Stuttgarter Zenbox ausprobiertDieser Puck hilft, seltener aufs Smartphone zu starren
Von Klaus Wedekind.webp)
Die Zenbox ist ein günstiges Gerät aus Stuttgart, das hilft, sich nicht mehr ständig mit dem Smartphone zu beschäftigen. Das Prinzip ist genial einfach, aber äußerst effektiv. Sehr gelungenen Apps bieten viele Möglichkeiten und alle Mitbewohner können den Puck gemeinsam nutzen.
Digital Detox ist derzeit für viele Nutzerinnen und Nutzer ein großes Thema. Das heißt, sie möchten sich kürzere oder längere Pausen gönnen, in denen sie das Smartphone nicht in die Hand nehmen oder wenigstens nur für wichtige Dinge. Einfach ist das jedoch nicht, oft greift man aus Gewohnheit zum Gerät, um sich abzulenken, Langeweile zu bekämpfen - und wenn es ganz schlimm ist, weil man ohne nicht mehr kann.
Steh auf, wenn du die Zenbox nutzt!
Um bewusst Auszeiten zu nehmen oder Routinen für Zeiten ohne oder mit eingeschränkter Smartphone-Nutzung zu entwickeln, kann man Apps verwenden, beispielsweise Bildschirmzeit auf iPhones oder Digital Wellbeing auf Android-Geräten. Doch wenn man der Verlockung erliegt, ist es zu einfach, die Funktion zu deaktivieren - man muss dafür ja nur das Smartphone zu Hand nehmen. Die Zenbox des Stuttgarter Entwicklers Konstantin Singer verfolgt einen effektiveren Ansatz. Denn mit ihr muss man sich bewegen, um digitale Pausen zu unterbrechen oder zu beenden.
Kompliziert ist das Prinzip nicht, es gibt keine hohe technische Hürde zu nehmen auf dem Weg zum digitalen Fasten. Die Zenbook nutzt NFC (Near Field Communication/Nahfeld-Kommunikation). Das ist eine Funktechnologie, die man beispielsweise vom bargeldlosen Bezahlen mit dem Smartphone an der Supermarktkasse kennt.
Made in Germany
Die Zenbox ist eine knapp 40 g leichte in Deutschland 3D-gedruckte Scheibe mit rund 48 mm Durchmesser und 15 mm Höhe. In ihr befindet sich ein NFC-Chip und ein Magnet, mit dem sie an Metallflächen haftet. Öffnen lässt sich der Puck nicht, denn dafür gibt es keinen Grund. Der Chip arbeitet ohne Batterie und ist völlig wartungsfrei.
Der Clou ist, dass man sein Smartphone direkt an die Zenbox halten muss, wenn man eine digitale Pause beenden oder unterbrechen möchte. Das Gleiche gilt für den Start einer Session. Man muss also aufstehen und zur Zenbox gehen. Damit fällt es einem nicht nur schwerer, schwach zu werden, es hält einen auch ein wenig in Bewegung.
Teilen erlaubt
So schlicht die Technik, so umfassender sind die zugehörigen Apps. Singer gibt sich dabei sichtlich Mühe, alles aus der jeweiligen Plattform herauszuholen, was geht - und er hält die Apps aktuell, passt sie also ständig an die Entwicklung von iOS und Android an. Man benötigt für ihre Nutzung kein Abo und kann obendrein eine Zenbox mit Mitbewohnern und Kollegen teilen. Umso erstaunlicher ist, dass das Gerät gerade mal 50 Euro kostet, im Doppelpack sogar nur 40 Euro.
Der Funktionsumfang der Apps ist groß, aber die Anwendung ist grundsätzlich sehr einfach. Zunächst legt man eine Sperrliste an. Dabei hat man zwei Möglichkeiten: Man bestimmt Apps und Websites, die während der Session blockiert sind oder man wählt aus, was erlaubt ist. Zusätzlich ist es bei Android-Smartphones möglich, Feeds, Shots oder Reels, bei iPhones Erwachseneninhalte zu sperren. Das kann gelten, bis man die digitale Pause beendet, oder man legt einen Zeitraum fest.
Egal, wie man es regelt, am Ende muss man die Session an der Zenbox beenden, sofern man dies in den Einstellungen festlegt. Dort lässt sich auch einrichten, dass sich die Zenbox-App selbst nicht deinstallieren oder deaktivieren lässt.
Viele Möglichkeiten
Und das ist noch lange nicht alles. Unter anderem kann man in den Apps auch Zeitpläne anlegen, die regelmäßig oder an bestimmten Tagen ausgeführt werden. Man kann Schlafzeiten einrichten oder aus voreingestellten Routinen wählen und diese bearbeiten. Besonders interessant sind auch Limits für einzelne Apps, also wie oft oder wie lange man sie insgesamt pro Tag öffnen darf. Es ist aber auch möglich, Anwendungen dauerhaft zu blockieren und nur für ein paar Minuten freizugeben, wenn man das Smartphone an die Zenbox hält.
Nutzer können Regeln für Standorte wie den Arbeitsplatz erstellen, die automatisch gelten, wenn man sie betritt (Geofencing). Und wenn man möchte, legt man ein Schrittziel fest, bei dem Apps freigegeben werden - wie cool ist das denn?
Schließlich führt die Zenbox-Anwendung gewissenhaft Buch. Man kann also jederzeit alle möglichen Statistiken abrufen. Dazu gehört unter anderem, wie oft man zum Smartphone gegriffen hat, die gesamte Bildschirmzeit oder welche Apps man wie lange genutzt hat.
Fazit
Die Zenbox ist ein so gelungenes Gadget für digitale Auszeiten, dass man sich fragt, warum vorher nicht schon jemand darauf gekommen ist. Sie hilft effektiv und unkompliziert, die Zeit, die man mit dem Smartphone verbringt, zu reduzieren. Es gibt kein Abo, keine Anmeldung und die App teilt keine Daten mit dem Entwickler. Außerdem hält sie einen in Bewegung und macht auch noch Spaß. Der einzig echte Nachteil ist ein relativ hoher Stromverbrauch während einer Session, da die App dann im Hintergrund aktiv ist.
