Wirtschaft

"Er ist immer noch ein Arsch" Netzgemeinde zwingt Shkreli in die Knie

Er ist 32 Jahre alt, Hedgefonds-Manager und aktuell der meist gehasste Mann der USA: Martin Shkreli. Was er getan hat? Er hat den Preis für ein Medikament um 5000 Prozent angehoben. Und nimmt es jetzt zurück. Vielleicht.

*Datenschutz

Ein Monster, ein Drecksack, ein Soziopath. Das sind noch die freundlichsten Bezeichnungen, die in den vergangenen Tagen über Martin Shkreli in Netz zu finden waren. Doch warum steht der Sohn albanischer und kroatischer Migranten plötzlich für "alles, was falsch am Kapitalismus ist"?

Der 32-Jährige hat kürzlich die Rechte an dem Medikament Daraprim erworben. Bereits in den 1950er-Jahren entwickelt, gilt Daraprim immer noch als Mittel der Wahl bei einer parasitären Infektion namens Toxoplasmose. Diese ist besonders bei einem geschwächten Immunsystem, unter dem beispielsweise HIV-Patienten leiden, gefährlich und muss dann medikamentös behandelt werden. Bis vor Kurzem kein Problem mit einem Medikament, dessen Herstellungskosten bei etwa 1 Dollar pro Stück liegen und das im Handel etwa 13,50 Dollar pro Tablette kostete.

Doch dann kündigte Shkreli an, den Preis auf 750 Dollar pro Pille zu erhöhen. Das Medikament wäre zu günstig gewesen, seine Firma brauche zudem die Gewinne, um sie in neue Forschung zu stecken, sagte der Chef von Turing Pharmaceuticals zur Begründung. Und löste einen Sturm der Entrüstung aus, auf dessen Höhepunkt sich Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton einschaltete und Ermittlungen forderte, während ihr Konkurrent Bernie Sanders umgehend laufende Ermittlungen gegen andere Pharmafirmen auf Turing Pharmaceuticals ausweitete.

Shrekli.JPG

Seinen Twitter-Account hat Martin Shrekli erstmal gesperrt.

Denn Shkreli ist nur das jüngste Beispiel eines Investors, der Rechte an Medikamente kauft und die Preise in schwindelerregende Höhen treibt. So waren 30 Tabletten des Tuberkulosemittels Cycloserine für 500 Dollar erhältlich, bis der neuer Patenthalter, die Biotech-Firma Rodelis Therapeutics, den Preis auf mehr als 10.000 Dollar anhob. Nach massiven Protesten gab Rodelis am Montag das Medikament wieder an seinen ursprünglichen Besitzer, eine Non-Profit-Organisation, zurück. Die Purdue Research Foundation wird nun den Preis auf 1050 Dollar für 30 Kapseln korrigieren. Die Verdopplung des ursprünglichen Preises sei nötig, um Verluste zu stemmen, teilte die Stiftung mit.

Kleine Rolle rückwärts

Und Shkreli? Der gab sich zunächst betont unbeeindruckt von dem Shitstorm: "Es scheint so, als ob die Medien mit dem Finger auf mich zeigen", twitterte er noch am Sonntag. "Also zeige ich mit einem Finger zurück. Aber es ist weder der Zeige- noch der kleine Finger."

Mittlerweile hat Shkreli allerdings angekündigt, die Preiserhöhung zurückzunehmen, damit das Medikament erschwinglich bleibt. Den neuen Preis nannte er bislang nicht. Die Netzgemeinde beruhigt hat er auch nicht: "Er ist immer noch ein Arsch", lautet das Urteil. Aber ein User hat auch eine gute Seite an dem Unternehmer erkannt: "Er ist der erste Mann, über den sich das Internet einig ist."

Quelle: ntv.de, sla