Fußball

Sechs Lehren des 3. Spieltags Pep, bitte komm zurück!

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Was ist nur aus seinem Erbe geworden ...

(Foto: REUTERS)

Herrje, diese Bundesliga! Die Bayern wanken, die Bremer verlieren ihre Seriosität und die Hertha schickt sich an, Meister zu werden. Im völlig frei drehenden Fußball-Oberhaus sorgen nur der HSV und Schalke für Konstanz.

Die Bayern sind unreif, anfällig, stotterig!

Der FC Bayern München ist Tabellenführer. Natürlich. Wäre das nach drei Spieltagen der Fußball-Bundesliga nicht der Fall, hätten Sie längst eine n-tv.de Eilmeldung bekommen. Aber ganz so einfach können wir es uns mit dem Rekordmeister nicht machen - trotz der bisherigen Idealausbeute von neun Punkten und einem tippi-toppi Torverhältnis von 11:1. Die Bayern wackeln nämlich - und verzichten vorerst auf den traditionellen Wiesn-Besuch. Jaja, richtig gelesen! Nach drei Jahren und ein paar Wochen müssen wir tatsächlich diesen längst verbannten Satz (also den mit dem Wackeln) wieder ins FC-Bayern-Vokabular einbauen. Nach drei Jahren aufregendem Ätsch-bätsch-wir-haben-den-Ball-und-ihr-nicht-Fußball unter Ätsch-bätsch-wir-haben-den-Ball-und-geben-ihn-nie-wieder-her-Trainer Josep Guardiola erspielen sich die Gegner nun plötzlich Torchancen (erst Schalke und jetzt auch noch Ingolstadt) und erinnern alle Fußballinteressierten im Land daran, dass Manuel Neuer nicht ausschließlich für Deutschland spielt.

"Er war wirklich gut", freute sich Trainer Carlo Ancelotti über die Leistung seines Keepers beim 3:1-Sieg gegen Ingolstadt. Eine überraschende Ach-was-Erkenntnis. Gut war ansonsten aber nicht viel beim Rekordmeister. Der Spielaufbau ungenau und hastig. Das Zusammenspiel ausbaufähig. Viel Gedribbel, wenig Gepasse. Wie der "Kicker" beobachtet hat, wirkt das Spiel der Bayern taktisch unreif, anfällig, stotterig. Und das nach drei Jahren katalanischer Tiki-Taka-Hirnwäsche. Alles viel zu aufregend. Und dann kommt jetzt auch noch ausgerechnet die Super-Hertha aus Berlin zum ultimativen Topspiel. Herrje, Pep, bitte komm zurück!

Der BVB erfreut sich an seinen kleinen Jungs

Zwei Hackentreffer binnen neun Minuten, dazu der zweite 6:0-Sieg innerhalb von vier Tagen - der VfL Wolfsburg kann sich wohl warm anziehen, wenn er Borussia Dortmund am Dienstag (ab 20 Uhr im n-tv.de Liveticker) im heimischen Stadion empfängt. Mit einer erfrischenden Leichtigkeit klatschte der BVB den vollkommen überforderten SV Darmstadt vor die gelbe Wand. Da musste selbst Norbert Meier einräumen: "Als neutraler Beobachter hätte man sich daran erfreuen können", sagte der Lilien-Trainer. Apropos Beobachter: Wieso saß Mario Götze nach dem starken Auftritt bei Legia Warschau nun eigentlich 90 Minuten auf der Bank? Thomas Tuchel wollte den Rückkehrer aufgrund der hohen Belastung des Weltmeisters in den vergangenen Tagen zunächst schonen: "Wir wollten ihn eigentlich einwechseln, um das Thema Heimspiel und Mario Götze zu einem guten Ende zu bringen", sagte der BVB-Trainer, "aber unter anderem weil wir Marcel Schmelzer außerplanmäßig auswechseln mussten, ging das nicht mehr."

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Eigentlich sollte Mario Götze ja endlich wieder zuhause spielen, aber ...

(Foto: dpa)

Nun muss sich Götze also mindestens noch bis zum nächsten Heimspiel am Freitag gegen Freiburg gedulden, um endlich vor heimischem Publikum aufzulaufen und sich endgültig mit den BVB-Fans zu versöhnen. Die dürften den 24-Jährigen nach dem Kantersieg gegen Darmstadt nicht wirklich vermissen. Bei der Partie übernahmen die jungen Wilden bei der Borussia das Ruder - sieben Spieler kamen zum Einsatz, die nicht älter als 22 Jahre alt sind. "Es hat Spaß gemacht, den kleinen Jungs da vorne zuzusehen", sagte Abwehrspieler Matthias Ginter, der selbst erst 22 Lenze zählt. Statt Götze und Pierre-Emerick Aubameyang drehten diesmal also Youngster wie Emre Mor, Christian Pulisic und Ousmane Dembélé ordentlich auf. Für Darmstadt hingegen geht der Blick nach dem zwischenzeitlichen Aufwind nach dem Derby-Sieg gegen Frankfurt wieder nach unten. Abwehrspieler Immanuel Höhn machte aus dem Darmstädter Frust über die höchste Bundesliga-Niederlage der Vereinsgeschichte keinen Hehl: "Dortmund spielt Champions League, da wäre es vermessen, uns auf Augenhöhe mit ihnen zu wähnen. Trotzdem möchte man keine sechs Tore kassieren. Wir werden wieder aufstehen und es am Dienstag besser machen." Dann kommt die TSG Hoffenheim ins Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor.

Titelträume in Köln und Berlin

Willkommen in der verkehrten Liga-Welt: Dortmund und Wolfsburg nur auf Rang fünf und acht, und um Leverkusen und Schalke zu sehen, muss man die Tabelle einmal nach unten drehen. Stattdessen machen der 1. FC Köln und Hertha BSC Jagd auf die Bayern. Nach dem überzeugenden 3:0-Heimsieg am Freitag über Freiburg rangierte der "Effzeh" für immerhin 19 Stunden und zum ersten Mal seit 20 Jahren an der Tabellenspitze. "Es ist ja klar, dass in dieser Stadt jetzt alle Kopf stehen", sagte Trainer Peter Stöger. Die ganze Stadt ist in Feierlaune. Und wer ist in der Domstadt nicht weit, wenn es ums Feiern geht? Genau, Lukas Podolski. Der Profi von Galatasaray Istanbul hat seiner Heimatstadt einen Besuch abgestattet, um das "1. Kölner Oktoberfest" zu eröffnen. Dass "sein" 1. FC Köln gerade auf der Erfolgswelle reitet, macht ihn stolz: "Wenn man aus drei Spielen sieben Punkte holt, dann ist das überragend", sagte Podolski dem "Express". Für den Weltmeister steht fest, dass diese Entwicklung ein Verdienst von Stöger ist. Als Dank bekam Stöger auf der "Kölsche Wiesn" ein gemeinsames Foto mit dem FC-Idol.

Bescheiden, wie die FC-Fans sind, träumten sie am Freitagabend lautstark vom Europapokal und der deutschen Meisterschaft. Das ging vielen Fans der Berliner Hertha ebenso - wieder mal. In der Tat haben die Hauptstädter nach dem 2:0-Sieg über die schon wieder kriselnden Schalker im heimischen Olympiastadion berechtigten Grund dazu. Neben dem FC Bayern sind sie das einzige Team der Liga, das noch keinen Punktverlust hinnehmen musste. Und wie es der Zufall so will, treffen ebenjene beiden Teams am kommenden Spieltag aufeinander. "Na, FC Bayern?! Zittert ihr schon vor Mittwoch?!", twitterten die Berliner im Überschwang. Dieser Tweet stammt sicherlich nicht aus der Tastatur von Pal Dardai. "Wir dürfen nicht hochnäsig sein, nicht zufrieden sein. Wir müssen einfach weiter arbeiten", mahnt der Hertha-Trainer zur Besonnenheit. Ein bisschen zufrieden zeigte er sich nach dem Heimsieg vor 49.251 Zuschauern dann doch: "Wir haben im richtigen Moment die Tore gemacht - und auch schöne Tore geschossen." So einfach kann Fußball sein.

Kommerz siegt, Kommerz weint

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Gut drauf, der Sportskamerad Ralph Hasenhüttl.

(Foto: imago/Picture Point LE)

Nun sind sie endgültig im Oberhaus angekommen. Beim Auswärtsspiel im Hamburger Volksparkstadion reicht RB Leipzig eine Halbzeit, um den HSV mit 4:0 vom Platz zu fegen. Mit sieben Punkten nach drei Spielen setzt sich das Konstrukt des Brauseherstellers Red Bull im oberen Tabellendrittel fest. "Wir sind einfach geil auf Erfolg. Wir haben außerdem gezeigt, dass wir auch körperlich auf einem hohen Level sind. Wir können das Tempo hoch halten, uns behaupten und durchsetzen", erklärte Leipzigs Dominik Kaiser den starken Saisonstart. Sein Trainer Ralph Hasenhüttl war überzeugt: "Glück kann man sich erarbeiten, wir werden gerade belohnt." Dieses Glück versuchte der HSV vergeblich herauszufordern. Der Klub rangiert nach dem Fehlstart nun auf dem altbekannten Relegationsrang und ist am Dienstag in Freiburg fast zum Siegen verdammt.

Für die Fans des Traditionsklubs war die Niederlage gegen die Rasenballsportler noch aus einem anderen Grund besonders bitter: "Ohne Kühne wär' hier gar nichts los", schallte es aus dem Gästeblock - eine Retourkutsche für die Proteste vieler Hamburger, die vor der Partie gegen die Kommerzialisierung bei RB wetterten. Nach der Heimniederlage räumte Lewis Holtby ein: "Mir tut es für jeden von uns leid, der heute unsere Farben tragen musste." Bei RB hingegen ist man mächtig stolz auf das bisher Erreichte. Sportdirektor Ralf Rangnick freut sich auf weitere Fußball-Feiertage des Tabellendritten. "Wir haben den Sieg heute verdient. Man hat nach dem Tor das Gefühl gehabt, das Dach fliegt jeden Moment weg. Es ist einfach fantastisch für die Stadt, die Fans und den Verein. Jetzt müssen wir auf diesem Weg weitergehen."

No more Victory an der Weser!

"Wir haben vollstes Vertrauen in die Arbeit von Viktor …" – ach nee, doch nicht. Werder rasiert Seitenlinien-Stoiker Skripnik. Dabei wollten sie doch eigentlich noch Monate, vielleicht Jahre mit ihrem sympathischen Ukrainer zusammenarbeiten. So hatten sie es bis Samstagabend wieder und wieder betont. Trotz Klatsche um Klatsche. Doch 45 Minuten irrwitziges Rumdilettieren gegen Mönchengladbach (1:4) haben die Chefetage überzeugt: ein neuer Trainer muss her. Zumindest, wenn der Klassenerhalt gelingen soll. Also weg mit Victor und her mit …, ja wem denn? Mit André Breitenreiter? Mit Markus Gisdol? Mit Jos Luhukay? Mit Mirko Slomka? Und dem sich offensiv anbietenden Andreas Herzog? Alles hübsche Alternativen. Aber es gibt ja noch Ex-Erfolgstrainer Thomas Schaaf. Und den wollen 27 Prozent der "Bild"-Leser in einem Voting zurück an der Weser. Was die Kollegen zu der Schlagzeige veranlasst: "Kommt jetzt Schaaf zurück?". Nun, der Angebetete selbst lässt derzeit Medienanfragen ins Leere laufen, wie die "Syker Kreiszeitung" investigativ recherchiert hat. Immerhin: Vor wenigen Wochen soll Schaaf erklärt haben, dass seine Trainerkarriere trotz Hannover-Desaster im Anfang des Jahres nicht vorbei ist. Was auch immer das mit Bezug auf Werder heißen mag.

Bayers Schmidt verwechselt sich

Damit jetzt keine Verwechselung passiert. Verwechseln ist hier nicht im klassischen Sinne von verwechseln als Verwechselung gemeint. Verwechseln meint in diesem Fall eine recht eigenartige Entscheidung von Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt bei der 1:2-Niederlage seiner Elf in Frankfurt. Nun wollen wir sie aber nicht länger in bester Casting-Show-Mentalität auf die Folter spannen und lösen auf: Roger Schmidt verzichtete auf einen Einsatz von Joel Pohjanpalo. Warum wir Ihnen das erzählen? Nun, Folgendes: Bayer liegt zurück, Schmidt kann noch einmal wechseln, bringt den formschwachen Außenverteidiger Wendell statt des derzeit bestens aufgelegten Finnen-Knipsers. Warum er das gemacht hat? Nun, die Antwort können wir leider nicht liefern. Denn niemand hat Schmidt danach gefragt. Blöd eigentlich, wäre ja spannend gewesen. Stattdessen sprach der Trainer so gehaltvolle Sätze wie: "Wir kommen jetzt so langsam rein in den Rhythmus", "Ich bin insgesamt mit dem, was die Mannschaft leistet, sehr zufrieden - deshalb bin ich weiter sehr optimistisch", und natürlich "Wir haben sicherlich ein bisschen was zu tun." Mit Blick auf das erklärte Saisonziel, den Rückstand auf Vizemeister Borussia Dortmund ein wenig zu verkürzen, liegt er immerhin mit dieser Einschätzung sehr richtig. Keine weiteren Fragen.

Quelle: ntv.de