Wirtschaft

Trumps Bedenken zum Trotz Microsoft bestätigt Interesse an Tiktok

2020-07-07T030135Z_1589249746_RC23OH9TVRPT_RTRMADP_3_TIKTOK-HONGKONG.JPG

Wechselt Tiktok bald den Besitzer?

(Foto: REUTERS)

Der chinesische Internetkonzern Bytedance steht unter Druck: Er muss seine erfolgreiche Videoplattform Tiktok wohl verkaufen, weil die US-Regierung mit einem Verbot droht. Lautester Interessent ist Microsoft, auch wenn der US-Präsident davon nicht begeistert ist.

Microsoft strebt eine Übernahme von Tiktok an. Der Softwareriese teilte mit, dass er trotz Bedenken von US-Präsident Donald Trump weitere Gespräche mit dem Eigentümer der Videoplattform führen wolle, dem chinesischen Internetkonzern Bytedance. Nach eigenen Angaben will Microsoft bis zum 15. September einen Deal erzielen.

Bytedance steht unter hohem Druck, Tiktoks US-Geschäft zu verkaufen, weil das Weiße Haus mit einem Verbot droht. Am Sonntagabend erklärte US-Außenminister Mike Pompeo in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox News, dass Präsident Trump innerhalb weniger Tage gegen Tiktok und andere Apps vorgehen werde, die sich in der Hand chinesischer Firmen befinden. US-Behörden fürchten, dass die weltweit von fast einer Milliarde Menschen genutzte Videoplattform Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergibt. Tiktok bestreitet dies vehement.

US-Medien hatten in den vergangenen Tagen bereits über ein Microsoft-Interesse an Tiktok berichtet, was Trump jedoch ablehnend kommentierte. Nun erklärte das Unternehmen, dass es sich im Klaren über die Einwände sei und versprach, sich damit auseinanderzusetzen.

Microsoft sucht Minderheitspartner

Microsoft will der Mitteilung nach nicht nur das US-Geschäft von Tiktok übernehmen, sondern auch das in Kanada, Australien und Neuseeland. Dabei sei der Konzern auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen. Microsoft betonte, dass sich die Verhandlungen in einem vorläufigen Stadium befänden und es keine Sicherheit für eine Einigung gebe.

Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform, die in 65 Sprachen auf 175 Märkten angeboten wird. Nutzer können dort selbsterstellte Clips hochladen oder die von anderen ansehen. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Anfang Juli hatte bereits Indien chinesische Apps wie Tiktok und andere Internetangebote verbannt.

Wie genau Trump gegen die aus China kommenden Internet-Anwendungen vorgehen will, ließ Pompeo offen. Der Präsident hatte bereits seinerseits am Freitag angekündigt, er wolle Tiktok in den USA verbieten - und werde womöglich schon Samstag zur Tat schreiten. Bis Sonntag passierte allerdings nichts; auch blieb unklar, wie ein Verbot durchgesetzt werden könnte.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP