Wirtschaft

Klage gegen Klatschseite finanziert Peter Thiels geheimer Medienkrieg

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Peter Thiel ist der geheime Finanzier hinter Hulk Hogans Klage gegen Gawker.

(Foto: REUTERS)

Hinter Hulk Hogans Klage gegen das US-Portal "Gawker" steckt Paypal-Gründer Peter Thiel. Der Tech-Milliardär will persönliche Rache nehmen. Ein Dienst an der Allgemeinheit? Oder gefährlicher Angriff auf die Pressefreiheit?

Ein alternder Promi hat Sex mit der Frau seines ehemals besten Freundes. Die Tatsache an sich hat eigentlich keinen Nachrichtenwert. Handelte es sich bei dem Promi nicht gerade um Ex-Wrestler Hulk Hogan. Hätte sein Freund nicht ein Video davon gedreht. Und wäre das nicht von einer Klatsch-Seite ins Internet gestellt worden.

Genau das hat die Webseite "Gawker" gemacht. Der 62-jährige Hogan hat sie erfolgreich verklagt. Ein Gericht hat ihm Schadenersatz von 140 Millionen Dollar zugesprochen. Nicht nur die Entstehungsgeschichte des Skandals wirft viele unappetitliche Fragen auf. Auch der Hintergrund der Millionenklage ist brisant. Denn nun kommt heraus, dass Hogan mächtige Hilfe hatte: Finanziert hat seine juristische Attacke gegen die Klatsch-Seite Paypal-Gründer Peter Thiel. Der Silicon-Valley-Milliardär hat Hogan dabei als Strohmann benutzt, um dem Blog den Garaus zu machen.

"Das Leben von Leuten ruiniert"

Der "New York Times" bestätigte Thiel, er habe rund zehn Millionen Dollar für Hogans Anwaltskosten gezahlt. Gawker hätte "das Leben von Leuten ohne Grund ruiniert". Er habe ein Team von Anwälten finanziert, um "Opfer" von Gawkers' Berichterstattung zu finden und bei Klagen zu unterstützen. "Es geht weniger um Rache als um konkrete Abschreckung", sagte Thiel der Zeitung. Er habe damit Menschen unterstützen wollen, die sich eine teure Klage nicht leisten können.

Dass er selbst vor Jahren Opfer von Gawker wurde, erwähnte Thiel nicht. 2007 hatte ihn das Blog als schwul geoutet. In einem Interview von 2009 verglich Thiel Gawker mit der Terrororganisation Al-Kaida. Das Geschäftsmodell der Seite beruhte darauf, aus der Verletzung der Privatsphäre Profit zu schlagen.

So war es auch bei Hulk Hogan: Die Webseite begnügte sich nicht damit, über dessen Sexaffäre zu berichten, sondern stellte ein Video des Aktes ins Netz und generierte damit Millionen Klicks. Auch das Gericht konnte mit Gawkers Argumentation, Promi-Sexvideos seien ein "kulturelles Phänomen" und damit von öffentlichem Interesse, nichts anfangen.

Angriff auf die Pressefreiheit?

Thiel sieht in seinem Vorgehen gegen Gawker daher einen Dienst an der Allgemeinheit: "Das ist eines der größeren philantropischen Dinge, die ich gemacht habe", sagte er der "New York Times". Laut Experten, die die Zeitung zitierte, könnte das Urteil aber die künftige Berichterstattung über das Privatleben von reichen Prominenten nachhaltig beeinflussen und eine abschreckende Wirkung auf die Medien haben - auch in Fällen, die anders als Hogans private Sexkapaden durchaus von öffentlichem Interesse sind.

Thiel weist den Vorwurf von sich: "Ich weigere mich zu glauben, dass Journalismus die massive Verletzung der Privatsphäre bedeutet." Er habe noch nie andere Medienfirmen angegriffen. Thiel hat sogar Geld an eine Nonprofit-Organisation gespendet, die sich weltweit für die Pressefreiheit einsetzt.

Dennoch illustriert die heimliche Finanzierung von Hogans Millionenklage die Zwei-Klassengesellschaft im Rechtssystem. Milliardäre wie Thiel können durch ihr Geld Kreuzzüge anzetteln. Arme dagegen nicht. Einerseits hilft die Fremdfinanzierung, Millionenklagen gegen mächtige Institutionen überhaupt erst ins Rollen zu bringen, die sonst unmöglich wären. Andererseits ermöglicht sie es Supereichen, ihre Privatfehden und politischen Ansichten mithilfe der Justiz zu verfolgen.

Gerade die sind bei Thiel umstritten. Als Ultralibertärer finanziert er das Seasteading Institute, das die Vision von freischwimmenden Städten im Meer verfolgt - außerhalb der Kontrolle von Staaten und ihren Gesetzen. Und treibt als offizieller Delegierter von Donald Trump Spenden für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf.

"Ich mache mir Sorgen wegen Thiel", zitiert die "New York Times" Roy Simon, einen ehemaligen Professor für Rechtsethik. "Ein einzelner Mensch hat mit viel größerer Wahrscheinlichkeit eine Agenda, die von Rache, persönlicher Abneigung oder davon getrieben ist, ein Prinzip zu Fall zu bringen". Thiel gibt sich dazu salomonisch: "Wenn Amerika sich hinter Gawker stellt und entscheidet, dass wir mehr Sexvideos ohne Zustimmung veröffentlichen sollten, dann werden sie einen Weg finden, um Gawker zu retten. Und ich kann das nicht verhindern."

Quelle: n-tv.de

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