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Wieder verletzt: Münchens Kingsley Coman.

(Foto: imago/Revierfoto)

Wochenlang ist er verschwunden, nun taucht er plötzlich überall auf. Bundestrainer Joachim Löw tourt zum Auftakt durch die Fußball-Bundesliga. Karl-Heinz Rummenigge motzt, Wolfsburg ist zurück, Hannover feiert den neuen Miroslav Klose.

1. Joachim Löw ist wieder da

Bundestrainer Joachim Löw war an diesem Wochenende viel unterwegs, vermutlich sogar beruflich. Er hat sich am Freitag ein Fußballspiel in München angesehen und am Samstag erst eins in Düsseldorf und dann, am frühen Abend, noch eins in Mönchengladbach. Er hat gesehen, wie der deutsche Meister FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim sein erstes Spiel in dieser Saison gewann und dass der Videobeweis weiter für Diskussionen sorgt. Er hat neun Tore gesehen, einen bemühten Aufsteiger, siegreiche Augsburger, beschenkte Gladbacher und enttäuschte Leverkusener. Und er hat Spieler gesehen, die er zur Nationalmannschaft einladen kann, wenn es am 6. September in der neuen Nations League in München gegen den neuen Weltmeister Frankreich und drei Tage später im Test in Sinsheim gegen Peru geht.

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Er ist wieder da: Joachim Löw.

(Foto: imago/Revierfoto)

Vor allem aber hat er sich sehen lassen und gezeigt: Ich bin wieder da. Zwei Monate nach dem Desaster bei der WM, zwei Monate, nachdem die DFB-Elf ihr Spiel in Kasan gegen Südkorea mit 2:0 verloren hat und Russland als Gruppenletzter verließ, hat er öffentlich immer noch nicht erklärt, wie das passieren konnte. Das will er nun an diesem Mittwoch tun, der Verband hat für zwölf Uhr zu einer Pressekonferenz nach München ins Stadion eingeladen. Löw dürfte vor diesem Termin nicht bange sein. Direkt nach der WM und vor jeglicher Analyse hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel ihm und der Welt versichert, dass er weitermachen dürfe, wenn er denn nur wolle. Der Bundestrainer hatte einige Tage überlegt und dann zugesagt. In der vergangenen Woche sprachen er und Manager Oliver Bierhoff erst mit Vertretern der Liga und dann am Freitag mit dem Präsidium des DFB. Der Eindruck, den sie vermitteln wollen, ist: Die Aufarbeitung läuft. Grindel sagte, Löw und Bierhoff hätten die WM sehr überzeugend analysiert. "Das ganze Präsidium ist der festen Überzeugung, dass unsere sportliche Leitung auf dem richtigen Weg ist." Die Details würden am Mittwoch folgen - sagte der Mann, der nach der WM "tiefgreifende Veränderungen" gefordert hatte. Umbruch adé? Lassen wir uns überraschen.

2. Der FC Bayern wankt nur 24 Minuten

Karl-Heinz Rummenigge war trotz des 3:1-Sieges nicht zufrieden, der Klubchef des FC Bayern klagte: "Speziell in der ersten Halbzeit sind die Hoffenheimer brutal hart eingestiegen. Das war Fußball in Wild-West-Manier". In der Tat foulte Niko Schulz den Münchener Kingsley Coman, sodass der 22 Jahre alte Franzose mit einem Riss der Syndesmose oberhalb des linken Sprunggelenkes mehrere Wochen ausfällt. Wegen solch einer Verletzung hatte er einen Teil der Rückrunde und die WM verpasst. Rummenigges Ärger war also begründet, sein Vorwurf an den Trainer des Gegners aber übertrieben. Er finde es gut, wenn der Gegner selbstbewusst auftrete. Eine spannende Liga sei der Wunsch aller, schrieb Rummenigge. "Es ist in unserem Interesse, dass das so bleibt. Wenn die Ankündigungen von Hoffenheim-Manager Alexander Rosen und Julian Nagelsmann aber dazu führen, dass eine Mannschaft zum Halali gegen unsere Spieler bläst", habe das "mit Fair Play nichts mehr zu tun".

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Ein Hauch von Bart: Robert Lewandowski.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Insgesamt war es so, dass die Münchner nach dem etwas überraschenden Ausgleich in der 58. Minute tatsächlich ins Wanken zu geraten schienen - am Ende dauerte diese Phase aber nur 24 Minuten. Dann bekamen die Bayern einen zweifelhaften Elfmeter zugesprochen, den Robert Lewandowski nach Videobeweis im zweiten Versuch verwandelte. Aber immerhin: Die TSG hat zumindest erahnen lassen, dass auch der Branchenprimus seine Schwächen hat. Das alles ändert nichts daran, dass der deutsche Meister der vergangenen sechs Runden auch zum siebten Mal in Folge, nun mit Niko Kovac auf der Trainerbank, den Titel gewinnen wird. Das lässt sich 33 Spieltage vor dem Ende dieser 56. Saison der Bundesliga ohne Übermut sagen. Die einzige Hoffnung besteht darin, dass es dieses Mal vielleicht ein wenig spannender wird als in den vergangenen Jahren - wenn sich die Konkurrenz ein Beispiel an den Hoffenheimern nimmt und dagegenhält, anstatt sich von vorneherein aufzugeben. Damit sind wir beim BVB und auch den Rasenballsportlern aus Leipzig.

3. Dortmunds Borussia startet furios

Neuer Trainer, neue Spieler - neuer Schwung? In Dortmund hat sich in der Sommerpause viel getan. Und der Start in die Saison ist dem BVB mit dem furiosen Sieg gegen Leipzig durchaus gelungen. Unser Kollege Felix Meininghaus war am Sonntagabend im Westfalenstadion und hat für uns die Lage analysiert. Sein Fazit: Es könnte schlechter sein, der Neuaufbau unter Anleitung von Lucien Favre wirkt.

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4. Der VfL Wolfsburg meldet sich zurück

Großes Fußballkino am Mittellandkanal, wann gab es das zuletzt? Viele der 26.600 Zuschauer dürften sich, sofern sie es mit dem Verein für Leibesübungen hielten, gewundert haben, zu was diese Wolfsburger fähig sind. In der vergangenen Saison rettete sich die die Mannschaft in Relegation vor dem Abstieg, nun aber schlägt sie mit Herz, Leidenschaft und viel Einsatz den FC Schalke 04, der nach Platz zwei erstmals seit 2014 wieder in der Champions League spielen darf. Es scheint so, als hätten Trainer Bruno Labbadia und der neue Geschäftsführer Sport Jörg Schmadtke den Sommer genutzt, um die Potenziale, die seit jeher im teuren, vom Autobauer VW alimentierten Kader der Wolfsburger schlummern, behutsam zu wecken.

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Schweißer: Daniel Ginczek.

(Foto: imago/DeFodi)

"Ich glaube, dieser Sieg war nicht nur für die Mannschaft unheimlich wichtig, sondern auch für die ganze Stadt und für die Fans", sagte Zugang und Siegtorschütze Daniel Ginczek. "So ein Sieg schweißt zusammen. Die letzten zwei Jahre waren nicht einfach für den Verein. Heute hat man die Steine von den Herzen fallen hören." Entsprechend optimistisch gab sich auch Labbadia: "Die Mannschaft hat verstanden, dass sie als Mannschaft funktionieren muss. Das hat sie schon in der Endphase der vergangenen Saison getan. Sonst würden wir heute nicht mehr in der ersten Bundesliga spielen." Was das alles wert ist, zeigt sich am kommenden Samstag, wenn es (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zu Bayer 04 Leverkusen geht.

5. Frust und Freude im rheinischen Derby

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"Völlig dämlich": Julian Brandt.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Julian Brandt ist ein guter und junger Profi. Und doch ist der deutsche Nationalspieler nicht zum FC Bayern gewechselt, sondern in Leverkusen geblieben. Was nicht heißt, dass er keine Ziele hat. Er will mit Bayer 04 Titel gewinnen, hatte er vor der Saison angekündigt. Der "Westdeutschen Zeitung" sagte er vor der Partie des ersten Spieltags: "Gladbach hat Tage, wo sie wahnsinnig gut sind und dann wieder Tage, wo du denkst: Was ist das denn? Es ist schon schwierig, dort zu spielen." Hinterher wusste er, dass die Borussia auch dann gewinnen kann, wenn sie nicht überragend spielt. Das 0:2 hatten sich die Leverkusener selbst zuzuschreiben. Nach einer guten ersten Halbzeit gaben sie die Partie in den ersten 15 Minuten der zweiten Hälfte aus der Hand. Brandt formulierte das so: "Den ersten Elfmeter haben wir völlig dämlich hergeschenkt und den zweiten auch." Dabei hatte Torhüter Ramazan Özcan den ersten Strafstoß noch abgewehrt. Doch ein Doppelschlag von Jonas Hofmann (55.), der den zweiten Elfmeter verwandelte, und Fabian Johnson (58.) nach einer Traumkombination mit Raffael knockte die Leverkusener aus. Und jetzt? Alles im Eimer? Nicht doch, sagte Trainer Heiko Herrlich: "Wir waren nicht überfordert." Sein Team müsse nur reifen, und das schnell. Sein Gladbacher Kollege Dieter Hecking hingegen durfte unwidersprochen behaupten: "Das war ein Super-Auftakt. Wir sind froh, dass wir so in die Saison gestartet sind."

6. In Hannover schreibt einer ein Märchen

Das Schöne am Fußball sind oft die kleinen Geschichten. Für Hannover 96 zum Beispiel schoss einer beim 1:1 in Bremen ein Tor, der vor vier Jahren noch in der Kreisliga für den TSV Groß Munzel gespielt hat. Hendrik Weydandt heißt der Mann, ist 23 Jahre alt, kam über den Regionalligisten 1. FC Germania Egestorf-Langreder zur zweiten Mannschaft der Hannoveraner und trainiert seit diesem Sommer mit den Profis. Im Weserstadion saß er 75 Minuten auf der Bank. Nach seiner Einwechslung reichten dem Mittelfeldspieler 75 Sekunden, um sein Team in Führung zu schießen. Trainer André Breitenreiter hat es natürlich vorher gewusst: "Eine Wahnsinns-Geschichte. Er hat sich das aber auch hart erarbeitet, das ist kein Zufall." Vereinspräsident Martin Kind versprach prompt: "Er bekommt einen Profi-Vertrag, das hat er sich verdient."

Und Manager Horst Heldt sagte: "Er ist einer dieser Fälle, die eigentlich durch das Raster fallen, dann aber doch auftauchen." Manch einer erkennt gar bei Weydandts Werdegang Parallelen zum großen Miroslav Klose. Der gab nach Stationen bei der SG Blaubach-Diedelkopf, den FC Homburg und der zweiten Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern erst mit 21 Jahren sein Debüt als Profi - und wurde 2014 in Brasilien mit der DFB-Elf Weltmeister. Schade eigentlich, dass der Bundestrainer nicht auch noch zu Besuch in Bremen war.

Quelle: n-tv.de

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