Wirtschaft

Es geht aufwärts Der Rubel gehorcht Putin

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(Foto: imago/ITAR-TASS)

Der Rubel stoppt den freien Fall und gewinnt wieder an Höhe. Denn Präsident Putin und die Zentralbank geben sich entschlossen, sich der Abwertung entgegenzustemmen. Das könnte allerdings teuer werden.

Eine verbale Intervention von Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem Rubel Auftrieb gegeben. Der Kursrückgang werde durch die Zentralbank beendet, kündigte der Staatschef am Rande eines Treffens in Peking an. Dollar und Euro verbilligten sich daraufhin jeweils rund zwei Prozent zum Rubel. Ein Euro kostete am frühen Nachmittag 56,89 Rubel, ein Dollar 45,58 Rubel.

"Die aktuellen spekulativen Marktschwankungen des Wechselkurses werden in der nahen Zukunft stoppen", sagte Putin. Die Zentralbank werde Schritte "gegen die Spekulanten" unternehmen. Die gegenwärtige Schwäche der russischen Währung sei nicht gerechtfertigt, es gebe dafür keine wirtschaftlichen Gründe.

Seit Anfang des Jahres hat der Rubel zum Dollar noch immer fast 40 Prozent an Wert verloren und zum Euro etwa ein Viertel. Analysten führen das unter anderem auf Sanktionen des Westens zurück. Auch Kapitalflucht, der sinkende Ölpreis und die stagnierende Konjunktur schwächen den Rubel.

Viele russische Unternehmen müssen verstärkt Dollar kaufen, weil ihnen der direkte Zugang zum europäischen und zum US-Finanzmarkt verwehrt ist. Allein in den kommenden sechs Monaten müssen russische Firmen - Banken ausgenommen - 52 Milliarden Dollar Schulden zurückzahlen oder refinanzieren, wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf die Zentralbank berichtet. Zugleich scheint der Anleihemarkt für russische Unternehmen nahezu verschlossen. Seit Juli habe sich kein russisches Unternehmen hier Geld besorgt, so die Zeitung. In diesem Jahr hätten sie sich bislang rund 9 Milliarden Dollar an den internationalen Anleihemärkten geliehen. Vor einem Jahr seien es bereits mehr als 35 Milliarden Dollar gewesen.

In etwa zeitgleich zu den Äußerungen Putins kündigte die russische Zentralbank an, ihre Strategie gegen den Verfall des Rubel-Kurses zu ändern. Notenbankchefin Elwira Nabiullina stoppte die jüngste Praxis, Rubel-Ankäufe zur Stützung der Währung zu begrenzen. Sie kündigte an, stattdessen bei Bedarf jederzeit und in "ausreichendem Umfang" am Devisenmarkt auf "spekulative Kursbewegungen" zu reagieren. Dies gelte insbesondere, wenn Gefahr für die Finanzstabilität drohe.

Die Notenbankerin hatte erst am Mittwoch angekündigt, die Rubel-Käufe auf höchstens 350 Millionen Dollar pro Tag zu limitieren. Das ist allerdings nur ein Bruchteil dessen, was die Zentralbank in den vergangenen Wochen ausgegeben hat, um die Talfahrt zu bremsen. Sie intervenierte automatisch, sobald der Kurs eines Währungskorbs aus Euro und Dollar eine bestimmte Spanne zum Rubel überschritt. Im Oktober wendete sie mehr als 27 Milliarden Dollar auf, im November bislang 700 Millionen Dollar.

Zugleich erhöhte sie den Leitzins auf mittlerweile neun Prozent, um Rubelschwäche und Inflation entgegenzuwirken. Das ist vor dem Hintergrund der schwachen Konjunktur problematisch. Denn höhere Zinsen bremsen die Wirtschaft, da sie Kredite verteuern.

Hohe Inflation

Die Notenbanker zeichneten am Montag ein skeptischeres Bild für die russische Wirtschaft. Sie sagten für 2015 wirtschaftliche Stagnation und für 2016 ein Plus von 0,1 Prozent voraus. Die Zentralbank rechnet in diesem Jahr mit einem höheren Kapitalabfluss als bislang angenommen. In ihrem neuesten Bericht zur Geldpolitik erhöhte sie ihre Schätzung auf 128 von zuvor rund 100 Milliarden US-Dollar.

Die wegen der Ukraine-Krise vom Westen verhängten Sanktionen gegen Russland würden voraussichtlich frühestens Ende 2017 aufgehoben, hieß es in dem Bericht. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten versprach die Zentralbank, die Inflation bis 2017 auf 4 Prozent zu drücken. In diesem Jahr dürfte die Inflationsrate bei über 8 Prozent liegen. Die Senkung werde möglich sein, wenn Moskau das Importembargo für Lebensmitteleinfuhren aus EU und USA aufhebe. Lebensmittel kosteten der russischen Statistikbehörde zufolge im Oktober im Schnitt 11,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Preise für Fleisch und Geflügel lagen um knapp 18 Prozent höher.

Quelle: ntv.de, mit rts/DJ