Einstieg in Bergbau und WasserUS-Milliardäre haben Grönland längst unter sich aufgeteilt
Von Caroline Amme
US-Präsident Donald Trump will Grönland besitzen. US-Milliardäre haben sich aber längst auf der riesigen Insel zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpolarmeer eingekauft. Sie träumen von einer utopischen Tech-Stadt mitten im Eis.
Es ist nicht einmal zwei Wochen her, als US-Präsident Donald Trump keinen Zweifel daran gelassen hat, dass er Grönland besitzen will. "Ob es ihnen passt oder nicht, wir werden in Bezug auf Grönland Maßnahmen ergreifen. Denn wenn die USA Grönland nicht übernehmen, werden es China oder Russland tun", hat er Anfang Januar gesagt.
Nun rudert Trump zurück. Mit der Nato hat er sich offenbar auf ein neues Grönland-Abkommen verständigt. Viele Details sind noch nicht bekannt, aber es soll ein Verteidigungsabkommen neu ausgehandelt werden, unter anderem mit neuen US-Stützpunkten auf der Insel.
Trump hat bereits seit Ende 2018 von Grönland gesprochen, sagt John Bolton, der während Trumps erster Amtszeit eineinhalb Jahre lang Nationaler Sicherheitsberater der USA war.
Warum ausgerechnet Grönland - eine Insel, die fast komplett von Eis bedeckt ist, mit nur rund 57.000 Einwohnern? Zum Kauf inspiriert wurde Trump anscheinend von seinem engen Freund Ronald Lauder, dem milliardenschweren Erben der Kosmetikmarke Estée Lauder. Beide kennen sich seit über 60 Jahren. Sie waren beide in den 1960er Jahren auf der renommierten Eliteschule Wharton Business School in Pennsylvania.
Export von "Luxus"-Gletscherwasser
Ronald Lauders Vorschlag ist, wie es aussieht, mit seinen Geschäftsinteressen verknüpft. Der 81-Jährige ist nämlich längst selbst unternehmerisch in Grönland aktiv und hat dort viel Geld investiert.
Der Milliardär ist zum einen in ein lokales Unternehmen eingestiegen, das Grönlands Gletscherschmelzwasser als "Luxus"-Quellwasser exportieren will. Zu den Eigentümern von Greenland Water Bank gehört auch Jørgen Wæver Johansen. Er ist Funktionär der Regierungspartei Siumut und mit Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeld verheiratet. Sie war bis 2018 auch im Vorstand des Wasser-Unternehmens und verhandelt derzeit regelmäßig mit der US-Regierung über die Zukunft ihrer Insel.
Außerdem hat sich Ronald Lauder über die Investorengruppe Greenland Development Partners in die Greenland Investment Group eingekauft. Das Unternehmen will an Grönlands größtem See Tasersiaq ein Wasserkraftwerk bauen, um damit eine geplante Aluminiumschmelze mit Strom versorgen zu können. Vorsitzende der "Greenland Investment Group" ist die ehemalige stellvertretende US-Außenministerin Josette Sheeran.
Milliardäre träumen von "Freedom City"
Der Kosmetik-Erbe ist keine Ausnahme. Seit mehreren Jahren sichern sich US-Milliardäre heimlich Anteile rund um die eisbedeckte Insel. Hinter Trumps Grönlandplänen stecken vor allem ihre Interessen, sagt Wirtschaftsexpertin Sandra Navidi bei ntv. "Seitdem haben sich viele andere Oligarchen dazugesellt, die Trumps Wahlkämpfe finanziert haben, die ihm auch heute noch Geld zustecken. Und natürlich auch die Tech-Titanen, die dort investieren wollen und auch schon investiert haben."
Einige Tech-Investoren aus dem Silicon Valley haben die arktische Insel als Standort für eine "Freiheitsstadt" - eine "Freedom City" - auserkoren. Eine libertäre Utopie mit minimaler Regulierung von Unternehmen. Frei von Gesetzen und Steuern. Mit einem Zentrum für künstliche Intelligenz, Weltraumstarts und Mikro-Kernreaktoren, autonomen Fahrzeugen und Hochgeschwindigkeitszügen. Bewohnt von den Aktionären, mit den Tech-Chefs als "Königen", erklärt Navidi.
"Bin nach Grönland gereist, um es zu kaufen"
Einer der Geldgeber ist der Tech-Milliardär Peter Thiel, Mitgründer von Paypal. Er hat Anfang 2021 das Startup Praxis mitfinanziert, das die "Freedom City" auf Grönland bauen will. Auch andere bedeutende Investoren unterstützen das Projekt, wie Open-AI-Gründer Sam Altman, Joe Lonsdale von der Softwarefirma Palantir, Marc Andreessen von Andreessen Horowitz oder die Winklevoss-Zwillinge, die durch ihren Rechtsstreit mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg berühmt geworden sind.
Praxis hat bereits 525 Millionen US-Dollar für eine neue Stadt zusammenbekommen, hat das Unternehmen im Oktober 2024 angekündigt. Ein großer Sprung im Vergleich zu 2021 - da standen erst 4,2 Millionen US-Dollar für die Freedom City bereit, berichtet die New York Times.
Mitbegründer von Praxis ist Dryden Brown. Im November 2024, eine Woche nach Donald Trumps Wiederwahl, hat er bei X gepostet: "Ich bin nach Grönland gereist, um es zu kaufen". Die Eis-Insel ist ideal für eine neue Stadt, findet er, denn: Die rauen Bedingungen könnten ein Testgelände für die Besiedelung des Mars sein - ein großes Ziel von Elon Musk.
Grönland ist kein Einzelfall: Ähnliche Tech-Städte existieren bereits in Honduras und Nigeria. Auch in Kalifornien ist eine solche Stadt geplant. Trump unterstützt die Idee: im Wahlkampf hatte er den Bau von zehn solcher "Freedom Cities" in den USA versprochen.
Öl, Gas und Metalle unter Grönlands Eis
Ein weiterer Grund, warum Trump Grönland haben will, sind möglicherweise die Bodenschätze, auch wenn Trump das verneint. Das Land hat große Mineral- und Kohlenwasserstoff-Vorkommen, die aber noch größtenteils unerschlossen sind. Auch Öl, Metalle und seltene Erden lagern in den eisigen Böden der Insel. Die Öl- und Gasvorkommen werden auf rund 28 Milliarden Barrel Öläquivalent geschätzt. Allerdings hat Grönland die Öl- und Gasförderung und den Uranabbau durch Gesetze gestoppt, um Klima und Umwelt zu schützen. Bergbau gibt es kaum.
Rund 36 Millionen Tonnen Seltene Erden sollen laut dem staatlichen geologischen Dienst Dänemarks und Grönlands unter der Oberfläche von Grönland schlummern. Davon kann aber nur ein Bruchteil, 1,5 Millionen Tonnen, abgebaut werden, sagt der United States Geological Survey (USGS).
Doch wenn Trump diese Bodenschätze bergen will, muss er Grönland nicht besitzen. Die USA haben längst Abkommen mit Dänemark geschlossen. Die erlauben es amerikanischen Milliardären und Unternehmen zu investieren. Das US-Militär hat praktisch freie Hand auf der Insel. Die USA "könnten Land pachten, sie könnten Joint Ventures bilden, es steht ihnen praktisch nichts im Wege", macht Navidi deutlich. Auf die Rohstoffe aus Grönland seien die Vereinigten Staaten aber nicht angewiesen.
Tech-Bosse investieren in KI-Bergbaufirma
Namhafte Tech-Milliardäre sind anscheinend überzeugt davon, an die Bodenschätze in Grönland heranzukommen. Amazon-Chef Jeff Bezos, Microsoft-Gründer Bill Gates und Finanzinvestor Michael Bloomberg haben seit 2019 mehrere Hundert Millionen Dollar in die Bergbaufirma Kobold Metals investiert, berichtet Forbes. Sam Altmann von OpenAI ist seit 2022 dabei. Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Hedgefonds wie Andreessen Horowitz haben Geld in das Unternehmen gesteckt.
Kobold Metals sucht Grönland mithilfe von KI nach Metallen wie Nickel, Kupfer, Kobalt und Platin sowie nach seltenen Erden ab. 2022 habe Kobold laut Forbes an der Westküste der Insel geowissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Rund 13 Millionen US-Dollar sollen sie gekostet haben. Mit den Bohrungen sei Kobold aber nicht vorangekommen.
Mittlerweile sei das Unternehmen dort offenbar nicht mehr aktiv und habe auch keine Untersuchungsrechte. Kobold bekomme aber alle Lizenzgebühren "aus der zukünftigen Produktion des Projekts".
Trump profitiert so oder so
Auch andere US-Investoren haben ihr Geld in Bergbau- und Rohstoffunternehmen in Grönland gesteckt. US-Handelsminister Howard Lutnick zum Beispiel hat früher den Hedgefonds Cantor Fitzgerald geleitet, der die Critical Metals Corp unterstützt. Das ist eine Firma, die ebenfalls nach Bodenschätzen auf der eisigen Insel sucht. Mittlerweile hat Lutnick seine Anteile an seine Kinder übertragen.
Was auffällt, ist: Die Investoren hinter Critical Metals Corp überschneiden sich mit denen bei Trump Media, schreibt das Magazin "The New Republic". Viele dieser Personen hätten auch Hunderte Millionen Dollar für Trumps Wahlkampagne 2024 gespendet.
Der US-Präsident muss Grönland also nicht kaufen oder erobern - er profitiert auch so. Indirekt durch sein Netzwerk aus mächtigen Investoren und Tech-Milliardären, die mit Grönlands Bodenschätzen Geld verdienen wollen. Die Insel wird längst von reichen Amerikanern unter sich aufgeteilt.