Fußball

Die Lehren des 8. Spieltags Heynckes-Effekt? Siegergen? Schmarrn!

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Sie siegen, sie haben Spaß - die Bayern sind vorerst zurück. Aber Obacht: Es war nur Freiburg. Das wissen auch Niklas Süle und Thomas Müller.

(Foto: imago/MIS)

Der FC Bayern mischt - dank Leipziger Gala beim BVB - wieder mit im echtesten Titelrennen der Fußball-Bundesliga seit Jahren. Retter Jupp stapelt dennoch tief. Hertha tauscht Fußball gegen Marketing. Heraus kommt eine Berliner Blamage.

1. Der FC Bayern hat Rückenwind

Bevor jetzt alle durchdrehen: Es waren nur die Freiburger. Gut, die muss man auch erst mal mit 5:0 besiegen - so wie es die Münchner an diesem 8. Spieltag der Fußball-Bundesliga getan haben. Und ja: Das war ein ordentlicher Einstand vom Jupp Heynckes als neuer alter Trainer des FC Bayern. Aber lassen wir das Gerede von Siegergen, das er den Spielern eingeimpft habe. Und auch die Mär vom Heynckes-Effekt dürfte überzogen sein. Schmarrn. Schließlich läuft noch längst nicht wieder alles rund. Auch gegen den SC Freiburg wackelte die Abwehr einige Male bedenklich. Doch der Gegner nutzte die Fehler nicht. Und das wiederum ist - bei nachsichtiger Auslegung - vielleicht auch dem neuen, alten Selbstbewusstsein der Bayern zu verdanken. Zumindest haben sie, wie zweimal mit Carlo Ancelotti und Interimscoach Willy Sagnol, keinen Zwei-Tore-Vorsprung verspielt, sondern munter bis zum Kantersieg nachgelegt.

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"Es war ein positiver Start": Jupp Heynckes.

(Foto: imago/ActionPictures)

Nun sind sie wieder gut im Geschäft im Kampf um die Tabellenspitze, auch, weil die Leipziger in einem grandiosen Spitzenspiel mit 3:2 bei der Dortmunder Borussia gewannen. Kaum also hat Heynckes seine vierte Amtszeit in München angetreten, gibt es nun einen echten Titelkampf. Und wer mag, kann daraus gerne einen Kausalzusammenhang konstruieren. Wie belastbar diese These ist, wird sich aber erst in den kommenden Wochen erweisen. Nicht unbedingt am Mittwoch, wenn es (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in der Champions League gegen Celtic Glasgow geht, ein europäischer Gegner minderer Güte. Vielleicht auch noch nicht am Samstag, wenn ab 18.30 Uhr in der Liga das Gastspiel im Volkspark beim kriselnden Hamburger SV ansteht. Dann aber wird es spannend, spielt der FC Bayern doch dreimal gegen einen ernsthaften Konkurrenten: In der zweiten Runde des DFB-Pokals steht am Mittwoch, 25. Oktober, ab 20.45 Uhr die Partie bei RB Leipzig ab. Dann, am Samstag, 28. Oktober, sind die Rasenballsportler ab 18.30 Uhr am zehnten Spieltag der Bundesliga zu Gast in München. Und am elften Spieltag geht's, am Samstag, 4. November, ins Westfalenstadion zum BVB. Danach können wir uns gerne wieder über den Trainer-Effekt unterhalten. Heynckes selbst hält den Ball übrigens gewohnt flach: "Es war ein positiver Start." Und das sei doch gut, "denn dann bekommt man Rückenwind und das Selbstvertrauen wächst".

2. RB Leipzig knackt den Dortmund-Code

Sie haben die Festung Westfalenstadion gestürmt. Nach 41 Spielen und mehr als zweieinhalb Jahren hat zum ersten Mal eine Mannschaft ein Bundesligaspiel bei der Dortmunder Borussia gewonnen. Darauf dürfen sich die Rasenballsportler aus Leipzig durchaus etwas einbilden, zumal sie mit bedingungslosem Offensivfußball viel zur Rasanz dieses außergewöhnlichen Topspiels beitrugen. Trainer Ralph Hasenhüttl hatte riskant gepokert - und alles gewonnen: "Wir sind all in gegangen - das hätte auch nach hinten losgehen können." Aber: "Mut wird belohnt", konstatierte er sichtlich zufrieden. Die Einschätzung, "ein phantastisches Spiel meiner Mannschaft" gesehen zu haben, hatte er nicht exklusiv. Nach einem schwächeren Start in die Saison steht RB mittlerweile auf Platz drei der Tabelle und damit mitten im Titelkampf, der nach Jahren der bajuwarischen Dominanz endlich wieder einer zu sein scheint.

Dass die Dortmunder mit ihrem immer noch neuem Trainer Peter Bosz verloren haben, lag nicht daran, dass sie schlecht gespielt hätten - auch wenn die beileibe nicht ihren allerbesten Tag erwischt hatten. Sondern es lag vor allem daran, dass die Sachsen den Code des Dortmund-Erfolgs geknackt haben. Sie waren die erste Mannschaft, die unaufhaltsam Nadelstiche nach vorn gesetzt hat. Die erste Mannschaft, die sich von der fulminanten BVB-Offensive nicht hat beeindrucken lassen. Und die erste Mannschaft, die konsequent mit dem richtigen Willen ins Spiel gegangen ist. "Wir haben die Dortmunder immer wieder in gewisse Räume gelockt", sagte ein euphorisierter Hasenhüttl angesichts der Pressingmaschinerie seines Teams, während Kollege Bosz klagte: "Wir haben viel zu oft zurück zum Torwart gespielt." Für beide Klubs geht's bereits am Dienstag in der Champions League weiter. Und dort geht es, so spektakulär sie auch am Samstagabend auftrumpften, schon ums sportliche Überleben. Die Dortmunder spielen nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Gruppenspielen nun auf Zypern gegen das ebenfalls sieglose Team von Apoel Nikosia, die Leipziger spielen (ebenfalls ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) nach einem Punkt aus den ersten Partien nun zu Hause gegen den FC Porto

3. Nagelsmanns erste Mini-Krise

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Das mit den Hochwasserhosen gefällt uns nicht so.

(Foto: imago/Michael Weber)

Nun ist es nicht so, dass die Hoffenheimer in der Liga schlecht dastünden, Platz vier nach acht Runden ist durchaus angemessen. Aber das Team von Trainer Julian Nagelsmann scheint das Siegen verlernt zu haben. Beim 2:2 gegen durchaus starke Augsburger - dem 22. Ligaspiel in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena hintereinander ohne Niederlage - verpasste es die Turn- und Sportgemeinschaft bereits zum fünften Mal in dieser Saison den Sieg nach einer 1:0-Führung. Nagelsmann aber gab sich gelassen: "Ich glaube, wir hatten 23:12 Torschüsse. Wenn ich hier sitze und wir hätten nur eine Chance gehabt, dann würde ich mir ernsthaft Sorgen machen." Aber es sei schon so gewesen: "Wir haben viele Chancen rausgespielt, aber leider zu oft vorbeigeschossen" Vielleicht wird das ja am Donnerstag besser. Dann geht es (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in der Europaliga gegen den Istanbul Başakşehir Futbol Kulübü. Apropos Mini-Krise: Die ersten vier internationalen Spiele der Hoffenheimer Klubgeschichte gingen verloren. Und für alle, die sich für die berufliche Zukunft des Trainers interessieren, hier noch ein Zitat des oben erwähnten Heynckes': "Für Julian Nagelsmann wäre es vielleicht gut, wenn er noch ein paar Jahre bei Hoffenheim bleibt und auch internationale Erfahrung sammelt. In einem kleineren Verein kann man noch Fehler machen. Irgendwann wird sein Weg sowieso zu Bayern München führen."

4. Köln ahmt den SV Werder nach

Peter Stöger bleibt Trainer des 1. FC Köln, hatte Sportdirektor Jörg Schmadtke nach dem 7. Spieltag verlauten lassen. Und wiederholt das vor dem achten. Und was sagt er nach dem 8. Spieltag und der doch etwas unglücklichen Niederlage beim VfB Stuttgart? "Wir starten keine Trainer-Debatte." Das ist eine Einstellung, die sonst eher den SV Werder Bremen auszeichnet. Es läuft sportlich nicht, doch der Übungsleiter steht nicht zur Disposition. Diese Ruhe ist lobenswert in der unsteten Fußball-Welt, aber sie scheint den Kölnern derzeit nicht zu helfen, auch wenn sie nun zumindest ordentlich spielten. Ansonsten ist der FC seit Spieltag drei nur in einem konstant: Er steht auf Tabellenplatz 18, mittlerweile gar etwas abgeschlagen mit nur einen Punkt auf dem Konto, ergattert an Spieltag sechs beim 0:0 in Hannover. Stöger aber hat seinen Humor nicht verloren: "Wir werden die Saison nicht mit einem Punkt beenden, auch wenn ich mich damit weit aus dem Fenster lehne." Trockener Humor ist doch auch etwas, das man sonst gern im Norden und damit in Bremen verwendet.

5. Und dann kommt noch Pech dazu

Vielleicht sollten die Kölner für eine Umsiedlung der Video-Schiedsrichter plädieren. Schließlich entscheiden die Assistenten oft in strittigen Szenen gegen den FC. Etwa beim 0:5 in Dortmund oder beim 0:1 gegen Eintracht Frankfurt. Und auch am Freitag wieder. In der Nachspielzeit der Partie beim VfB Stuttgart pfiff der Unparteiische Benjamin Cortus Strafstoß für die Kölner. Dann dauert es handgestoppte 3:43 Minuten, bis er diese Entscheidung revidiert. Zwischendurch spricht er mit - genau - dem Videoschiedsrichter in Köln-Deutz. Am Ende ist es nichts mit der Kölner Führung gegen den VfB, vielmehr fällt im Gegenzug das Siegtor für die Stuttgarter.

Liegt diese Häufung der relevanten Entscheidungen gegen Köln etwa daran, dass die Videoschiedsrichter ihren fensterlosen Kellerraum im Kölner RTL-Gebäude haben - und sie sich keine Parteilichkeit anhängen lassen wollen? Nein, wir unken hier jetzt nicht. Geht ja auch alles mit rechten Dingen zu - nur das Pech kommt für den Effzeh eben aus der eigenen Stadt. Wo doch sonst die Herzen einzig für Kölle schlagen.

6. Die Hertha macht Marketing

Ach, die Herthaner. Erst kündigen sie auf Plakaten überall in der Hauptstadt an: "Auf Berlin kommt Großes zu. Aber am 14. 10. erstmal Gelsenkirchen." Dann knien sich die Spieler auf Geheiß der Marketingagentur Jung von Matt Sports vor dem Anpfiff nieder, um nach dem Vorbild amerikanischer Sportler für mehr Toleranz in der Gesellschaft zu werben. Woraufhin Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder in seiner Funktion als Experte des Bezahlsenders Sky die Aktion begeistert lobte - die er sich in seiner Funktion als Gründer und Geschäftsführer der Agentur Jung von Matt Sports, zuständig für Herthas Markenauftritt, selbst ausgedacht hatte. Genau 24 Minuten nach dem Anpfiff rufen die Intoleranten unter Herthas Fans: "Jeder Schalker ist ein Hurensohn". Und anschließend verliert die Mannschaft von Trainer Pal Dardai gegen den FC Schalke nahezu chancenlos mit 0:2.

Nun mag Herthas Geschäftsführer Michael Preetz durchaus richtig liegen, wenn er sagt: "Wir leben in Zeiten, in denen es wichtig ist, dass Fußballvereine, die extrem im Fokus stehen, sich positionieren." Doch die Sache am Samstag wirkte arg wohlfeil. Vielleicht konzentrieren sich die Herthaner demnächst wieder aufs Fußballspielen. Das können die Berliner nämlich mitunter auch ganz gut.

Quelle: n-tv.de

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