Wirtschaft

Pfiffige Scheichs Warum die Saudis billiges Öl mögen

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Saudi-Arbiens König Salman.

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Der niedrige Ölpreis macht selbst Saudi-Arabien zu schaffen. Dennoch sorgt das Königreich dafür, dass der Rohstoff billig bleibt. Ein Widerspruch? Keineswegs.

Löcher im Staatshaushalt, Militäreinsatz im Jemen, kräftig schrumpfende Devisenreserven, teure Geschenke an die Bevölkerung müssen finanziert werden: Das billige Öl bereitet Saudi-Arabien große Schwierigkeiten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum des Wüstenstaats in diesem Jahr auf 2,8 Prozent und im kommenden Jahr auf 2,4 Prozent abschwächt. Außerdem könnte der Preisverfall dem weltgrößten Ölexporteur dem IWF zufolge in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von knapp 20 Prozent oder 120 Milliarden Dollar einbrocken. Trotzdem hat das Königreich großes Interesse daran, dass der Preis noch lange niedrig bleibt. Was paradox klingt, ist durchaus sinnvoll.

So groß die Schmerzen für die Saudis auch sind – die Konkurrenz leidet sehr viel mehr. Und das kommt der Führung des autoritär regierten Landes äußerst gelegen. Denn sie setzt alles daran, ihren Marktanteil zu verteidigen und die Konkurrenz an die Wand zu drücken. Sobald sich der Ölpreis bei anspringender globaler Konjunktur wieder erholt, werden die Saudis dann umso mehr profitieren. Bitten anderer Opec-Länder wie Venezula, wegen des rasanten Verfalls der Preise eine außerplanmäßige Konferenz abzuhalten, bügelt Saudi-Arabien ab.

Diese Politik ist eine Lehre der 1980er-Jahre. Als der Ölpreis damals kräftig fiel, kürzte das Königreich seine Produktion, um ihn zu stützen. Daraufhin büßte der weltweit größte Exporteur spürbar Marktanteile ein und brauchte Jahre, um verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Das soll sich nicht wiederholen. Und so kann König Salman mit dem niedrigen Ölpreis trotz aller damit verbundenen Probleme gut leben. Ein Fass kostet derzeit um die 45 US-Dollar. Das zwingt das Königreich zwar zum Sparen, aber immerhin kann es Öl selbst bei einem Preis um die 40 Dollar noch kostendeckend aus der arabischen Wüste fördern. Den Rohstoff aus russischen Permafrostböden zu holen oder per Fracking zu gewinnen, ist deutlich teurer. So lohnt sich das Fracking für viele US-Firmen beispielsweise erst dann, wenn Öl mehr als 70 Dollar kostet. Die US-Ölförderung ist bereits rückläufig, einige Förderer sind schon vom Markt verschwunden. Und bleibt der Preis weiter auf dem derzeitigen Niveau, wird sich diese Entwicklung nach Einschätzung von Experten fortsetzen.

Vor diesem Hintergrund pumpen die Saudis weiter fleißig Öl in einen Markt, der gesättigt ist. Die anderen Förderländer stehen ihnen in nichts nach, auch sie fördern unvermindert weiter. Sie wollen ebenfalls keine Marktanteile verlieren.

Saudis sorgen vor

Öl wird deshalb nach Einschätzung von Analysten wohl noch längere Zeit billiger bleiben. Goldman Sachs geht davon aus, dass der Preis für die US-Referenzsorte WTI im kommenden Jahr bei 45 US-Dollar pro Fass liegen wird. Die Prognose für ein Fass der Nordseesorte Brent liegt bei 49,50 Dollar.

Das bekommt natürlich auch Saudi-Arabien zu spüren. Angesichts von Finanzreserven von mehr als 600 Milliarden Dollar dürfte dem Land in den kommenden Jahren das Geld aber nicht ausgehen. Zudem liegt die Verschuldung bei lediglich 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Es deutet vieles darauf hin, dass die Saudis so schnell ihre Strategie nicht ändern werden und sich auf einen niedrigen Ölpreis einstellen. So verschiebt das Königreich verschiedene geplante Großprojekte oder sagt sie ganz ab. Beispielsweise seien bereits Pläne für den Bau von Fußballstadien im ganzen Land eingedampft worden, berichten arabische Medien. Auch der Kauf von Hochgeschwindigkeitszügen sei abgeblasen worden. Der Ausbau eines Ölfelds werde langsamer angegangen.

Auch die Kürzung von Benzin-Subventionen ist offenbar kein Tabu mehr. Die Zeitung "Al Watan" berichtete, Saudi-Arabien könne den Vereinigten Arabischen Emiraten folgen, die unlängst die Zuschüsse gekappt hatten. Bisher hat Saudi-Arabien nach Venezuela die zweitniedrigsten Treibstoffpreise der Welt: Ein Liter bleifreies Benzin kostet 15 US-Cent. Eine Erhöhung könnte das Land wohl verkraften – ebenso wie die niedrigen Ölpreise. Für Venezuela, Russland oder Algerien sind das schlechte Nachrichten.

Quelle: n-tv.de

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