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Telefone werden heute mittels Fernwartungsoption angezapft - ohne das betreffende Gebäude betreten zu müssen.
Telefone werden heute mittels Fernwartungsoption angezapft - ohne das betreffende Gebäude betreten zu müssen.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 06. Juli 2013

Spionage abseits der Datennetze: Profis schützen Fenster vor Laserattacken

E-Mail-Konten knacken, Facebook-Nachrichten mitlesen - dass Datenklau im Internet zur gängigen Spionagepraxis gehört, ist nun bekannt. Doch Geheimdienste greifen noch auf ganz andere Methoden zurück. Schutz dagegen gibt es kaum.

Die Diskussion um die US-Spionageaffäre dreht sich vor allem um Datennetze. Auch Berichte über Lauschangriffe auf Botschaften und Einrichtungen der EU verursachen Aufruhr. Dabei könnte sich der Geheimdienst NSA nicht nur auf das Abgreifen von Datenströmen verlassen. Agenten steht für derartige Missionen ein ganzes Arsenal von Möglichkeiten zur Verfügung.

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Computer und Bildschirme etwa strahlen elektromagnetische Wellen ab, aus denen sich mit geeigneter Technik selbst aus einer Entfernung von Dutzenden Metern und durch Wände hindurch Informationen gewinnen lassen. Diese "kompromittierende Abstrahlung", mit der sich theoretisch unter anderem die Darstellung geheimer Dokumente auf einem Bildschirm rekonstruieren lässt, ist Experten schon seit Jahrzehnten unter dem Schlagwort "Tempest" bekannt. Man spricht von der Erfassung elektromagnetischer Geräteabstrahlung.

Computer lassen sich nur teuer abschirmen

Bei modernen LCD-Flachbildschirmen mit DVI- oder HDMI-Schnittstellen ist das Problem nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) teils sogar noch akuter als bei alten Röhrengeräten. Selbst die Bauteile im Inneren eines Notebooks sondern demnach verräterische Strahlung ab und können so zur Informationsquelle werden. Auch metallische Kabel und Leitungen leiten diese Wellen dem BSI zufolge wie Antennen weiter - und strahlen sie sogar klarer und weiter ab als die Endgeräte selbst.

Generell lassen sich Computer zwar gegen die unerwünschte Abstrahlung abschirmen- so gelten bei der Nutzung für geheime Behörden-Unterlagen gewisse Schutzstandards. Doch die Sicherung von kompletten Gebäuden ist sehr teuer und aufwändig. Die NSA-Zentrale in Ford Meade in den USA etwa verfügt nach Angaben von Experten unter ihrer schwarzen, spiegelnden Außenhaut über eine zweite kupferne Schutzhülle, die elektromagnetische Strahlung stoppt.

Laser-Abwehr mit Musik

Gespräche in einem Gebäude lassen sich auf unterschiedliche Weise belauschen. Immer noch im Einsatz ist dabei die klassische Wanze, die sich heimlich in Rauchmeldern oder in Blumentöpfen platzieren lässt. Zuletzt wurde ein solches Mini-Gerät in der ecuadorianischen Botschaft in Großbritannien gefunden. Es gibt allerdings auch eine ganz andere Möglichkeit: das Abhören von Gebäuden mittels Materialschwingungen. Diese Technik basiert darauf, dass sich Schall nicht nur durch die Luft fortsetzt, sondern auch Oberflächen zum Schwingen bringt.

Mit Körperschallmikrofonen lassen sich derartige Vibrationen etwa von einem Nachbarbüro aus über Rohre einer Heizungs- oder Klimaanlage abgreifen und aufzeichnen. Längst bekannt ist auch die Variante, die Schwingungen einer Fensterscheibe mit hochempfindlichen Laserstrahlen abzutasten und so ein Gespräch aus sicherer Entfernung zu belauschen.

Zur Abwehr können Angriffe unter anderem Rauschgeneratoren eingesetzt werden, die Schallwellen in Räumen überlagern. Gegen das Abtasten per Laser helfen Resonanzmodulatoren, die Glas in Schwingungen versetzen. Der US-Geheimdienstexperte James Bamford berichtete einst, dass das Fenster im Büro des NSA-Chefs aus mehreren Glasschichten besteht. In dem Zwischenraum werde dann Musik abgespielt, um Laser zu irritieren.

Handys abhören per Fernwartung

In jedem Büro stehen Faxgeräte, Drucker und Telefonanlagen, die sich ebenfalls für Spionagezwecke nutzen lassen. Viele Faxgeräte und Drucker legen Dokumente ohnehin in internen Puffer-Speichern ab, wo sie als "Restinformationen" eine gewisse Zeit abgegriffen werden können. Agenten, die sich etwa als Mitarbeiter von Wartungsfirmen für die häufig nur gemieteten Geräten tarnen, könnten sie ohne weitere technische Mittel rekonstruieren.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Abhörtechnik direkt in die Endgeräte einzubauen oder deren Software für externe Zugriffe zu modifizieren. Telefonanlagen oder Handys können so auch zum Abhören von Räumen genutzt werden. Durch Fernwartungsmöglichkeiten in modernen Telekommunikations-Anlagen ist ein Anzapfen möglich, ohne ein Gebäude zu betreten. So berichtete der "Spiegel", dass der mutmaßliche Lauschangriff der NSA auf die EU in Brüssel aufgefallen sei, weil verdächtige Anrufe am Anschluss für die Telefon-Fernwartung eingingen.

Quelle: n-tv.de