Fußball-WM 2018

Gruppe H unter der n-tv.de-Lupe Fußball-Trumpisten stoppen Bayern-Ego

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Mit 16 Treffern in der WM-Quali hat Robert Lewandowski einen Uefa-Rekord aufgestellt.

(Foto: imago/Newspix)

Kommt der Weltmeister 2018 aus Gruppe H? H wie hoffentlich nicht! Denn ein legendärer kolumbianischer Schopf steht auf dem Spiel. Und bittet der chancenlose Robert Lewandowski jetzt auch den polnischen Verband um Freigabe?

Hola, Colombia

Obacht vor den südamerikanischen Fußball-Trumpisten! Sie kommen zur WM nach Russland, um die internationale Ordnung zu verändern. Das klingt jetzt vielleicht so weltfremd wie weiland 2016 die Vorstellung, ein kräftiger blonder Pöbelfee(erich) könnte tatsächlich US-Präsident werden. Aber Sachen gibt's, jaja. Vorsicht also mit allzu mutigen Wetteinsätzen. Nicht, dass am Ende alles blank ist. So wie der Kopf von Locken-Legende Carlos Valderrama. Der Laissez-faire-Spielmacher der 80er- und 90er-Jahre stellt seine Haarpracht nämlich zur Verfügung, wenn Kolumbien Weltmeister wird. Valderrama, eine Wett-Memme? I wo!, widerspricht dessen ehemaliger Mitspieler Adolfo Valencia. In seiner Experten-Analyse für "Sport Bild" schreibt der Ex-Bayern-Stürmer: "Kolumbien kann eine Hauptrolle spielen."

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Kann bekanntlich was: James.

(Foto: dpa)

Das Zutrauen des "Entlaubers" - er wurde von Franz Beckenbauer wegen seiner unzähligen Trainings-Fehlschüsse in die bayrischen Hecken so getauft - in die Champion-Qualitäten der "Los Cafeteros" fußt vornehmlich auf der Genialität von Bayerns Spielmacher James und auf Monacos Torjäger Falcao. "Unsere größte Stärke ist die hohe individuelle Qualität", sagt Valencia. Und die durchzieht tatsächlich alle Mannschaftsteile. Im Tor steht mit David Ospina (FC Arsenal) eine reaktionsschnelle Fachkraft, die Abwehr beschäftigt mit Yerry Mina (FC Barcelona) und Davinson Sanchez (Tottenham Hotpur) zwei Top-Talente und im Mittelfeld bildet Juan Cuadrado (Juventus Turin) an der Seite von James eine überragende Kreativ-Achse. "Warum", fragt der Bayern-Spielmacher, "soll für uns nicht das Halbfinale oder das Endspiel drin sein?"

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Und nochmal die Fußball-Trumpisten! Sie sind nämlich ähnlich wie der US-Präsident ein Europa-Schreck. Denn wie der "Kicker" recherchiert hat, haben die Kolumbianer seit der Amtsübernahme ihres argentinischen Coaches José Pekerman 2012 nie gegen eine Mannschaft aus Europa verloren! In sieben Spielen gabs fünf Siege und zwei Remis. Hält die Serie, hat Kolumbien das Viertelfinale quasi sicher: Sieg gegen Polen (weil Europa), Sieg gegen Japan (weil besser) und Remis gegen Senegal (weil gleich stark) bedeuten Gruppensieg und Achtelfinalerfolg gegen Belgien (weil Europa) oder England (weil auch Europa).

Witaj, Polska

"Es gibt eine Trophäe im Weltfußball, die wird Robert Lewandowski ganz sicher nie in den Händen halten. Der Grund dafür ist einfach: Seine polnische Nationalmannschaft ist nicht stark genug, um den WM-Pokal zu gewinnen." So haben wir vergangene Woche geschrieben, als wir dem Bayern-Ego nach dessen Freigabe-Wunsch aufgezeigt haben, dass für ihn in den angestrebten Starklassen Europas kein Stammplatz-Sturm-Stühlchen frei ist. An unserer überzeugten Meinung über die WM-Titel-Abstinenz bei Lewandowski und seiner Mannschaft hat sich - falls Sie sich das nun fragen - natürlich nichts geändert. Im Gegenteil: Jetzt wo wir über die Polen an sich und nicht bloß über den Top-Stürmer ohne aktuellen Topspielerfolgs-Nachweis reden, können wir die These faktendicht fundieren. Zu schwach ist die Abwehr trotz starker Individualisten wie dem Monegassen Kamil Glik oder BVB-Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek, zu durchschnittlich das Mittelfeld, aus dem sich einzig der junge Spielmacher Piotr Zielinski vom SSC Neapel heraushebt - immer gemessen an den derzeit geltenden internationalen Standards. Die 14 kassierten Gegentore in der Qualifikation sind der schlechteste Wert aller europäischen Russland-Fahrer. Coach Adam Nawalka will die "Bialo-czerwoni" daher nun WM-stabil "huubstevenssivieren" - sprich: "Die Null muss stehen." Blöd nur: Im Training hat sich mit Glik am Montag die wichtigste Abwehrkraft an der Schulter verletzt. Nach einem versuchten Fallrückzieher. Die WM-Teilnahme ist dahin.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Sie können Ihren Freunden erzählen, dass Lewandowski mit 16 Treffern in der WM-Qualifikation einen neuen Uefa-Rekord aufgestellt hat (wissen die aber bestimmt schon). Sie können vor Ihren Freunden behaupten, dass Lewandowski den polnischen Verband nach dem Vorrunden-Aus um Freigabe bittet (stimmt bestimmt nicht, entfacht aber garantiert wilde Diskussionen). Sie können Ihren Freunden aber auch einfach erzählen, wie cool die Polen ihren WM-Kader präsentiert haben:

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Bonjour Sénégal

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Einer seiner wenigen Einsätze auf der Bank: Sadio Mané.

(Foto: imago/Gerry Schmit)

Ein schmales 0:0 im Testspiel gegen Luxemburg, dazu große Ambitionen bei der Weltmeisterschaft - eine Gleichung, die nicht aufgeht? Fußballwissenschaftlich eigentlich unanfechtbar. Doch in der Rechnung des Senegal steht (oder fehlt) eine Variable, die zu einem ganz anderen Ergebnis führt: Denn im Vorbereitungskick gegen den Weltranglisten-83., fein eingerahmt vom Libanon und dem Benin, fehlte Sadio Mané, der linke Tempodribbler aus Jürgen Klopps Fußballwucht-Maschine FC Liverpool. Nun, typisch für eine kleine Fußball-Nation? Alle abhängig von einem Top-Spieler? Oh, nein! Der Senegal kommt nämlich mit einer stabilen Kombo internationaler Klasse nach Russland gereist. Da ist zum Beispiel Kalidou Koulibaly vom SSC Neapel. Ein Abwehr-Koloss von höchster europäischer Klasse. Neben ihm verteidigt vermutlich der zweikampfstarke Noch-Hannoveraner und Bald-Schalker Salif Sané. Da sind aber auch noch Idrissa Gueye, der beim FC Everton den Spielaufbau intelligent betreut, oder die offensiven Top-Talente Keita Baldé (AS Monaco) und Ismaila Sarr (Stade Rennes).

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Wann immer sich der Senegal für eine Fußball-WM qualifiziert hat, erreichte er das Viertelfinale. Kleiner Scherz, denn der Senegal hat bislang nur einmal an der globalen Meisterschaft teilgenommen. Aber: Der Erfolg 2002, als das Team unter anderem im ersten Spiel Titelverteidiger Frankreich mit 1:0 schlug, begründet die Stärke der aktuellen Mannschaft. Die damals Sechs- bis Zwölfjährigen haben sich mittlerweile von ihren Idolen um Papa Bouba Diop (Torschütze gegen Frankreich) und El Hadji Diouf emanzipiert und arbeiten am "Déjà-vu plus". Angeleitet werden sie dabei ausgerechnet vom Anführer der 2002er-Helden, von Aliou Cissé. Der Trainer-Bob-Marley sagt: "Wir wollen wieder so weit kommen."

こんにちは日本

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Immer in Action: Shinji Okazaki.

(Foto: imago/AFLOSPORT)

Ach Japan! Die kleinen Dribbler aus Ostasien können einem wirklich leidtun. Da haben sie eine Gruppe mit Kolumbien, Polen und dem Senegal erwischt, also eine Gruppe ohne logischen Sieger wie Uruguay (A), Spanien (B), Argentinien (C), Frankreich (D), Brasilien (E), Deutschland (F) und Belgien (G) und trotzdem geht's nach drei Spielen nach Hause. Da kann der Ex-Bochumer Takashi Inui noch so oft betonen, sich die K.-o.-Runde als Ziel gesetzt zu haben. Gut, aber was soll er auch anderes sagen? Wir fliegen direkt wieder heim? Will ja keiner hören. Dabei ist es so: Viele Spieler, wie Dortmunds Shinji Kagawa, der Kölner Yuya Osako, der Mainzer Yoshinori Muto, der ehemalige Milan-Star Keisuke Honda und eben Inui (Eibar) sind technisch bestens ausgebildet, aber als Offensivkräfte kaum torgefährlich und körperlich international unterlegen. Lediglich Leicester-Angreifer Shinji Okazaki und Frankfurts Abwehrchef Makoto Hasebe haben Form (anders als Kagawa und Honda) und Format (wie eigentlich Kagawa und Honda), um auf höherem Niveau zu bestehen. Ob der neue Trainer (siehe unten), Akira Nishino, das mit seiner Tiki-Taka-Liebe ändern kann? Nun, während seiner Zeit bei Gamba Osaka ließ er wieder und wieder Spiele des FC Barcelona als Lehrvideo zeigen - mit Erfolg: Er gewann zwischen 2002 und 2011 fünf Titel, darunter 2008 die asiatische Champions League.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Knapp zwei Monate vor dem WM-Start ereignete sich das größte Entlassungsdrama im japanischen Fußball. So jedenfalls nennt es der "Kicker". Coach Vahid Halilhodzic wurde trotz eigentlich guter Bilanz von 21 Siegen, neun Unentschieden und acht Pleiten entlassen. Zwei krachende Niederlagen Ende 2017 gegen Südkorea (1:4) und Saudi-Arabien (0:1) sowie die völlig verpatzten WM-Tests im März gegen Mali (1:1) und die Ukraine (1:2) hatten aber ebenso vehement auf die Stimmung im Land gedrückt wie das Verhalten des bosnischen Trainers. Dem attestierte Verbandschef Kozo Tashima als Trennungsgrund dann auch Fatales: "Halilhodzic hat nicht mehr kommuniziert und genoss im Team kein Vertrauen mehr." Dazu trug vor allem bei, dass er wichtigen Spielern unbegründete Zwangspausen verpasste. Der Journalist Scott McIntire von "Fox Sports Asia" wird in der "Sport Bild" so zitiert: "Unter Halilhodzic wurden mit Kagawa, Okazaki oder Honda die profiliertesten Spieler des Teams schlichtweg außen vor gelassen. Man fürchtete in Tokio sogar, dass er alle drei auch bei der WM zu Hause lassen würde." Eine nationale Katastrophe, die in internationaler Lächerlichkeit endete: Halilhodzic nämlich verklagte seinen Ex-Arbeitgeber sowie Präsident Tashima auf einen Yen (etwa 0,8 Cent), um seine "Ehre" wiederherzustellen. Die Gründe für die Entlassung seien "diffamierend und schädlich" gewesen.

Auf diesen Spieler müssen Sie achten

Auf James Rodriguez (langweilig). Auf Robert Lewandowksi (noch langweiliger). Oder auf Shinji Kagawa (lohnt sich derzeit nicht). Nein, achten Sie lieber mal auf Ismaila Sarr, den schnellen und trickreichen Linksaußen, manchmal Rechtsaußen und ab und zu mal Mittelstürmer der Senegalesen. Dem 20-Jährigen von Stade Rennes wird eine Karriere wie Ousmane Dembélé (er war übrigens auch bei Stade Rennes) zugetraut - wobei sich die Prophezeiung lediglich auf die frühe Zeit des Franzosen bei Borussia Dortmund bezieht, also auf gigantische Tempodribblings und schöne Tore, nicht auf kindische Ego-Trips und erstreikte Wechsel. Was wir als Pfund für den Schlaks wuchern lassen können: Die Talente-Oniomanisten des BVB und von RB Leipzig haben sich schon um ihn bemüht.

Wie geht's aus?

1. Kolumbien
2. Senegal
3. Polen
4. Japan

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

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