Technik

Tizen-Smartwatch im Test Was kann Samsungs Gear 2?

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Die Gear 2 kann beim Händewaschen am Handgelenk bleiben.

(Foto: kwe)

Samsung hat seine erste Smartwatch Gear aktualisiert und mit einigen Verbesserungen auf den Markt gebracht. Im Test erledigt sie ihre Aufgaben einwandfrei, aber ob es wirklich smart ist, sie am Handgelenk zu tragen, ist Ansichtssache.

Die Erwartungen in die Galaxy Gear waren hoch, bevor sie Samsung  im vergangenen September im Rahmen der IFA in Berlin vorstellte. Doch der Funktionsumfang der Smartwatch war zu klein und das Design zu klobig, um Kritiker und Käufer zu überzeugen. Die Koreaner haben daher schnell nachgelegt und beim Mobile World Congress im März neue Modelle präsentiert. Samsung bietet die Smartwatch jetzt in einer verbesserten Variante mit und ohne Kamera an.

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Der Pulsmesser an der Unterseite funktioniert nur gut, wenn die Uhr fest am Arm sitzt.

(Foto: kwe)

Der Nachfolger von Samsungs erster Smartwatch heißt nicht Galaxy Gear 2, sondern nur Gear 2. Die Gear 2 Neo ist im Prinzip exakt das gleiche Gerät, nur ohne Kamera und daher ein bisschen leichter und kleiner. Schon die erste Gear sah für ihre Größe gut aus und war hervorragend verarbeitet. Samsung hat das Design aber nochmal verbessert und die Uhr sieht jetzt wesentlich schlanker aus, a uch wenn sie mit 58,4 x 36,9 x zehn Millimetern und 68 Gramm nur einen Millimeter dünner und knapp sechs Gramm leichter ist. Das liegt vor allem daran, dass die Kamera zusammen mit Lautsprecher und Mikrofon jetzt oberhalb des Displays im Gehäuse untergebracht ist. So konnte Samsung das Plastikarmband kräftig abspecken, es ist jetzt außerdem wechselbar. Man kann es theoretisch auch durch ein schickeres und vor allem hautfreundlicheres Lederarmband tauschen, da der Steg Standardgröße hat.

Unkomplizierte Bedienung

Gegenüber der Kamera besitzt Samsungs Smartwatch jetzt einen Home-Button, der gleichzeitig als Ein-/Ausschalter dient. Der Knopf sieht nicht nur gut aus, sondern vereinfacht die Bedienung ungemein. Denn man kommt ohne Wischgesten mit einem Druck zurück zum Homescreen und kann eine Funktion festlegen, die man per Doppel-Druck direkt öffnen möchte. Ansonsten blättert man nach wie vor durch Seitwärtswischer durch Menüs oder geht mit einem Fingerstreich nach oben einen Schritt zurück. Auch die zuletzt geöffneten Apps werden wie bei der Vorgängerin in einer Übersicht angezeigt, wenn zwei Finger lange auf den Bildschirm liegen.

Insgesamt ist die Bedienung sehr einfach und intuitiv. Es fällt auch nicht auf, dass Samsung statt Android bei der zweiten Generation auf Tizen als Betriebssystem gesetzt hat. Lediglich die App-Auswahl ist dadurch noch eingeschränkter.

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Muss der Akku aufgeladen werden, steckt man einen Adapter an die Gear 2.

(Foto: kwe)

Die Gear 2 hat nach wie vor ein 1,63 Zoll großes AMOLED-Display mit 320 x 320 Pixeln. Es bietet kräftige Farben und Kontraste, ist auch von der Seite gut ablesbar und mit einer Pixeldichte von 275 ppi auch für seine Anforderungen absolut scharf genug. Die Helligkeit ist ebenfalls gut, regelt sich aber nicht automatisch. Um den Akku zu schonen, erlaubt die Gear 2 die höchste Stufe auch nur für fünf Minuten. Benötigt man sie, um auch  im hellen Tageslicht etwas zu erkennen, erreicht man den Outdoor-Modus am sch nellsten, indem man den Home-Button länger drückt. Apropos outdoor: Die Gear 2 ist wasserfest, man muss sie auch bei kräftigen Regengüssen nicht mehr in Sicherheit bringen.

Akku hält mindestens zwei Tage durch

Unter dem Bildschirm hat Samsung aufgerüstet. Der Prozessor hat jetzt zwei Kerne und ist mit einem Gigahertz getaktet, dazu kommen 512 Megabyte Arbeitsspeicher. Damit erledigt die Smartwatch alle Aufgaben sehr flüssig, auch der Touchscreen reagiert exakt und zackig. Der Akku der Gear 2 hat mit 300 Milliamperestunden erstaunlicherweise sogar eine etwas niedrigere Kapazität als ihre Vorgängerin, doch offensichtlich nutzt sie die neue Uhr wesentlich effizienter. Wie von Samsung angegeben, hält sie auch bei intensiverer Nutzung problemlos zwei Tage durch, im Normalbetrieb gut doppelt so lange. Aufgeladen wird die Gear 2 über einen Adapter, der an die Uhr gesteckt wird.

Die 2-Megapixel-Kamera macht verhältnismäßig gute Schnappschüsse, so lange das Licht ausreicht. Bis zu 50 Bilder speichert die Smartwatch, besteht eine Verbindung zum Telefon, werden sie sofort automatisch übertragen. Auch die Videos, die die Gear 2 in 720p mit 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnet, können sich sehen lassen. Allerdings gestattet das Gerät nur 15 Sekunden lange Clips, was die Funktion nahezu sinnlos macht. Vielleicht möchte Samsung den immerhin vier Gigabyte großen Speicher für MP3-Songs frei halten, die man per Bluetooth-Kopfhörer auch ohne Telefonkontakt anhören kann.

TV-Fernbedienung am Arm

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Die Gear 2 koppelt sich auch mit dem HTC One M8.

(Foto: kwe)

Die Kamera kommt aber sowieso eher selten zum Einsatz, da man  die Uhr gewöhnlich nie ohne Smartphone nutzt. Dabei kann die Gear 2 für eine Smartwatch recht viel selbstständig: Sie zeigt das Wetter an, kann beim Joggen oder Wandern die Schritte zählen und als MP3-Player dienen. Außerdem hat die Uhr an der Unterseite einen Pulsmesser, der sehr zuverlässig arbeitet, wenn das Armband eng eingestellt ist. Man kann Sprachmemos diktieren, die Uhr als Wecker oder Stoppuhr einsetzen oder mit dem neben der Kamera untergebrachten Infrarotsender als TV-Fernbedienung nutzen.

Ihre eigentlichen Stärken zeigt die Gear 2 aber wie andere Smartwatches nur mit einem Smartphone. Die wichtigste Aufgabe der Uhr ist die Benachrichtigung über eingegangene E-Mails, SMS, WhatsApp-Botschaften und vieles mehr. Ist im Gear Manager ein entsprechendes Häkchen gesetzt, zeigt die Gear 2 auch Vorschauen an. Tippen kann man auf der Gear 2 zwar nicht, auf SMS kann man aber mit Standardfloskeln antworten. Auch Anrufe sind mit der Smartwatch möglich, allerdings hören alle in der näheren Umgebung mit und der eingebaute Lautsprecher ist so bescheiden, dass Gespräche ohne Headset eigentlich nur in absoluter Ruhe zu empfehlen sind.

Gear 2 ist gar nicht so wählerisch

Die Sprachsteuerung S Voice funktioniert ebenfalls nur in Zusammenhang mit einem Smartphone, wobei die Funktionen noch sehr eingeschränkt sind. Unter anderem kann man Anrufe machen, Termine und das Wetter anzeigen und vorlesen lassen. Leider ist es derzeit nicht möglich, eine Navigation zu starten, obwohl dies direkt auf dem Smartphone problemlos klappt. Sehr praktisch ist dagegen der Mediencontroller, über den es möglich ist, die Wiedergabe von Musik auf dem Smartphone zu steuern, ohne es aus der Tasche zu holen.

Offiziell ist die Gear 2 nur mit Samsungs Galaxy-Smartphones kompatibel, auf denen mindestens Android 4.3 installiert ist. Doch im Test klappte es auch ohne Schwierigkeiten mit dem HTC One M8, eine Anleitung findet man unter anderem bei "Appdated". Lediglich auf S Voice muss man bei "Fremd-Geräten" verzichten.

Letztendlich stellt sich aber die Frage, ob man rund 350 Euro für die Gear 2 ausgeben möchte. Der Mehrwert ist doch sehr begrenzt und wirklich smart erscheint es nicht, dafür zusätzlich zum Smartphone ein Gerät am Handgelenk zu tragen. Sportler finden in Samsungs schlanker, gebogener Gear Fit oder einfacheren Fitnessbändern idealere Begleiter. Wer aber sowieso gerne imposante Armbanduhren trägt, wird seine Freude an der Smartwatch haben, die gut aussieht, prima verarbeitet ist und das, was sie kann, sehr gut macht.

Quelle: ntv.de

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