Technik
Dienstag, 05. Juli 2011

"Ich kann etwas bewegen": Lulzsec-Chef gibt Interview

von Klaus Wedekind

Auf Twitter verbietet er seinen Gefolgsleuten den direkten Kontakt mit der Presse. Doch der Chef der Cracker-Gruppe Lulzsec selbst sieht das nicht so eng und führt mit einer Wissenschaftsjournalistin sein erstes Interview. "Sabu" beschreibt darin seine Motive und die Meilensteine seiner kurzen, aber aufregenden Hacker-Karriere.

Das Lulzsec-Maskottchen benutzt auf Twitter jemand anders.
Das Lulzsec-Maskottchen benutzt auf Twitter jemand anders.

Innerhalb von nur 50 Tagen hat die Cracker-Gruppe Lulzsec mit zahlreichen Angriffen auf Regierungen und Unternehmen weltweit für viel Aufsehen gesorgt. Zwar gab sie kürzlich ihr offizielles Ende bekannt, doch die Mitglieder der Gruppe sind unter dem Hacktivisten-Label Anonymous weiter aktiv. Der mutmaßliche Lulzsec-Chef "Sabu" glänzt auf Twitter immer noch als Sprachrohr der unter anderem aus der (Wieder-)Vereinigung von Lulzsec und Anonymous hervorgegangenen Bewegung "Antisec".

Sabu hat auf Twitter Lulzsec-Mitgliedern immer wieder eingetrichtert, den Medien nicht zu trauen und auf keinen Fall Interviews zu geben. Doch jetzt hat offenbar ausgerechnet er selbst die Medien-Blockade gebrochen und sein erstes Interview gegeben. Es scheint echt zu sein, denn er hat es selbst auf Twitter verlinkt. Der Lulzsec-Chef schenkte sein Vertrauen einer freien Mitarbeiterin des Wissenschaftsmagazins "New Scientist".

"Ich mache das, was ich kann"

Sabu bezeichnet sich selbst als einen politisch engagierten Mann, der an die Menschenrechte glaubt und gegen Unterdrückung und Korruption kämpft. Ein Märtyrer wolle er nicht sein, sagt er. Er sei kein Cape-tragender Held oder ein Superschurke, der die guten Jungs erledigen möchte. "Ich mache einfach das was ich kann: Ich bekämpfe Missstände."

Seine ersten Erfahrungen als Hacktivist hat er angeblich vor rund elf Jahren gemacht, als die US-Marine eine puertorikanische Insel als Übungsziel bombardierte. Er habe sich auf die Seite der örtlichen Regierung geschlagen und die Kommunikation der Militärs gestört, sagt er.

Seine Verbindung zu Anonymous ist offenbar noch relativ frisch. Die Verhaftung des Wikileaks-Mitbegründers Julian Assange in Großbritannien sei der Auslöser gewesen. "Ich fand das völlig absurd", erinnert er sich.

Sabu segelt unter der Hamas-Flagge und hat sich in Twitter auch als glühender Anti-Zionist gezeigt.
Sabu segelt unter der Hamas-Flagge und hat sich in Twitter auch als glühender Anti-Zionist gezeigt.

Besonders stolz ist Sabu auf sein Engagement für die tunesische Freiheitsbewegung. Er habe die Webseite von Ministerpräsident Ghannouchi gehackt und so online für die tunesische Revolution gekämpft, sagt er. "Es war das erste Mal, dass ich gesehen habe, dass das, was Anonymous tut, real ist und funktioniert. "Operation Tunesien" sei für ihn das Schlüsselerlebnis gewesen, weil er da realisiert habe, dass er etwas verändern könne, sagt er.

Die Veröffentlichungen von tausenden Nutzer-Informationen findet der Lulzsec-Chef gerechtfertigt. So hätte die Gruppe mangelnde Sicherheitsmaßnahmen bloßgestellt und auf Missstände hingewiesen. Und schließlich hätte Lulzsec die Informationen nicht heimlich für Verbrechen genutzt, sagt er, sondern die Betroffenen gewarnt und sie aufgefordert ihre Passwörter zu ändern.

"Enorme Verbesserung der Sicherheit"

Natürlich habe man auch zum Spaß (for the lulz) gehackt. Aber die Betroffenen hätten daraus auch immer ihre Lehren ziehen können. "Ich bin sicher, dass man uns wegen der Bloßstellung von Sony und anderen für böse hält", sagt er. "Aber am Ende wird sich herausstellen, dass wir eine enorme Verbesserung der Sicherheit bewirkt haben."

Antisec hat laut Sabu die gleichen Ziele wie Lulzsec. Man unterstütze in anderen Ländern den Kampf gegen Unterdrückung, Korruption, Zensur und Machtmissbrauch. Als Beispiel nennt er Brasilien, in dem "unsere Brüder" gegen die Zensur von Internet und Informationen kämpfe.

Sabu sagt, er habe keine Angst, eines Tages erwischt zu werden. Für ihn gebe es kein Zurück mehr, sagt er. "Ich hoffe nur, dass die Bewegung auf dem richtigen Weg bleibt, wenn man mich stoppt."

Quelle: n-tv.de

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