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Die Situation von Thomas Müller beim FC Bayern hat sich durch Neuzugang James Rodríguez nicht verbessert - im Gegenteil.
Die Situation von Thomas Müller beim FC Bayern hat sich durch Neuzugang James Rodríguez nicht verbessert - im Gegenteil.(Foto: imago/ActionPictures)
Dienstag, 11. Juli 2017

FC Bayern leiht Reals Rodríguez: Warum Thomas Müller jetzt ein Problem hat

Von Tobias Nordmann

Der FC Bayern München schnappt sich Real Madrids Teilzeit-Spielmacher James Rodríguez. Der Kolumbianer ist Wunschkandidat von Trainer Carlo Ancelotti. Für einen angezählten Weltmeister bedeutet das dagegen noch mehr Druck.

Die vergangene Saison war für Fußball-Weltmeister Thomas Müller der bislang erste und einzig richtig böse Karriereknick. Wenige Tore, viel Pech, kein Stammplatz bei seinem FC Bayern mehr. Da nun im Sommer lediglich der Confed Cup anstand, vertreten durch Bundestrainer Joachim Löws begeisternde "Summer School", und damit kein großes Turnier - Haken dran und es in der Spielzeit 2017/2018 wieder besser machen. Sich am Ende für die Weltmeisterschaft in Russland in den Kader berufen lassen und dann den WM-Titel mit seinen Toren verteidigen. Niemand würde mehr schlecht über den zuletzt rumpelnden Raumdeuter reden.

Ersatzmann, aber Champions-League-Sieger: James Rodríguez
Ersatzmann, aber Champions-League-Sieger: James Rodríguez(Foto: imago/PA Images)

Doch ganz so einfach wird's wohl nicht. Denn um wieder der strahlende und floskellaunige Müllerthomas zu werden, müsste Thomas Müller im Verein regelmäßig spielen. Was unter Louis van Gaal in München einst zum Gesetz ausgerufen wurde, hat Trainer Carlo Ancelotti rigoros einkassiert. Müller wurde zum Gelegenheitsarbeiter und miesepetrigen Sesselwärmer in den Knock-out-Spielen. Im Sturm blockiert der offenbar sommerlochgefrustete Torjäger Robert Lewandowski die einzige Planstelle. Auf den Außen wirbeln die alternden Freigeister Franck Ribéry - wenngleich dessen linke Seite für Müller eh nicht infrage kommt - und der Tempoakrobat Arjen Robben.

Bleibt als Option nur die "Zehn". Oder halt irgendwas davor, aber immer noch hinter dem Sturmzentrum, wo der Weltmeister dann wie weiland Schmidtchen Schleicher wieder herumscharwenzeln und zuschlagen kann. Doch diese Position kommt in Coach Carlos Welt nicht vor. Er will einen kreativen, aber vor allem einen torgefährlichen Strategen, neben dem nach seinen herausragenden Leistungen in der vergangenen Saison ganz sicher gesetzten Feinfuß Thiago und dem dahinter wütenden Arturo Vidal. Er will ihn erst recht - inklusive dann veränderter Statik im Bayern-Mittelfeld - nach dem Rücktritt des spanischen Diagonalball-Gigants und Mittelfeld-Metrums Xabi Alonso. Und er hat ihn nun gefunden. In seinem ehemaligen Lieblingsschüler, Real Madrids technisch hochbegabten Teilzeit-Spielmacher James Rodríguez.

Kein Stammspieler, aber Granate?

Der 25-Jährige kommt, das haben die Bayern nach tagelangen Gerüchten nun offiziell bestätigt, für zwei Jahre. Zunächst für zehn Millionen Euro nur ausgeliehen, aber mit Kaufoption für weitere, allerdings verhältnismäßig günstige, 35 Millionen. Denn im Sommer 2014 - gerade erst mit spektakulären Treffern WM-Torschützenkönig in Brasilien geworden - hatten die Madrilenen noch stattliche 80 Millionen an den AS Monaco überwiesen. Einen unumstrittenen Stammplatz an der Seite von Weltfußballer Cristiano Ronaldo, Weltmeister Toni Kroos und deren genialen Mitspielern konnte er sich in drei Jahren aber nie erarbeiten.

Am nächsten dran an einem festen Platz im weißen Starensemble war er noch in seinem ersten Jahr - damals noch unter dem Trainer Ancelotti. In 46 Saisonspielen kam er auf 17 Tore und 18 Vorlagen. Der Offensivmann mit dem schlauen und schnellen Passspiel soll in München neben dem ebenfalls hoch talentierten Rekordeinkauf Corentin Tolisso die zweite erhoffte "Granate" sein, mit der der Angriff auf den nächsten Champions-League-Triumph gelingt. Zumal sich der Transfer vom zweiten Wunschspieler, dem Chilenen Alexis Sanchez, vom FC Arsenal endgültig zu zerschlagen scheint. Denn Trainer Arsène Wenger hat den Stürmer aufgefordert, seinen Vertrag bei den Gunners zu respektieren - sprich zu bleiben.

In München sind sie jedenfalls sehr stolz auf ihren Königstransfer. So erklärte Karl-Heinz Rummenigge: "James ist ein vielseitig einsetzbarer Spieler. Er ist selbst torgefährlich, bereitet viele Treffer vor und schießt obendrein tolle Standards. Mit diesem Transfer haben wir die Qualität unserer Mannschaft ohne Frage noch einmal erhöhen können" - und freilich auch den Druck auf Thomas Müller.

Den hatte Rummenigge erst vergangene Woche im "Münchener Merkur" charmant angezählt: "Thomas wird eine stärkere Saison hinlegen müssen. Die Konkurrenz auch auf seinen Positionen ist stark. Ich wünsche ihm eine starke Saison und viele Tore."

Quelle: n-tv.de

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