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Huaweis Selfie-Star im Test Ascend P7 rutscht in die Oberklasse

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Das Huawei Ascend P7 hat ein sehr helles Full-HD-Display.

(Foto: kwe)

Obwohl Huawei beim Ascend P7 viel bei der Konkurrenz abgeguckt hat, ist das neue Flaggschiff der Chinesen erfrischend anders. Leistung ist nicht seine Stärke, dafür punktet es mit einem schicken Design, toller Verarbeitung und einer außergewöhnlichen Frontkamera.

Das Huawei Ascend P7 ist wie die anderen in diesem Jahr vorgestellten Top-Smartphones eine Weiterentwicklung des Vorgängers. Die Chinesen sind dabei aber durchaus wieder ihren eigenen Weg gegangen und bieten auch 2014 eine nicht nur preislich sehr attraktive Alternative zu den Boliden der Konkurrenz.

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Nur wenn man genau hinsieht, erkennt man unter dem Schutzglas eine feine, blau schimmernde Musterung.

(Foto: kwe)

Das Ascend P7 ist zwar etwas größer als der Vorgänger, liegt aber trotzdem noch angenehmer in der Hand. Das liegt zum einen an der neuen Rückseite, die wie das Display von Gorilla Glass 3 geschützt wird. Dadurch fühlt sich das Gerät von beiden Seiten gleich "weich" an, ähnlich wie beim Sony Xperia Z2, von dem Huawei auch den runden Einschalter übernommen hat. Unter der Lautst ärkewippe sitzt er exakt an der richtigen Stelle. Hält man das P7 mit der linken Hand, liegt dort der Zeigefinger, bei der rechten Hand ist es der Daumen. Weil das Smartphone außerdem 6,5 Millimeter dünn und 124 Gramm leicht ist, lässt es sich auch trotz eines fünf Zoll großen Bildschirms relativ komfortabel bedienen. Die wunderbar glatte Gorilla-Glass-3-Rückseite hat aber auch einen großen Nachteil: Das P7 rutscht fast wie auf Eis über manche Oberflächen und man muss gut aufpassen, wo man es ablegt.

Tolles Display ohne Stich

Eingefasst werden die beiden Glasflächen durch einen Aluminiumrahmen im iPhone-Stil, der an der Unterseite durch eine abgerundete  Kunststoffleiste unterbrochen wird, hinter der sich die Haupt-Antenne befindet. Die Verarbeitung ist exzellent, durchaus mit der des iPhone 5s vergleichbar. Die Einschübe für SIM- und microSD-Karte schließen plan mit dem Rahmen ab, die Tasten sitzen fest und haben einen perfekten Druckpunkt.

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Das Ascend P7 ist größer, aber dünner als das iPhone 5s.

(Foto: kwe)

Das Display des Ascend P7 ist hervorragend. Mit Full-H D-Auflösung ist es gestochen scharf, bietet gute Blickwinkel und leuchtet sehr hell. Die automatische Anpassung an das Umgebungslicht arbeitet dabei sehr zuverlässig und als kleines Schmankerl gibt es in den Display-Einstellungen die Möglichkeit, die Farbtemperatur dem eigenen Geschmack anzupassen. Der voreingestellte Wert ist allerdings prima, ein Farbstich ist nicht erkennbar. Einziger kleiner Kritikpunkt beim Bildschirm ist die etwas zu stark spiegelnde Oberfläche.

Leistung nur durchschnittlich

Was die Leistungsfähigkeit betrifft, gehört auch der Nachfolger des Ascend P6 nicht in die Smartphone-Oberklasse. Der hauseigene Vier-Kern-Prozessor schneidet in Benchmark-Tests etwas schwächer als die Top-Geräte des vergangenen Jahres ab, vor allem die Grafikleistung ist sehr dürftig. Einen Unterschied zu den aktuellen Snapdragon-801-Boliden oder dem iPhone 5S erkennt man aber bestenfalls, wenn man die Geräte parallel bedient und sehr aufwendige Spiele laufen lässt. Der Arbeitsspeicher ist mit zwei Gigabyte dagegen auf Augenhöhe mit dem RAM des Galaxy S5 oder HTC One M8.

Die wichtigsten Spezifikationen

  • Prozessor: Hisilicon Kirin 910T, vier Kerne, 1,8 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 2 Gigabyte
  • Interner Speicher: 16 Gigabyte, erweiterbar
  • Display: 5 Zoll, In-cell LCD, 1920 x 1080 Pixel (441 ppi)
  • Kameras: hinten 13 Megapixel, vorne 8 Megapixel
  • Akku: 2500 Milliamperestunden
  • LTE, NFC, Bluetooth 4.0
  • Sensoren: Näherung, Umgebungslicht, Beschleunigung, Kompass, Gyroskop
  • Strahlungswert: 0,521 W/kg
  • Betriebssystem: Android 4.4.2
  • Maße: 68,8 × 139,8 × 6,5 Millimeter
  • Gewicht: 124 Gramm

Der Chip des Ascend P7 ist zwar nicht der schnellste, scheint aber unter anderem durch eine 28-Nanometer-Bauweise und die niedrigere Taktung relativ sparsam zu sein. Deshalb hat sich im Test auch nicht die Befürchtung bestätigt, der Akku könnte mit 2500 Milliamperestunden eine zu geringe Kapazität haben. So war die Batterie bei durchschnittlichem Gebrauch nach rund 15 Stunden noch zu knapp 31 Prozent gefüllt, wobei das Display etwa 3,5 Stunden aktiv war. Das ist keine Meisterleistung, aber für den Alltag absolut ausreichend.

Klasse: Um Leistung und Laufzeit zu optimieren, hat das Smartphone zahlreiche Einstellungs- und Kontrollmöglichkeiten an Bord, die zentral über den Telefonmanager erreichbar sind. Wer möchte, kann hier beispielsweise manuell Apps verbieten, automatisch zu starten oder im Hintergrund zu laufen. Einfacher ist es, dies dem Manager per Knopfdruck zu überlassen.

Lichtstarke Hauptkamera

Auf der Rückseite hat das Ascend P7 eine 13-Megapixel-Kamera mit einem Sony-BSI-Sensor der vierten Generation und einer großen F/2.0-Blende. Damit macht das Smartphone erwartungsgemäß sehr gute Bilder bei Tageslicht, die meistens kräftige Farben, starke Kontraste und viele Details zeigen. Aber auch bei schlechteren Lichtverhältnissen oder nachts gelingen mit dem P7 im Automatikmodus ohne Blitz Fotos, die vergleichsweise rauschfrei sind und natürlich wirken. Setzt man dagegen das LED-Licht ein, werden Motive schnell überbelichtet und die Bilder wirken milchig und kontrastlos. Offenbar gibt es hier aber noch Probleme bei den Testgeräten aus der Vorserie, da in anderen Artikeln von einer allgemein schwachen Kameraleistung im Dunkeln berichtet wird. 13 Megapixel-Fotos erlaubt der Sensor nur im 4:3-Format, möchte man 16:9-Bilder, ist bei zehn Megapixeln Schluss.

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"Groufies" machen einen Riesenspaß.

(Foto: kwe)

Die Kamera des P7 ist schnell bereit, sogar aus dem Sperrbildschirm, wenn man zwei Mal die Leisertaste drückt. Bei gemischten Lichtverhältnissen ist es sehr praktisch, dass man den Belichtungspunkt manuell bestimmen kann, wenn man den Finger auf das Display legt, nachdem die Kamera fokussiert hat. Videos, die mit dem Ascend P7 gedreht werden, sind im Gegensatz zu den Fotos nur guter Durchschnitt.

Selfie-Spezialist mit acht Megapixeln

Außergewöhnlich gut ist die Frontkamera des neuen Huawei-Flaggschiffs, die mit lichtstarker Blende und 8-Megapixel-Sensor die neue Selfie-Königin ist. Selbst bei etwas diffuserem Licht gelingen schön ausgeleuchtete Selbstporträts in hoher Qualität. Damit die Augen dabei in die Kamera blicken, sieht der Selbstfotograf unter der Linse ein kleines Hilfsbild. Großartig ist die Panorama-Funktion der Frontkamera, mit der man Gruppen-Selfies in höchster Qualität machen kann. Dass das Foto dabei aus drei Einzelbildern zusammengesetzt wird, sieht man ihm nicht im Geringsten an. Vorzüglich sind auch die Kamera-App, die viele Einstellungsmöglichkeiten bietet und die Galerie, wo man jede Menge Bearbeitungsfunktionen findet.

Sehr beachtlich sind die  Klangeigenschaften des Ascend P7. Der Lautsprecher auf der Rückseite ist zwar nicht besonders laut, bietet aber einen angenehmen Sound. Stark ist die Performance des Smartphones aber vor allem, wenn man Kopfhörer ansteckt oder telefoniert. Hinzu kommt, dass der Empfang des Geräts im Test nie zu Klagen Anlass gab.

Oberfläche ohne App-Sammlung

Huaweis hat auch seine Benutzeroberfläche stark verbessert, die jetzt viel aufgeräumter und schlichter ist als noch beim Vorgängermodell. Vor allem die sehr luftigen Schnelleinstellungen im Sperrbildschirm sehen prima aus. Huawei hat sich hier wie beim gesamten UI an Apples iOS 7 orientiert, was optisch durchaus gefallen kann. Um auch wirklich jeden Geschmack zu treffen, bietet Huawei viele verschiedene Designs an, die vorinstalliert sind oder aus dem Internet geladen werden können.

Wie bei iOS-Geräten fehlt eine bei Android sonst übliche App-Sammlung. Da man so die Anwendungen nur auf den Homescreens verteilen kann, muss man dort auch einen Platz für ungewollte, aber nicht deinstallierbare Apps finden. Und Huawei hätte von Apple lernen können, dass ein Ordner auch zwei oder mehr Ablageflächen haben kann.

Alles in allem ist Huawei mit dem Ascend P7 ein sehr schönes und hochwertiges Smartphone gelungen, das haptisch wie optisch viel Spaß macht. Prozessor und Akku sind zwar nicht auf dem neuesten Stand, aber bedenkt man, dass das Gerät rund 200 Euro günstiger als die aktuellen Top-Boliden ist, vermisst man eine stärkere Ausstattung kaum.

Quelle: ntv.de