Fußball

Die Lehren des 19. Spieltags Lieber Jupp, bitte geh!

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Zu erfolgreich für die Liga: Bayerns Coach Jupp Heynckes.

(Foto: REUTERS)

Ach, es ist so langweilig geworden in der Fußball-Bundesliga! Pfff …, so ein Irrglaube, spannend wie nie ist es. Nehmen wir den FC Bayern und den Hamburger SV einmal aus. Denn: "The goat is back in business", wie sie beim 1. FC Kön sagen.

Der FC Bayern ist gerade …

…, ach, wissen Sie was, es ist doch völlig egal, was der FC Bayern gerade ist. Denn alles, was er gerade ist, ist einfach nur langweilig. Denn er ist natürlich der Gewinner des Spiels gegen den SV Werder Bremen (gähn), er ist nach dem 19. Spieltag der Fußball-Bundesliga natürlich weiterhin Tabellenführer (gäääähn) und er ist natürlich – zum sechsten Mal in Serie - neuer Deutscher Meister (gäääääääääääääääääähn) - selbst wenn die nerdigen Mathematik-Weisen des WDR-Telekolleg sicher noch eine logische Gleichung (zum Beispiel die der gegebenen Differenz zwischen Punktevorsprung und noch zu erreichender Punktezahl) parat hätten, die das widerlegen könnte. Aber Mathematik ist halt Mathematik und Fußball ist halt Fußball.

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Der Müllerthomas.

(Foto: imago/Lackovic)

Und weil Fußball halt ist, wie er ist, ist die Meisterschaft längst unumstößlich entschieden. Und somit rund um den FC Bayern München vorübergehend alles egal. Selbst das Faktum, dass Weltmeister Thomas Müller mit seinen beiden Toren gegen die durchaus sehr gefälligen und mutigen Bremer - die anderen zwei erzielte der Aufzählungseinfachheit halber dankenswerterweise Robert Lewandowski - nun als fünfter Spieler dem renommierten 100er-Club (geschossene Tore in der Bundesliga) der Münchener angehört, ist kein Gegner für echte Adrenalinjunkies. Und weil sich Trainer Jupp Heynckes wohl selbst durch ein wunderbares Lesestück der "Süddeutschen Zeitung" (falls er es überhaupt gelesen hat) als kitschig-pilchereskes Drehbuch zu einer doch noch möglichen Fristverlängerung seiner vierten Lebensabschnittspartnerschaft mit dem Klub nicht umstimmen lässt (hat er der "FAS" noch einmal erklärt) und ab dem 1. Juli wieder rentnert, ist nun wirklich alles zum Meister gesagt.

Auf Schalke brennen alle Schlote

Alle Grünen-Wähler und Öko-Extremisten können beruhigt sein, bei dieser Nachricht handelt es sich nicht um einen ruhrpöttisch-trump'schen Angriff auf den (Nicht)-Klimawandel. Der Grund, warum auf Schalke – und übrigens auch beim VfL Bochum - die Schlote brennen, sind der FC Bayern und der hoch talentierte Leon Goretzka. Die haben sich nämlich rechtzeitig vor Beginn der 19. Runde nun offiziell auf eine Zusammenarbeit ab dem Sommer geeinigt. Die Münchener brüsten sich mit einem Dienst für die Bundesliga, da sie den deutschen Fans die kickende Attraktion erhalten. Gut für die Bayern noch ganz nebenbei: Goretzka kommt für umme (wie man im Pott sagt, also: für lau), weil sein Vertrag ausläuft.

Während sie beim Ausbildungsverein VfL Bochum richtig viel ausbleibender Kohle hinterhertrauern, bejammern sie beim FC Schalke 04 (neben der natürlich auch hier ausbleibenden Kohle) nach Julian Draxler und Leroy Sané den nächsten Verlust eines potenziell ära-prägenden Helden. Sie sind so wütend, dass sie ihn beim mauen Heim-Pünktchen gegen Hannover 96 mit, na klar, 104 Dezibel, die "Bild"-Zeitung hat's recherchiert, nicht nur tüchtig ausgepfiffen haben, nein, ein Gelsenkirchener überlegt sogar die Maximalstrafe gegen den Nationalspieler zu verhängen. "Wir müssen jetzt klug handeln. Wenn es für die Mannschaft besser ist, dann kann es auch sein, dass Leon bis zum Ende der Saison auf der Tribüne sitzt", sagt Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04, beim Bezahlsender Sky: "Ich erkläre ihn nicht zu meinem Feind, aber wir können ja nicht die Ziele des Vereins gefährden." Goretzka bietet derweil strafmildernd an: "Ich werde mich im letzten halben Jahr komplett für Schalke zerreißen."

Bitte nicht über den HSV aufregen!

Nun, an dieser Stelle widersetzen wir uns kurz (manche Kollegen behaupten, dass wir das ohnehin immer tun) unseren Redaktionsregeln. Dort steht (unter anderem), dass wir den Hamburger SV nie, niemals als Bundesliga-Dino (was er aber freilich ist) bezeichnen. Aber: Nach der 20. Trainerentlassung seit der Jahrtausendwende und der 0:2-Klatsche im Clash of Kickerqualen gegen den 1. FC Köln ist die Stimmung bei den Unabsteigbaren an der Elbe so, und wirklich nur so, wie es Lonzo, der Teufelsgeiger von Eppendorf, bereits 1980 dichtete:

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Verdichtet auf den aktuellen Zustand in Hamburg bedeutet das: Trainer Markus Gisdol ist weg, Bernd Hollerbach als Nachfolger so gut wie da. Der ist übrigens mit 93 gelben Karten in 222 Bundesligaspielen nach Stefan Effenberg (122) das zweithärteste Raubein der Liga-Historie und mit seiner Ex, den Würzburger Kickers, erfahren im Aufstieg (von der Regionalliga bis in die zweite Liga), in der Relegation (beide Aufstiege wurden so entschieden) und im Abstieg (von der zweiten direkt zurück in die dritte Liga).

The Goat is Back in Business

Wer den Durchschnitts-Effzehfan nach drei Siegen in Serie fragt, was so geht, der bekommt in der normalen Welt ein rheinisch-realistisches "Euuuuuuuuropaaaaaaaapooooookaaaaal" in den Gehörgang geblasen. Nun ist die Spielzeit 2017/18 für den Effzeh alles andere als normal, nicht nur wegen der tatsächlichen Europapokalteilnahme nach 25-jähriger Abstinenz (mittlerweile übrigens schon wieder beendet). In Köln schrammten sie nämlich auch mit ihrem ersten Saisonsieg kurz vor Weihnachten gegen Wolfsburg nur haarscharf am Gurken-Rekord der legendären Berliner Tasmanen vorbei, außerdem verloren sie mit Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger ihre beiden Erfolgs-Sympathisanten der vergangenen Jahre. Alles vergessen. Spätestens jetzt. Denn nach dem Sieg in Hamburg (siehe oben), der dritte in Folge, und dem Doppelpack von Winterschnäppchenknipser Simon Terodde heißt es nur rheinisch-realistisch …

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Was hilft der Liga?

Die halbe Liga kämpft um die Europacup-Teilnahme. Ist das nun spannend wie selten, oder einfach nur die totale Durchschnittsgrütze? Nun, es ist auf jeden Fall so: Nach dem 19. Spieltag trennen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen und Hertha BSC auf Platz elf gerade einmal sechs Punkte. Bezahlte Fußball-Fachleute schwärmen in solchen Fällen heuchlerisch-euphorisch – wohl auch um den eigenen Arbeitsplatz besorgt – dass "jeder jeden schlagen kann" (der Heynckes-FC-Bayern zählt nicht, der Ancelotti-FC-Bayern zählte natürlich schon). Stimmt. Ist aber eigentlich doof. Denn die Sonderstellung haben sich die Münchener zu großen Teilen auch wegen des Unvermögens der Konkurrenz erarbeitet.

Borussia Dortmund beispielsweise ist nach dem sensationellen Saisonstart und dem noch sensationelleren Einbruch unter Peter Bosz längst eine einzige Enttäuschung. Auch mit Peter Stöger ist der BVB fast ausschließlich mit sich und seinem zickigen und dringend abwanderungswilligen Provokations-Profi Pierre-Emerick Aubameyang beschäftigt. Bayer Leverkusen ist unter Neu-Coach Heiko Herrlich erst spät, dafür aber dank Liga-Attraktion Leon Bailey nun beeindruckend aufregend auf Touren gekommen und bei Gladbach, Leipzig (stolpert über Super-Standard-Freiburger) und Hoffenheim wechseln sich Euphorie und Enttäuschung in frustrierender Regelmäßigkeit ab. Bei so viel Wankelmut der Konkurrenz wären die Bayern vermutlich auch mit ihrem entmachteten Problem-Coach Carlo bereits enteilt. So aber schallt es noch dringender durch die Liga: Lieber Jupp, bitte geh! Der Spannung wegen.

Phrasenschach - nach Spielende

"Nur, wenn sie uns die drei Punkte wieder abziehen." Das sagt RB-Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl nach dem ernüchternden 1:2 beim SC Freiburg auf die Frage, ob der Sieg gegen den FC Schalke 04 zum Auftakt der Rückrunde nun wertlos sei.

Quelle: n-tv.de

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