Kolumnen

Inside Wall Street Populismus ist schlecht fürs Geschäft

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Prostest gegen gleichgeschlechtliche Ehen in Utah.

(Foto: AP)

Diskriminierung von Schwulen oder liberale Waffengesetze mögen zwar im Sinne konservativer US-Amerikaner sein. Doch immer mehr US-Unternehmen halten das für problematisch und setzen sich zur Wehr - manchmal mit Erfolg.

Der Rechtsruck in den USA macht nicht nur verzweifelten Linken zu schaffen, sondern immer mehr auch den Unternehmen. Vor allem zwei Trends in republikanisch geführten Bundesstaaten machen regelmäßig Schlagzeilen: der Widerstand gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen und die ausufernden Waffenrechte.

Unter den homophoben Staaten hat sich zuletzt Arizona als Modellstaat empfohlen. Der Kongress des ansonsten wunderschönen Staates an der mexikanischen Grenze - Touristen bewundern hier den Grand Canyon und Monument Valley - hatte ein Gesetz vorgelegt, wonach Unternehmen nach Lust und Laune diskriminieren dürften. Offiziell hieß es, man wolle etwa den kleinen Bäcker schützen, der aus religiösen Gründen für eine Schwulenhochzeit keine Torte backen wolle. Das Gesetz hätte aber allen Arten von Diskriminierung Tür und Tor geöffnet: Unternehmen vom Steuerberater bis zum Zahnarzt hätten etwa Schwule abweisen können, und Restaurantbesitzer hätten leicht auch Schwarze vor die Tür setzen können - so etwas gab es in den USA schon einmal.

Außerhalb Arizonas war der Aufschrei groß - vor allem in Washington. Dort baten die beiden Senatoren John McCain und Jeff Flake die Gouverneurin inständig um ein Veto. Jan Brewer, eine Republikanerin, gehorchte... allerdings nicht, weil sie das Gesetz moralisch verwerflich fand, sondern weil sich Unternehmen im Bundesstaat um negative Folgen sorgten. Apple appellierte ebenso an Brewer wie der Elektroauto-Hersteller Tesla, der Arizona in der engeren Auswahl für den Bau eines neuen Werkes hatte. Auch die NFL schaltete sich ein und überlegte offen, dem Staat den für 2015 geplanten Super Bowl zu entziehen. Dem Druck von Corporate America beugte sich die Politik - doch das ist nicht immer der Fall.

Ortswechsel: Wenn Florida in den Abendnachrichten auftaucht, dann geht es oft um Schießereien auf offener Straße. Der selbst ernannte Nachbarschaftswächter George Zimmermann, der vor zwei Jahren den unbewaffneten Jugendlichen Trayvon Martin erschossen hatte und später freigesprochen wurde, ist längst der Poster-Boy einer Bewegung, die immer lockeren Umgang mit Waffen fordert und vor Jahren auch die umstrittene "Stand-your-Ground"-Regel durchgesetzt hat, die es Bürgern erlaubt zu schießen, wenn sie sich in irgendeiner Weise bedroht fühlen - unabhängig davon, ob tatsächlich eine Bedrohung besteht.

Bank verbannt Waffen

Wo die Rechte einzelner ständig ausgedehnt werden, kommt es zwangsläufig zu Konflikten - einen solchen erlebt gerade Wells Fargo. Die Bank hat die 37-jährige Filialleiterin Yvette Bos gefeuert, weil die ihre 9-Millimeter-Pistole mit an den Arbeitsplatz gebracht hatte. Die Bank erlaubt grundsätzlich keine Waffen in den Filialen. Bos, eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern, klagt nun gegen ihren früheren Arbeitgeber. Sie sei eine Frau, noch dazu attraktiv, weshalb sie das Bedürfnis habe, sich im Notfall verteidigen zu können. Sie habe bereits als Kind den Umgang mit Waffen von ihrem Vater gelernt. Der Bank ist das egal, sie beharrt darauf, als Unternehmen innerhalb der eigenen Räume Regeln festlegen zu dürfen. Bos sieht das anders und glaubt, Wells Fargo verstoße gegen die Verfassung.

Mit ähnlichen Problemen hatte 2009 auch Walt Disney zu kämpfen. Der damalige Gouverneur Charlie Christ hatte verfügt, dass Floridianer mit Waffenschein ihre Waffe zumindest im Auto haben dürften - auch auf dem Firmenparkplatz. Disney, mit seinen Themenparks bei Orlando immerhin einer der größten Arbeitgeber in der Region, wollte das nicht zulassen und profitierte letztlich zumindest von einer Ausnahmeregelung. Proteste gab es zwischenzeitlich auch aus anderen Branchen, unter anderem von einem Stromversorger in Jacksonville und einer Fabrik für Toilettenpapier.

Amerikanische Unternehmen haben in den letzten Jahren in großem Stil von der Politik der Republikaner profitiert. Die Republikaner hingegen sichern ihre Stellung mit populistischen Maßnahmen, die mal für grenzenlosen Waffenbesitz und mal gegen Schwule gerichtet sind. Dass es dabei zu direkten Konflikten kommen kann, bringt die Politiker nun in die Bredouille.

Quelle: n-tv.de

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