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Klage wegen Patentverletzung, Geld für Rechtsstreit Dotcom droht und bettelt bei Google & Co.

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Kim Dotcom braucht offenbar Hilfe.

(Foto: Reuters)

Passwörter sind die größte Schwachstelle bei Online-Identifizierungen - das wusste Kim "Dotcom" Schmitz offenbar bereits in den 1990er Jahren. Inzwischen bieten Facebook, Google und Twitter ein zweistufiges System mit eindeutigen Zugangscodes an. "Mein Patent", tönt Dotcom, droht zunächst mit Klage - und bietet den Konzernen ein Geschäft an.

Twitter führt das Zwei-Stufen-Anmeldesystem ein – und Kim Dotcom wittert seine Chance. "Massive Urheberrechtsverletzung von US-Unternehmen", setzt er als öffentliche Nachricht ab und erklärt sofort, warum: "Meine Erfindung. Mein Patent", schreibt er. Und: "Ich werde sie vielleicht verklagen, Dann gibt sich Schmitz gönnerhaft – er könne sie verklagen, "wegen dem, was die USA gegen mich gemacht haben", werde es aber nicht tun, da er an "Ideen und Wissen teilen" glaube, für "das Wohlergehen der Gesellschaft".

Bei einem Zwei-Stufen-Anmeldesystem können Nutzer ihr Konto mit einem Passwort sowie einem Zusatzcode sichern. Der wird bei jeder Login-Anfrage an ein anderes Gerät verschickt, etwa per SMS an ein Handy. Eine potenzielle Attacke läuft also ins Leere, wenn der Angreifer auf das jeweilige Gerät nicht ebenfalls Zugriff hat. Inzwischen bieten alle großen Online-Dienstleister ein solches System an. Facebook, Google und nun auch Twitter. Dotcom nennt zudem die Citibank.

Die Behauptung Dotcoms ist nicht aus der Luft gegriffen. Das entsprechende Patent wurde im April 1997 in den USA von Kim Schmitz beantragt, ein Jahr später eingetragen und ist seit Juni 2000 veröffentlicht. Name: "Methode der Autorisierung bei Datenübertragungssystemen".

Erst Kanzleramt, jetzt Konzerne

Doch Dotcom wäre nicht Dotcom, wenn es hinter der Offenheit keine Absicht zu seinem Vorteil gäbe – und so heißt es rund eine halbe Stunde nach den ersten Nachrichten versöhnlich: "Google, Facebook, Twitter, ich bitte euch um Hilfe. Wir sind alle im gleichen DMCA-Boot. Nutzt mein Patent gratis. Aber bitte helft bei der Finanzierung meiner Verteidigung." DMCA steht für "Digital Millenium Copyright Act", der Basis der US-Behörden, die Schmitz' Auslieferung an die Vereinigten Staaten und dessen Verurteilung wegen der Verletzung von Urheberrechten durch seine ehemalige Online-Plattform Megaupload ermöglichen soll.

Unterstützung hat Schmitz wohl tatsächlich nötig. Anfang Mai forderte der Unternehmer, der in Neuseeland lebt, über seinen Anwalt gar Hilfe aus dem Kanzleramt. Zwar ist sein neues Projekt Mega populär, aber es ist nicht bekannt, ob er und sein Team etwas damit verdienen. Und falls ja, ob es für die Anwalts- und andere Kosten des Rechtsstreits reicht. "Unsere Verteidigung wird 50 Millionen US-Dollar oder mehr kosten", schreibt Dotcom unter dem Hinweis, dass er auf sein eigenes Vermögen keinen Zugriff habe.

Der Abschluss dieser Droh- und Werbeoffensive um die Internetgiganten gerät dann leicht emotional: "Ich will bis zum Ende kämpfen", heißt es, "weil wir unschuldig sind".

Quelle: n-tv.de

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