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HTCs verrückte Bildröhre RE Camera macht Spaß

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Die HTC RE Camera ist anders als andere Kameras.

(Foto: kwe)

Die RE Camera ist eine kleine Kamera in Periskop-Form ohne Display und Blitz. Klingt verrückt, ist es auch. Aber das Ding macht Spaß und könnte sich seine eigene Nische im heiß umkämpften Markt für Action-Cams schaffen.

Eigentlich ist die RE Camera keine echte Action-Camera. Zwar ist sie wasserdicht und kann am Kopf im Stirnband getragen oder an Sportgeräten befestigt werden. Doch HTC möchte eher "normale" Kunden erreichen, die vielleicht auch mal ungewöhnliche Wege gehen, vor allem aber Fotos und Videos gerne aus der Hüfte schießen.

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HTC bietet für die RE mehrere Halterungen an, die nicht im Lieferumfang enthalten sind.

(Foto: kwe)

Dass sie anders als die Action-Experten von GoPro, Sony oder anderen Herstellern ist, sieht man der RE Camera sofort an. Ihr Gehäuse ist eine gebogene Röhre und sie sieht mehr wie ein Periskop oder ein Inhalator als eine Kamera aus. Die Form ist aber nicht nur Design-Schnickschnack, HTC hat sich etwas dabei gedacht. Eine große Besonderheit der RE ist, dass sie kein Display hat. Man hält die Kamera in der geschlossenen Hand, zielt auf das Motiv und löst über die große Taste im Knick des Gehäuses aus. Die RE ist dabei immer einsatzbereit, Sensoren im Griff schalten sie ein, sobald sie in die Hand genommen wird.

Smartphone als Monitor und Organisator

Wer einen Monitor benötigt, kann dafür ein iPhone- oder ein Android-Gerät nutzen, für die HTC Apps anbietet. Die Anwendung dient auch zur Organisation der Aufnahmen und zum Ändern der Einstellungen. Theoretisch ist es auch möglich, über die App Videos direkt zu Youtube hochzuladen. Im Test gelang dies aber nur, nachdem die Aufnahmen zuvor auf dem Smartphone gesichert wurden - die App ist vermutlich noch eine Beta. Über den Mikro-USB-Anschluss an der Unterseite können Bilder und Videos auch auf den Computer übertragen werden.

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Gerade Horizonte sind mit der RE Camera Glückssache.

(Foto: kwe)

Die Verbindung hält die RE zum Smartphone über eine Kombination von Bluetooth und WLAN. Meistens gab es damit im Test keine Schwierigkeiten, hin und wieder dauerte der Verbindungsaufbau aber sehr lange oder scheiterte. Gar nicht mag die RE, wenn man von einem iPhone zu einem Android-Smartphone wechselt. Hier half nur ein Reset, bei dem gespeicherte Aufnahmen aber nicht gelöscht wurden.

Über den Daumen gepeilt

Wer möchte, kann mit der RE tatsächlich aus der Hüfte schießen, da sie ein Weitwinkelobjektiv besitzt, das in einem Winkel von bis zu 146 Grad fast alles erfasst, was sich vor dem Fotografen befindet. Im Test hat das vorzüglich funktioniert, wobei der Ultraweitwinkel vor allem bei Videos benötigt wird, wenn sich ein Motiv bewegt. Bei Fotos waren die anvisierten Objekte beim voreingestellten normalen Weitwinkel eigentlich immer im Zentrum der Aufnahme, "über den Daumen gepeilt" ist genauer als man denkt. Bilder von nahen Objekten sehen im 146-Grad-Modus verzerrt aus. In der App gibt es aber eine recht gut funktionierende Korrekturfunktion. Nicht ganz schnappschusstauglich ist eine nicht dramatische, aber doch deutliche Auslöseverzögerung, die gelegentlich den zackigen Eindruck der RE etwas schmälert.

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Für schnelle Schnappschüsse von Entdeckungen am Wegesrand ist die RE perfekt.

(Foto: kwe)

Die Qualität der Fotos ist gut, Farben werden unverfälscht dargestellt. Die Kontraste sind in Ordnung und die RE kommt auch meistens mit Gegenlicht oder anderen schwierigeren Lichtverhältnissen zurecht. Bei Schummerlicht ist die RE aber weniger gut zu gebrauchen, weil sie nur digital entwackelt und Fotografen eine sehr ruhige Hand haben müssen. Bilder macht die Kamera nur im 4:3-Format mit 16 Megapixeln, für 16:9-Fotos müssen zwölf Megapixel genügen.

Für echte Action zu wackelig

Videos nimmt die RE nach einem langen Druck auf den großen Auslöser wahlweise in in Full HD (1080p) oder in HD (720p) mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Die Qualität von Ton und Aufnahmen ist okay, erreicht in etwa das Niveau besserer Mittelklasse-Smartphones. Die digitale Bildstabilisierung genügt für vorsichtige Schwenks und macht Aufnahmen bei Fahrradtouren oder Spaziergängen noch sehenswert. Mountainbiker oder Skateboarder sollten aber lieber zu einer richtigen Action-Kamera greifen. Am besten vertraut man dem Ultraweitwinkel und hält die RE ruhig. An der Unterseite hat die Kamera auch ein Gewinde für Stative und diverse Halterungen, die HTC anbietet.

Unter der Linse hat die RE eine weitere Taste, mit der HD-Zeitlupenaufnahmen gestartet und beendet werden. 96 Bildern pro Sekunde sind dabei ausreichend für ein Kind auf der Schaukel oder einen Hund, der nach einem Ball springt. Details wie Wasserspritzer überfordern die RE aber. Zum Vergleich: Das iPhone 6 nimmt Zeitlupen mit 240 Bildern pro Sekunde auf.

Paradedisziplin Zeitraffer

Auf ein Stativ geschraubt oder per Klemmhalterung fixiert, ist die RE eine perfekte Kamera für Zeitrafferaufnahmen, die Wind und Wetter trotzt. Dafür benötigt man allerdings die Smartphone-App. Hier ist es möglich, Foto-Frequenz, Aufnahmedauer und Wiedergabegeschwindigkeit einzustellen. Die Länge des daraus resultierenden Videos zeigt die App ebenfalls an. Die Ergebnisse mit den Standardeinstellungen sehen sehr gut aus und Zeitraffer war auch die Funktion, die neben den schnellen Schnappschüssen im Test am meisten Spaß gemacht hat.

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Das glatte Kunsstoffgehäuse ist etwas schmierig.

(Foto: kwe)

Nach 90 Minuten Zeitraffer-Aufnahmen war der Akku noch zu knapp 30 Prozent gefüllt, laut HTC ist die Kapazität von 820 Milliamperestunden bei Videoaufnahmen nach 100 Minuten komplett erschöpft. Einen internen Speicher hat die RE nicht, Fotos und Videos landen auf microSD-Karten, eine 8 Gigabyte große Karte gehört zum Lieferumfang. Das ist okay, aber etwas knausrig.

Alles in allem ist die RE Camera ein hübsches kleines Gadget, das viel Spaß macht. Sie ist eine gute Ergänzung zu Smartphones, die nicht so schnell schussbereit sind wie die Kamera und für etwas wildere Einsätze auch zu empfindlich sind. HTC will außerdem noch die Youtube-Funktion auf Live-Streaming ausbauen und einen Aufsatz anbieten, mit dem die RE auch für Tauchgänge zu gebrauchen ist. Etwas abschreckend ist die unverbindliche Preisempfehlung von 199 Euro. Allerdings bietet Amazon Vorbestellern das Gerät jetzt bereits für 149 Euro an und dafür ist die RE durchaus eine interessante Alternative zu herkömmlichen Action-Cams.

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Quelle: n-tv.de