Fußball

Die Lehren des 2. Spieltags Müller mault, Breitenreiter stichelt gegen S04

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Am Ende durfte er dann doch spielen: Thomas Müller. Links, das ist dieser Robert Lewandowski.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Thomas Müller hadert beim FC Bayern mit den Vorlieben seines Trainers, Robert Lewandowski knipst, der BVB verdrängt die Sache mit Ousmane Dembélé - und RB Leipzig kommt am zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga ins Rollen.

1. Der FC Bayern siegt und käbbelt sich

Hasan Salihamidzic hat sich offenbar gut auf seinen immer noch neuen Job beim FC Bayern vorbereitet. Nachdem die Münchner an diesem zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga mit ein wenig Mühe dann doch mit 2:0 (0:0) beim SV Werder Bremen gewonnen hatten, ließ er seiner Begeisterung freien Lauf: "Für uns ist Lewa einfach der Knaller." Das ist, mit Verlaub, nicht die allerneuste Erkenntnis, schließlich schießt Robert Lewandowski schon seit längerer Zeit in einer für die Konkurrenz nahezu beängstigenden Regelmäßigkeit seine Tore. Erst tat er das für die Dortmunder Borussia, seit nun mittlerweile vierten Jahr für die Bayern. Wenn sie sich auf jemanden verlassen können, dann auf ihn - in Bremen traf er nach 72 und 75 Minuten.

Ansonsten brachte es sein Kollege Thomas Müller nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel auf den Punkt: "Wir haben gewonnen, das war das Wichtigste." Auch das ist nicht neu. Für die nationale Konkurrenz reicht's halt. Da war es schon interessanter, was Müller noch zu sagen hatte. Der deutsche Nationalspieler war nämlich erst nach 73 Minuten für den französischen Ex-Nationalspieler Franck Ribéry ins Spiel gekommen. Damit haderte Müller - und sprach es auch aus: "Ich weiß nicht genau, welche Qualitäten der Trainer sehen will, aber meine sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt." Genau. Nicht überliefert ist bisher, ob Carlo Ancelotti das ernsthaft berührt. Immerhin räumte er ein: "Nach seiner Einwechslung hat er es gut gemacht. Wir wollten den ganzen Raum des Feldes ausnutzen. Das war eine rein taktische Entscheidung." Fortsetzung folgt - allerdings erst am 7. September beim Gastspiel des FC Bayern in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim. Bis dahin ist Müller mit der DFB-Elf in Sachen WM-Qualifikation unterwegs. In Prag geht es am Freitag gegen Tschechien, am Montag in einer Woche, also am 4. September, in Stuttgart gegen Norwegen.

2. Die Dortmunder Borussia lässt hoffen

Auch der BVB hat beide Spiele in dieser Saison gewonnen. Es keimt so etwas wie Hoffnung auf, dass es in Zukunft wieder etwas mehr um Fußball geht - und weniger darum, welcher Spieler auf den mittlerweile doch etwas abgenudelten Marketingslogan "Echte Liebe" weit weniger gibt, als es sich so mancher Fan wünscht. Ousmane Dembélé jedenfalls ist weg, für irgendwas um die 150 Millionen Euro zum FC Barcelona, und die Borussen auf dem Rasen und den Rängen des Westfalenstadions machten beim furiosen 2:0 (1:0) gegen die Berliner Hertha nicht den Eindruck, als würden sie den Franzosen allzu arg vermissen. Aber dass sie sich in Dortmund ganz schnell und ganz pragmatisch entlieben können, hatten sie ja schon bewiesen, als sie sich nach dem Pokalsieg Ende Mai von Trainer Thomas Tuchel trennten. Sie fanden Peter Bosz, lotsten ihn vom Ajax Amsterdam nach Dortmund, wo er nun mit Manager Michael Zorc einen Nachfolger für Dembélé sucht. Wobei - auch wenn das Toreschießen bisher nicht seine Sache ist, könnte der 18 Jahre alte und höchst talentierte Christian Pulisic durchaus einer sein, der diese Rolle übernehmen könnte - zumal Marco Reus verletzt ist. Gegen die Berliner beeindruckte er auf der rechten Außenbahn vor allem mit seiner Schnelligkeit, einer Gabe, die gut zum Hochgeschwindigkeitsfußball des BVB unter Bosz passt. Auch da keimt Hoffnung auf.

3. RB Leipzig kommt ins Rollen

Christian Streich wollte sich im Bezahlfernsehen auf keine Diskussion einlassen: "Die Leipziger sind nicht unser Maßstab", sagte der Trainer des SC Freiburg, der an diesem Sonntagabend just mit 1:4 bei den Rasenballsportlern unter die Räder gekommen war. Geld schießt eben doch Tore. Und während die Freiburger, just in der Qualifikation zur Europaliga unterlegen, sich vorgenommen haben, dem Abstieg zu entgehen, freuen sich die Leipziger auf die Champions League. Und nach der Auftaktniederlage in Gelsenkirchen kommen sie langsam ins Rollen - auch, weil Timo Werner gegen den Sportclub gleich zweimal traf. Die annähernd 37.000 im nicht ausverkauften Zentralstadion feierten den Nationalspieler und nannten ihn einen "Fußball-Gott". Bei seiner Auswechslung in der 85. Minute wurde es dann noch einmal richtig laut. "Er ist bei uns sicher der torgefährlichste Spieler. Wenn Timo trifft, geht's uns gut, wenn nicht, wird es für uns alle schwerer", sagte Trainer Ralph Hasenhüttl über den in der vergangenen Saison mit 21 Toren besten deutschen Angreifer in der Liga. Und sein Kollege Diego Demme konstatierte: "Wir wissen, was wir an ihm haben. Er macht aus nichts ein Tor." Und Streich? Er erkannte an: "Mit dieser unfassbaren Qualität von Leipzig kannst du dann nichts mehr machen."

4. Die Schalker sind doch etwas betrübt

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"Wir sind ja nicht auf Schalke": André Breitenreiter.

(Foto: imago/Nordphoto)

Nach dem ersten Spieltag schien alles klar: Neuer Deutscher Meister wird der FC Schalke 04. Mit 2:0 hatten die Gelsenkirchener gegen RB Leipzig gewonnen, Domenico Tedesco war der neue Stern am Trainerhimmel, der den Rasenballsportlern mit ausgefuchster Defensivtaktik die Grenzen aufgezeigt hatte. Und überhaupt: eine klasse Mannschaft, die sie da haben. Nun aber ist alles schon wieder ganz anders: Nach dem 0:1 beim Aufsteiger in Hannover am frühen Sonntagabend kämpfen die Schalker wohl gegen den Abstieg. War nur Spaß. Betrübt sind sie dennoch ein wenig: "Wir sind mit großen Erwartungen hierhergekommen und natürlich enttäuscht, dass wir das Spiel verloren haben", sagte Manager Christian Heidel. "Normalerweise geht es unentschieden aus. Hannover hat den einen Fehler, den wir gemacht haben, ausgenutzt." Was die Gastgeber wiederum sehr erfreute. Und das nicht nur, weil sie nun nach zwei Partien sagenhafte sechs Punkte auf dem Konto haben. Sondern auch, weil Hannovers Trainer André Breitenreiter einst ja den FC Schalke trainierte, bevor er nach nur einem Jahr im Mai 2016 entlassen wurde. Und so betonte er beim Bezahlsender Sky, dass es für ihn und seine Mannschaft trotz des tollen Starts in die Saison einzig und allein darum gehe, den Abstieg zu vermeiden: "Wir sind ja nicht auf Schalke, sondern in Hannover. Da geht man mit gewissen Dingen realistisch um."

5. Diekmeier feiert seinen Rekord

Er sehe, hatte er dem Magazin "11 Freunde" gesagt, die ganze Sache nicht sonderlich verbissen. "Im Gegenteil! Ich freue mich auf den Rekord." Nun hat er ihn. Dennis Diekmeier vom Hamburger SV, 27 Jahre alt, ist der ungefährlichste Spieler in der seit 1963 währenden Geschichte der Bundesliga. Genau 183 Mal lief der Verteidiger auf, 183 Mal erzielte er kein Tor. Damit hat er die Marke von Markus Schuler geknackt, der zwischen 2002 und 2009 sieben Spielzeiten für Hannover 96 und Arminia Bielefeld erfolglos war. Und Diekmeier? Lief nach dem 3:1 seines HSV in Köln grinsend auf die Journalistenschar in der Mixed-Zone zu und sagte: "Wollt ihr mir jetzt zu meinem Rekord gratulieren?" Und er mutmaßte: "Heute bekomme ich mehr Whatsapp-Nachrichten wegen meines Torrekords als der Tabellenführung." Dabei wäre es in der vergangenen Saison fast so weit gewesen. In seinem 169. Bundesligaspiel, beim 3:0 in Leipzig, schoss er den Ball drei Minuten vor dem Ende der Partie - an die Latte des gegnerischen Tores.

6. Badstuber glänzt bescheiden

Apropos keine Tore: In Holger Badstuber, seit dieser Saison in Diensten des VfB Stuttgart, steckt auch ein kleiner Diekmeier. Der 28 Jahre alte Ex-Nationalspieler, bekannt aus seiner Zeit beim FC Bayern, traf nun für die Stuttgarter beim 1:0 gegen den FSV Mainz. Es war, wie der "Kicker" netterweise ausgerechnet hat, sein erstes Tor seit 2822 Tagen, mithin also fast acht Jahren - und erst sein zweiter Bundesligatreffer überhaupt. Badstuber aber blieb - wie stets - bescheiden. Es sei doch egal, wer den Treffer erzielt habe, "wichtig ist der Sieg, wichtig sind die drei Punkte". Dabei hatte er seinen Job als Abwehrchef mit großer Souveränität und Umsicht erledigt, mit einer Passquote von 82 Prozent und einer perfekten Zweikampfquote von 100 Prozent. Der neue Sportvorstand Michael Reschke schwärmte: "Ein fitter Holger Badstuber - und so, wie er gespielt hat, ist er fit - ist ein Bundesliga-Spitzenspieler. Ich freue mich unglaublich für diesen tollen Typen". Und Badstuber. Sagte nach seiner Heimspielpremiere für den VfB immerhin: "Für mich persönlich ein schöner Start."

Quelle: ntv.de

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