Wirtschaft

Enttäuschung über Angebot Bahn und EVG vertagen Tarifgespräche

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EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba mit dem Aktenordner, der die Offerte der Bahn enthält.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Quickie unter den Tarifverhandlungen - mit ernüchterndem Ende: Gerade mal eine Stunde sitzen Bahn und Eisenbahner-Gewerkschaft am Freitag zusammen. Dann werden die Gespräche vertagt - die EVG will das Angebot der Bahn erstmal genau prüfen.

Nach knapp einer Stunde ist die dritte Verhandlungsrunde der Bahn mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ohne Annäherung beendet worden. Die Bahn schlug der EVG sowie der kleineren Lokführergewerkschaft GDL heute nahezu identische Tarif-Verbesserungen vor. Die EVG nannte sie jedoch nicht ausreichend, so dass die Verhandlungen auf den 12. Dezember vertagt wurden. Mindestens bis 3. Dezember verzichtet die EVG auch auf einen Arbeitskampf. Am Nachmittag stehen noch die Gespräche mit der GDL an, die schon mehrfach gestreikt hat.

Die Bahn hofft auf einheitliche Tarife, die Forderungen der beiden konkurrierenden Gewerkschaften unterscheiden sich jedoch: Die EVG verlangt für ihre Mitglieder sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber eine Steigerung der Gehälter um 150 Euro. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn, 37 statt 39 Stunden Wochenarbeitszeit sowie bessere Schichtpläne.

EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba äußerte sich nach der Gesprächsrunde enttäuscht: "Das heute vorgelegte erste Angebot einer Tariferhöhung entspricht in keinster Weise unseren Forderungen." Statt der Erhöhung aller Gehälter um mindestens 150 Euro, was vor allem Geringverdienern zugutekommen würde, sei nur eine Einmalzahlung angeboten worden. Zudem benötige man mehr Zeit zur Prüfung der Details. Am 3. Dezember wolle sich die EVG-Tarifkommission damit befassen, sagte Rusch-Ziemba. Bis dahin werde nicht gestreikt.

Bahn: "Verhandlungen sind nicht gescheitert"

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nannte das Angebot auf insgesamt 607 Seiten dagegen eine gute Basis für weitere Verhandlungen: "Sie sind nicht unterbrochen, sie sind nicht gescheitert, wir sprechen weiter - das ist eigentlich die richtige und gute Nachricht", sagte er nach dem Treffen. Es sei möglich, bis Weihnachten zu einem Ergebnis zu kommen.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben warnte in der "Bild" besonders vor Streiks in der Vorweihnachtszeit, die den Weihnachtsmarkt- und Einkaufstourismus ausbremsen würden. "Die vielen Bahnstreiks sind schon jetzt ein Bremsklotz für die Konjunktur", sagte er. "Transport und Arbeitszeit fallen aus, ausbleibende Lieferungen sorgen für Engpässe." Der Schaden durch die jüngsten Streiks betrage für die Wirtschaft mehr als eine halbe Milliarde Euro. Die Bahn hatte ihren Schaden auf bis zu 100 Millionen Euro pro Streiktag beziffert.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa/rts

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