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Amazons Super-Schnäppchen Sind Fire-Tablets mehr als nur supergünstig?

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Fire HD und Fire HD 10 - zwei der drei neuen Amazon-Tablets.

(Foto: jwa)

Was taugt ein 7-Zoll-Tablet für 60 Euro? Oder ein 10-Zöller für 200 Euro? Amazon setzt bei seinen neuen Fire-Tablets auf absolute Niedrigpreise als Killer-Kauf-Argument. Aber sind sie auch gut?

Wer sich für eines der neuen 7-Zoll-Tablets von Amazon interessiert, soll gar nicht erst den Eindruck bekommen, es hier mit einem hochwertigen technischen Gerät zu tun zu haben. Gerade mal 60 Euro kostet ein Fire-Tablet mit 7-Zoll-Bildschirm. Wer gleich ein ganzes "Sixpack" kauft, muss nur 5 bezahlen und bekommt so 6 Tablets für 300 Euro. Für Kinder gibt es eine speziell angepasste Version mit dicker Schutzhülle - und wenn das Gerät innerhalb von zwei Jahren kaputt geht, tauscht Amazon es einfach und anstandslos aus. Der Grund für diese Ramsch-Strategie ist klar: Amazon möchte nicht mit dem Verkauf von Geräten Geld verdienen, sondern möglichst viele Kunden an seine Dienste binden. Und womit ginge das einfacher als mit Geräten, die quasi nichts kosten?

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7 Zoll, 8 Zoll oder 10 Zoll: Amazon-Kunden haben die Wahl.

(Foto: jwa)

Dabei ist das Angebot von Amazon auch so schon verlockend: Als Prime-Kunde zahlt man 50 Euro pro Jahr und bekommt dafür kostenlosen Versand bei allen Bestellungen, außerdem Zugriff auf den Video-Streaming-Service Prime Video, mit dem Amazon in Konkurrenz zu Netflix und Co. tritt. Der Haken ist die enge Bindung ans Ökosystem von Amazon. Die Benutzeroberfläche Fire OS 5 basiert zwar auf Android Lollipop und ähnelt ihm in Bedienung und Menüführung, doch Zugriff auf Googles Dienste und den Play Store gibt es vom Fire-Tablet aus nicht.     

Fire OS 5 geht eigenen Weg

Einen klassischen App-Drawer gibt es nicht, auf der Startseite werden alle installierten Apps gezeigt. Ein Wisch nach rechts führt zu einer Liste mit den kürzlich geöffneten Apps. Wer nach links wischt, kommt nacheinander auf die "Inhaltsseiten", wo kürzlich geöffnete oder gekaufte Artikel nach Kategorien sortiert gezeigt werden (Bücher, Videos, Spiele, Musik etc.). Diese Seiten sind vertikal scrollbar und bieten jederzeit Zugriff auf die bereits gekauften Inhalte (Bibliothek) und den Shop. Auf dem Sperrbildschirm werden Sonderangebote und Tipps angezeigt, zusammen mit einem Direktlink zum Amazon-Shop oder zum passenden Werbeclip - gegen einen Aufpreis von 15 Euro kann man sich von dieser Werbung freikaufen.

Solche Funktionen machen überdeutlich, dass der Fokus bei Amazons Fire-Geräten darauf liegt, Inhalte aus dem riesigen Angebot des Versand-Giganten zu konsumieren. Das unterstreicht auch der Formfaktor der beiden größeren Tablets, die Amazon zusammen mit dem 7-Zoll-Schnäppchen vorgestellt hat: Das Fire HD 8 (160 Euro) und das Fire HD 10 (200 Euro) haben beide einen Bildschirm im Breitbildformat mit einer Auflösung von 1280 x 800 Pixeln (16:10). Während andere Hersteller zuletzt aufs 4:3-Format umschwenkten, bleibt Amazon beim Breitbild - klar, denn Filme und Serien werden oftmals im Kinoformat gedreht und können so ohne störende schwarze Balken angeschaut werden.

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Für die Fire-Tablets gibt es auch Zubehör wie diese Schutzhülle mit Ständer.

Technisch, optisch und haptisch machen die beiden größeren Tablets deutlich mehr her als das kleinste der neuen Drei. Sie sind relativ flach und leicht - und dadurch auch auf längere Zeit angenehm zu halten. Die Stereolautsprecher klingen gut, Displayhelligkeit und Auflösung sind akzeptabel, gerade beim großen Fire HD hätten ein paar Extrapixel aber nicht geschadet - eine Pixeldichte von 151 ppi ist nicht mehr zeitgemäß. Die Performance ist aber gut, nennenswerte Aussetzer und Denkpausen gibt es beim browsen durch die Kategorien nicht, Apps starten schnell, die Standorterkennung per GPS funktioniert flott und treffsicher. Für die wichtigsten Nutzungsszenarien gibt es passende Apps, weitere können aus dem App-Shop heruntergeladen werden. Der interne Speicher ist auf 16 Gigabyte beschränkt, ein Micro-SD-Steckplatz nimmt zusätzlich Karten mit bis zu 128 Gigabyte auf - das ist vor allem dann nützlich, wenn man Musik oder Filme und Serien herunterlädt, um offline darauf zuzugreifen.

Nützliche Extras

Das Angebot im App-Shop ist zwar nicht so groß wie bei Apple oder Google, doch wer das Tablet hauptsächlich zum Medienkonsum nutzt, wird nicht viel vermissen - und genau dafür sind die Fire-Tablets ja gedacht. Wer Filme, TV oder Serien gucken will, ist nicht auf das Angebot von Amazon angewiesen, zahlreiche Apps wie Netflix, Spotify, ARD oder Chefkoch benötigen kein Prime-Abo. Ein Amazon-Account ist aber Pflicht. Nützlich sind die Extras, die Amazon neben dem regulären Angebot bereitstellt: Im Bereich "Underground" gibt es zum Beispiel Apps komplett kostenlos, die auf anderen Plattformen etwas kosten oder mit teuren In-App-Käufen daher kommen.     

Mit "X-Ray" können Fragen zu Filmen oder Serien direkt beantwortet werden, zum Beispiel zu Schauspielern, Regisseuren oder zur Filmmusik. "Word Runner" ist eine Art Speed-Reading-Funktion für E-Books, bei der nur jeweils ein Wort in der Mitte des Bildschirms erscheint - die Geschwindigkeit kann den eigenen Lesefähigkeiten angepasst werden. 

Damit sind die Fire-Tablets interessante, aber technisch und optisch unspektakuläre Geräte, die Nutzern vor allem dabei helfen sollen, möglichst tief in die Amazon-Welt einzutauchen und möglichst viele Inhalte zu konsumieren. Der niedrige Preis ist möglich, weil bei der technischen Ausstattung gespart wurde und weil Nutzer eng ans eigene Ökosystem gebunden werden. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, bekommt mit den Fire-Tablets ordentliche Geräte zum ungehemmten Medienkonsum.

Quelle: n-tv.de

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