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"Die Führung hat entschieden" Anonymous macht sich fassbar

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Screenshot aus dem Facebook-Video.

Das Hacker-Netzwerk Anonymous ist kaum greifbar - ohne bekannte Struktur, angeblich ohne feststehende Ziele und ohne Anführer. Stimmt das wirklich? Im Zuge des Streits über einen Massenangriff auf Facebook lassen mehrere Äußerungen der Aktivisten aufhorchen. Bei einem "Treffen der Führung" habe sich Anonymous gegen die Aktion entschieden, heißt es. Die Aufmerksamkeit gelte noch nicht veröffentlichten Depeschen.

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Paradox: Die "OpFacebook"-Seite auf Facebook.

Anonymous wolle Facebook zu Fall bringen, meldeten vor Tagen mehrere Medien. Grund war ein Video auf Youtube, in dem eine computergenerierte Stimme davon spricht, Facebook, "ihr Medium der Kommunikation", werde vernichtet. "Zum Wohle der Privatsphäre", wie es heißt. Das Unternehmen verkaufe die Informationen über seine Nutzer an staatliche Einrichtungen, also Behörden, und arbeite mit Organisationen zusammen, die User ausspionierten.

Konkret unter Verdacht sind offenbar vor allem autoritäre Regime - die Ersteller des mehrere hunderttausendmal angeklickten Videos erwähnen explizit Syrien und Ägypten -, die so die Aktionen Oppositioneller untergraben wollen. Jetzt erklären Mitglieder der Organisation per Twitter, die Führung ("board") von Anonymous habe sich beraten und dabei beschlossen, sich komplett von der angekündigten "Operation Facebook" loszusagen. Schon zuvor war der Aufruf innerhalb der Szene auf Skepsis gestoßen.

"Cablegate" noch nicht zu Ende?

Bis zu dieser Äußerung war davon ausgegangen - und von Anonymous selbst auch so kommuniziert - worden, dass das Netzwerk keine Führung, keine feste Organisation und keine Zentrale hat. Die Mitteilung über eine Entscheidung ist bemerkenswert, denn sie lässt vermuten, dass diese Angabe nicht richtig ist.

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Politischer Aufruf des Netzwerks während der Proteste in Ägypten.

Stunden nach der Mitteilung zur "Operation Facebook" verkündete Anonymous eine weitere Entscheidung des "board meeting". Man konzentriere sich nun wieder auf die "Operation Leakspin". Die Aktivisten wollen damit die Lücke füllen, die die offenbar brach liegende Enthüllungsplattform Wikileaks hinterlassen hat. Angaben von Anonymous zufolge werden momentan Dokumente aufbereitet, die Teil des "Cablegate"-Skandals über veröffentlichte diplomatische Depeschen seien.

Symbolisches Datum

Trotz des Dementis aus der Führungsetage ist der Angriff auf Facebook für den 5. November angekündigt. Ein symbolisches Datum, denn die Masken, die Anonymous-Aktivisten bei Demonstrationen tragen und die auch in grafischen Darstellungen häufig auftauchen, sind denen aus dem Comic "V for Vendetta" von 1982 nachempfunden. "Remember, remember the fifth of November" ist ein Reim, der ebenfalls darin vorkommt.

Quelle: n-tv.de

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