Fußball

Mehrere Klubs planen den Rückzug Super League droht Kollaps nach nicht mal 48 Stunden

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Proteste beim FC Chelsea.

(Foto: AP)

Die Super League ist noch keine zwei Tage alt und offenbar schon wieder Geschichte. Die englischen Clubs wenden sich von dem Milliardenprojekt ab. Ausschlaggebend dafür dürften auch die massiven Proteste der Fans sein.

Am Montag um 0.30 Uhr ging die Nachricht in die Welt, dass zwölf der (einfluss-)reichsten europäischen Fußballklubs die Super League gründen wollen. Sie soll den Mitteilungen der Beteiligten zufolge Milliardeneinnahmen garantieren, entkoppelt von sportlicher Qualifikation, weil sie als geschlossenes System geplant ist. Nicht einmal 48 Stunden später scheint die Initiative gescheitert - weil gleich mehrere Klubs an ihrem Rückzug arbeiten. Maßgeblich dafür dürfte die fast ausschließlich negative Reaktion auf Super-League-Pläne sein, vor allem die Fans der sechs englischen Klubs protestierten und protestieren lautstark und bildgewaltig.

Die ersten Berichte drehten sich um den FC Chelsea, der laut übereinstimmenden britischen Medien eine entsprechende Kommunikation vorbereitet. Der BBC-Journalist Dan Roan twitterte, Chelsea "bereite ein Schreiben vor, um den Rückzug aus der European Super League" öffentlich zu machen.

Die Fans der Blues hatten ihrem Unmut vor dem Heimspiel ihrer Mannschaft gegen Brighton & Hove Albion Ausdruck verliehen mit Sprechchören, mit Plakaten und indem sie dem Mannschaftsbus den Weg versperrten. Sprüche wie "Ruhe in Frieden Fußball 1863 - 2021" und "Von den Armen geschaffen, von den Reichen gestohlen" waren auf den Schildern zu lesen, die die Fans hochhielten.

Bei Manchester City ist der geplante Rückzug schon offiziell bestätigt. Der Tabellenführer der Premier League habe die formalen Schritte dazu eingeleitet, wie der Verein mitteilte. Zuvor berichtete der Journalist Martin Lipton, dass City den Organisatoren mitgeteilt habe, "dass sie nicht länger Teil des Ganzen sein wollen". Demnach habe die massiv negative öffentliche Reaktion auf die Super-League-Pläne eine große Rolle beim Rückzug gespielt.

Zuletzt hieß es, dass sich auch der Meister FC Liverpool, Manchester United, Tottenham Hotspur und der FC Arsenal von der Gründung der exklusiven Liga verabschieden wollen.

"Unterschätze niemals die Inkompetenz von Menschen"

"Talksport" hatte zunächst berichtet, dass noch für den heutigen Abend ein Meeting der zwölf Klubs - FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, FC Arsenal, FC Chelsea, Real Madrid, Atlético Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin, Inter Mailand und AC Mailand - anberaumt sei. Dabei sollte es offenbar um das schnelle Ende des von den zahlreichen Kritikern als größenwahnsinnig und geldgierig beschriebenen Projektes gehen. Offiziell bestätigt iwar das zunächst aber nicht.

Matt Lawton von "The Times" schreibt währenddessen mit Verweis auf eigene Quellen, dass "die Mehrheit der Vereine sich zurückzieht. Atlético [Madrid, Anm. d. Red] und Barça steigen ebenfalls aus." Ed Woodward, CEO von Manchester United soll übereinstimmenden Berichten nach zurückgetreten sein. Woodward und Juve-Präsident Andrea Agnelli gelten mit Real-Boss Florentino Pérez als Treiber der Super League. Was Woodwards Rücktritt für die Rolle Man Uniteds in Sachen Super League bedeutet, ist unklar. Die amerikanischen Klubbesitzer der Glazer-Familie sollen auf das Projekt gedrängt haben, das in der Großbank JP Morgan einen US-Hauptgeldgeber hat.

Der "Guardian" verweist im Zuge der jüngsten Entwicklungen allerdings auf ein Zitat von Pérez, dem Präsidenten von Real Madrid: "Der Super-League-Vertrag ist bindend. Niemand kann sich da rausziehen, wir arbeiten da zusammen dran. Alle Klubs haben am vergangenen Samstag ihre Verträge unterschrieben."

Der renommierte Journalist und Autor Raphael Honigstein twitterte derweil vom Austausch mit "einem Offiziellen eines deutschen Klubs" darüber, welche hohen Hürden die Super League für ihr Gelingen überwinden müsse und welch hohes Risiko die zwölf Klubs dafür eingingen. Die Antwort, die er erhalten habe: "Unterschätze niemals die Inkompetenz von Menschen."

Quelle: ntv.de, tsi/ino

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