Wirtschaft

Teilverbot kommt noch im Sommer Private Glyphosat-Nutzung ist bald untersagt

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Glyphosat ist für Hobbygärtner demnächst tabu.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz Beteuerungen des Herstellers gibt es an der Ungefährlichkeit von Glyphosat erhebliche Zweifel. Zumindest teilweise ist der Unkrautvernichter hierzulande bald verboten. Das neue Gesetz regelt vor allem den privaten Gebrauch, aber auch andere Bereiche sind betroffen.

Privatnutzer dürfen das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bald nicht mehr im eigenen Garten verwenden. Wie ein Sprecher des Bundesagrarministeriums mitteilte, soll das Glyphosat-Verbot für den Haus- und Gartengebrauch voraussichtlich Ende Juli, spätestens aber im August in Kraft treten. Die Verbote regelt die sogenannte Pflanzenschutzanwendungs-Verordnung.

Die neue Verordnung sieht eine Einschränkung von Glyphosat in mehreren Bereichen vor. So soll neben dem privaten Kontext der Einsatz auch auf Spiel- und Sportplätzen sowie in Parks untersagt werden. Verboten werden soll Glyphosat auch in Wasserschutzgebieten und vor der Ernte. Auf Acker- und Grünland wird die Anwendung des Mittels nur noch in Ausnahmefällen zulässig sein. Dazu gehört laut Bundeslandwirtschaftsministerium die Bekämpfung bestimmter Unkräuter und die Anwendung auf erosionsgefährdeten Flächen, die mechanisch nicht bearbeitet werden können.

Mit dem Teilverbot setzt die Bundesregierung eine entsprechende Vorgabe der Europäischen Union um. Die Verordnung hatte nach wochenlangem Koalitionsstreit und Konflikten mit Landwirten Ende Juni den Bundesrat passiert. Das Bundeskabinett hat sie vergangene Woche abschließend abgesegnet. Sie wird nach Angaben des Bundesagrarministeriums einen Tag nach der Verkündung in Kraft treten.

Komplettes Verbot nicht möglich

Ein nationales Totalverbot für den Einsatz von Glyphosat ist europarechtlich nicht möglich, da der Pflanzenschutzmittelwirkstoff EU-weit noch bis Ende 2022 genehmigt ist. Glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel sind, wie das Ministerium weiter mitteilt, mit Übergangsfrist in der gesamten EU noch bis zum 31. Dezember 2023 zugelassen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner geht nach jetzigem Stand nicht davon aus, dass es bis dahin noch eine Mehrheit für eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung auf EU-Ebene geben werde.

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Entwickler und Hersteller von Glyphosat ist der Konzern Monsanto, der 2018 vom Chemie- und Pharmakonzern Bayer übernommen worden war. Das glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel Roundup steht in den USA im Zentrum zahlreicher Klagen. Hierbei geht es vor allem um die Frage, ob von dem Mittel eine krebsauslösende Wirkung ausgeht - Bayer betont hierbei stets, dass das Mittel bei sachgerechter Anwendung sicher sei.

Der Konzern verweist auf die entsprechende Einschätzung unter anderem der US-Umweltbehörde EPA und auch der Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland. Die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung hatte 2015 hingegen konstatiert, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

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