Wirtschaft

"Korruption" und "Verschwörung" Ghosn rechtfertigt spektakuläre Flucht

Erstmals seit seiner spektakulären Flucht aus Japan äußert sich Ex-Autoboss Carlos Ghosn öffentlich. Im Libanon holt er ausführlich gegen Japans Justiz aus und beschreibt eine angebliche Verschwörung. Zum genauen Hergang seines Entkommens schweigt er sich aus.

Der Ex-Automanager Carlos Ghosn hat seine spektakuläre Flucht aus Japan in den Libanon mit dem aus seiner Sicht politisch gesteuerten und korrupten Verfahren gegen sich gerechtfertigt. Ihm sei keine andere Wahl geblieben, sagte er in der libanesischen Hauptstadt Beirut. "Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens."

In keinem anderen demokratischen Land der Welt käme man wegen derartiger Vorwürfe ins Gefängnis. Zugleich beklagte Ghosn unmenschliche Haftbedingungen, unter anderem mit langer Einzelhaft mit wenig Kontakt zur Familie. Bei seinem ersten Auftritt seit der Flucht aus Japan Ende Dezember wies er alle Beschuldigungen erneut zurück. "Die Vorwürfe gegen mich haben keine Grundlage." Er sei von den japanischen Behörden "brutal aus seiner Welt gerissen" worden.

Er sprach von einer Verschwörung, mit der verhindert werden sollte, den Autokonzern Nissan enger mit Renault zu verzahnen. Ghosn sagte, die "Anklage gegen mich ist unbegründet" und teils das Ergebnis "skrupelloser, rachsüchtiger" Personen bei Nissan. Seine Verhaftung sei Teil eines Putsches gegen ihn gewesen, der von Führungskräften von Nissan orchestriert worden sei und nennt den ehemaligen CEO Hiroto Saikawa sowie den Manager Masakazu Toyoda. Nissan hält dagegen, der einzige Grund für die Verhaftung und spätere Entlassung bei Nissan sei das Ergebnis seines Fehlverhaltens gewesen.

Von Staatsanwälten bedroht?

Den ermittelnden Staatsanwälten warf er vor, sie hätten ihm gedroht, ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Die Strafverfolger hatten hingegen ihr Vorgehen verteidigt und erklärt, Ghosn hätte einen fairen Prozess bekommen.

Ghosn wollte jedoch keine weiteren Angaben dazu machen, wie er von Japan über Istanbul nach Beirut gekommen ist. Er soll in einer Kiste versteckt aus Japan in den Libanon geflohen sein. Zu der Flucht mit einem Privatjet hätten ihm zwei hierzu eingereiste Amerikaner geholfen, berichteten japanische Medien unter Berufung auf Ermittler. Japan nannte die Ausreise illegal.

Der frühere Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi war am 19. November 2018 in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft in Japan entlassen. Unter anderem wurde ihm verboten, das Land zu verlassen. Ghosn hat die französische, die brasilianische und die libanesische Staatsangehörigkeit.

Quelle: ntv.de, mra/dpa/DJ