Technik

PSN-Daten in Hacker-Hand Playstation-Nutzer lange in Gefahr

Auch wenn den Hackern vielleicht nicht die Kreditkarten-Informationen in die Hände fielen, ist der Datenklau für Nutzer von Sonys Playstation Network noch lange nicht ausgestanden. Im Gegenteil: Während Banken für mögliche illegale Abbuchungen geradestehen und neue Karten ausstellen, können Cybergangster mit den anderen Daten noch jahrelang Schaden anrichten.

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(Foto: REUTERS)

Der Datenklau in Sonys Playstation Network (PSN) bereitet vielen Nutzern große Sorgen. Die meisten von ihnen fürchten einen Missbrauch ihrer Kreditkarten-Informationen. Das ist durchaus verständlich und auch angebracht. Schließlich ist es für Kriminelle leicht, mit Kartennummer, Gültigkeitsdatum und Namen auf Einkaufstour zu gehen. Noch einfacher ist es für die Gauner, wenn ihnen auch der dreistellige Sicherheitscode der Kreditkarte in die Hände gefallen ist. Möglicherweise war dies beim Hacker-Angriff auf Sonys Netzwerk auch der Fall. Derzeit gebe es dafür aber "keine Anzeichen", heißt es im offiziellen Playstation-Blog.

Banken übernehmen Schaden

Schön, wenn dies tatsächlich so ist. Aber auch wenn nicht: "Für etwaige Schäden aus einer möglichen Manipulation im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl müssen die Karten-Inhaber nicht haften", haben Banken und Sparkassen bereits mitgeteilt. Die Ankündigung ist durchaus ernst zu nehmen, da die Geldinstitute auch in der Vergangenheit illegale Abbuchungen schnell ausgeglichen haben, so lange Kunden noch im Besitz ihrer Karte waren. Offensichtlich nehmen Banken lieber die Kosten für die Erstattungen in Kauf, als das Vertrauen in die angeblich risikolosen Kreditkarten zu erschüttern. Nutzer sollten aber trotzdem möglichst täglich ihre Kontobewegungen kontrollieren und schon beim kleinsten Verdacht sofort ihre Bank kontaktieren. Im Ernstfall bekommen sie dann gewöhnlich innerhalb weniger Wochen ihr Geld zurück und eine neue Kreditkarte, womit die Sache normalerweise auch ausgestanden ist.

Was auf den ersten Blick nicht so schlimm erscheint, dürfte langfristig für beklaute PSN-Nutzer viel schwerwiegender sein. Wie Sony zugegeben hat, sind den Hackern Name, Adresse (Stadt, Bundesland, Postleitzahl), Land, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, PSN-Passwort und -Login sowie die PSN-Online-ID in die Hände gefallen. Vermutlich sind die Kriminellen auch im Besitz der Profilangaben inklusive Kaufhistorie, Rechnungsanschrift und Sicherheitsfragen zum Passwort. Und wer für seine Kinder Unterkonten eingerichtet hat, muss damit rechnen, dass die Gangster sich auch deren Daten angeeignet haben.

Vertrauenserweckende E-Mails

Die Cyberkriminellen, die hinter der PSN-Attacke stecken, nutzen die gestohlenen Daten vermutlich nicht selbst, sondern bieten sie in einschlägigen Foren zum Kauf an. Laut dem Kaspersky-Experten Tillmann Werner können Kriminelle beispielsweise mit den persönlichen Daten sehr vertrauenserweckende E-Mails mit Links zu verseuchten Internetseiten oder Schädlingen im Anhang verschicken.

PSN-Nutzer müssen außerdem mit einer Spam-Flut rechnen. Sony weist darauf hin, dass es seine Nutzer zwar informieren wolle, aber auf keinen Fall Daten abfragen werde. Also: Alle Mails, in denen zur Eingabe von Passwörtern und anderen persönlichen Daten aufgerufen wird, gehören in den Papierkorb.

Oft nutzen Anwender für mehrere Dienste das gleiche Passwort und den gleichen Nutzernamen. Cybergangster gleichen deshalb vermutlich schon jetzt die erbeuteten Login-Daten mit Ebay, Amazon, Paypal oder Facebook ab. Auch wenn es mühsam ist: PSN-Nutzer sollten sofort alle identischen Passwörter und Nutzernamen ändern. Heise Online hat ausgerechnet, dass Hacker ein verschlüsseltes PSN-Passwort mit sechs Zeichen in neun Minuten geknackt haben. Wer ein längeres Passwort hat, hat mehr Zeit, es zu ändern - es sei denn, die kriminellen IT-Experten setzen Hilfsmittel ein.

Geklaute Identität

E-Mail-Adressen und Passwörter können schnell geändert oder gelöscht werden, Name, Alter, und Geschlecht nicht. Auch die Adresse bleibt bei den meisten Nutzern für viele Jahre dieselbe. Mit diesen Informationen können Cybergangster beispielsweise unter fremder Identität Nutzer-Konten einrichten und für weitere kriminelle Aktivitäten nutzen. Und bei der enormen Kreativität der Cyberkriminellen ist damit zu rechnen, dass sie noch viele andere Möglichkeiten finden, um die erbeuteten Daten auszunutzen.

Quelle: ntv.de

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