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Kampf um Nummer eins beim DFB Ter Stegen drängelt Neuer weg

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Der eine geht, der andere kommt?

(Foto: imago/Norbert Schmidt)

Wer ist die Nummer eins im DFB-Tor? Manuel Neuer und Herausforderer Marc-André ter Stegen liefern sich im Champions-League-Achtelfinale ein Fernduell. Die Leistungen müssten Löw die Entscheidung leicht machen, aber der ziert sich - noch.

Im Champions-League-Achtelfinale bot sich die perfekte Gelegenheit für den unmittelbaren Direktvergleich. In den parallel laufenden Partien FC Barcelona gegen Olympique Lyon (5:1) und dem FC Bayern München gegen den FC Liverpool (1:3) fand auch ein DFB-internes Fernduell statt: das der Torhüter Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen.

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Noch ist Marc-André ter Stegen die Nummer Zwei - ob Joachim Löw bald umdenken wird?

(Foto: imago/Eibner)

Den ruhmreichen Posten zwischen den Pfosten zu besetzen, dürfte zu den Luxusproblemen des Bundestrainers Joachim Löw gehören, denn hier hat er die Qual der Wahl. Während Neuer sich in den vergangenen Jahren oft als sichere Bank bewiesen hat, zuletzt aber zunehmend fehleranfälliger wurde, trumpft sein Herausforderer ter Stegen beim FC Barcelona immer mehr auf - und stellte zuletzt auch klar, dass er keinen Bock hat auf ewig die Nummer zwei zu bleiben. Der "Sport Bild" sagte er: "Ich will Druck machen, bis sich Jogi Löw irgendwann für mich entscheidet und ich die Nummer eins im Tor werde."

International herrscht Unverständnis darüber, dass Löw immer noch den altgedienten, mittlerweile fast 33-Jährigen Neuer bevorzugt, der bei der WM in Russland und auch am Mittwochabend gegen Liverpool keine Glanzleistung ablieferte. Der letzte Mann der Dortmunder, Roman Bürki, erklärte gegenüber dem "Kicker" sogar, dass ter Stegen "der beste Torwart Europas" sei.

Löw zählt Neuer an

Auch in europäischen und internationalen Torwartranglisten taucht der gebürtige Mönchengladbacher ter Stegen meist unter den ersten fünf auf - während Neuer unter ferner liefen zu suchen ist. Aber was macht die aktuelle Nummer zwei des DFB so außergewöhnlich und vor allem besser als Neuer? Ein Fakt ist, dass ter Stegen Fußball spielen kann - und zwar genauso gut, wie die Feldspieler, wenn man den Worten Bürkis gegenüber dem "Kicker" trauen kann. Dem sagte er nämlich: "Er hat seinen eigenen Stil, spielt Fußball wie ein Feldspieler, hat immer klare Aktionen. Ich beobachte ihn oft in seinen Spielen: Er strahlt eine unheimliche Überzeugung aus und zieht seine Ideen mit dieser Überzeugung durch." Auch von der spanischen Presse wird ter Stegen mit Lob überhäuft. So bezeichnete ihn die Zeitung "Marca" schon als "Messi mit Handschuhen".

Dennoch steht der 26-Jährige seit geraumer Zeit in der Warteschlange hinter Neuer, der nicht daran denkt, künftig seinen Platz freiwillig zu räumen. Er halte sich noch nicht für ein "altes Eisen" erklärte er auf die Frage, ob er sich noch weiterhin auf der Torlinie des deutschen Kastens sehe. Insbesondere nach dem dreimaligen Mittelfußbruch in 2017 scheint Neuer nicht mehr ganz in seine alte Form zurückzufinden. Bislang stärkte ihm Löw dennoch den Rücken.

Doch im Zuge der Verjüngungsstrategie, die zuletzt die Köpfe des alteingesessenen Trios Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng forderte, dürfte nun auch an Neuers Stuhl gesägt werden. Der Bundestrainer erklärte zuletzt: "Ich habe letztes Jahr mal gesagt, dass momentan Manuel die Nummer eins ist, er ist ja auch Kapitän, aber in diesem Jahr haben wir sowas wie einen Neubeginn mit der Qualifikation. Da wird auch der Marc seine Chancen bekommen."

Ter Stegen hat die besseren Karten

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Manuel Neuer konnte am Mittwoch gegen Liverpool nicht überzeugen. Besonders beim 0:1 ließ er sich von Sadio Maneé austanzen.

(Foto: imago images / Pressefoto Baumann)

Neuer lief also angezählt gegen Liverpool auf - und konnte seine Fehler wieder nicht abstellen. Allein der Patzer, der dem Gast das 0:1 ermöglichte, muss Löw auf der Tribüne zum Kopfschütteln und Nachdenken gebracht haben. Ter Stegen hingegen ließ sich nur ein Tor einschenken - allerdings konnte er auch nicht seine Spitzenleistung abrufen, wie im Hinspiel gegen den französischen Klub, als er Barcelona mit seinen Paraden zum Remis verhalf. Dass er nicht groß auftrumpfen konnte, lässt sich aber vorrangig darauf zurückführen, dass er dank des Vorwärtsdrangs seiner Mannschaft wenig zu tun bekam.

Nach dem Champions-League-Achtelfinale ist die DFB-Torwart-Frage sicherlich immer noch nicht endgültig beantwortet - aber ter Stegens großer Vorzug, neben seiner konstanten Top-Leistungen ist, dass er mit seiner Mannschaft im Viertelfinale der Königsklasse steht - und sich dort weiter profilieren kann.

Ob der Bundestrainer ab sofort eher auf ter Stegen setzt, wird sich schon bald zeigen. Löw wird am Freitag um 12:30 Uhr seinen Kader für das Testspiel am 20. März gegen Serbien und das anschließend anstehende WM-Qualifikationsspiel am 24. März in den Niederlanden bekannt geben. Vielleicht lässt sich Löw dann auch entlocken lassen, welcher der drei nominierten Torhüter spielen wird.

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Wer ist Ihre Nummer Eins im deutschen Tor?

 

Quelle: n-tv.de

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