Kommentare

Fitschen und Jain gehen Es kann nur besser werden

Der Rücktritt der Führung der Deutschen Bank ist das Eingeständnis eines grandiosen Scheiterns. Er ist aber auch die Chance auf den Neuanfang, den die Bank so dringend braucht.

Es ist ein längst überfälliger Schritt: Die Doppelspitze der Deutschen Bank namens Jürgen Fitschen und Anshu Jain tritt zurück. Damit tun sich die beiden nicht nur selbst einen großen Gefallen, sondern auch der Deutschen Bank - ihren Mitarbeitern und Aktionären.

Deutsche Bank
Deutsche Bank 7,14

Nur mit einer neuen Führung kann der so dringende benötigte Neuanfang gelingen. Denn Jains und Fitschens Versuch, die Bank einem Kulturwandel zu unterziehen, ist krachend gescheitert. Altlast reiht sich an Altlast, Skandal an Skandal: Ob Zinsmanipulationen oder fragwürdige Hypothekengeschäfte, die Deutsche Bank war stets ganz vorne dabei. Der neueste Vorwurf: Mögliche Geldwäsche in Russland in Milliardenhöhe.

All das ist Ausdruck einer jahrelangen Fehlentwicklung. Der Aufstieg im Investmentbanking wurde aggressiv vorangetrieben - und zwar so aggressiv, dass die Deutsche Bank an der Wall Street als das Haus mit den wildesten Cowboys galt. Und das will etwas heißen. Sie verkörperte eine rücksichtslose Kultur, in der nur Erfolgsprämien zählen und nicht etwa Integrität. Wo Regeln vor allem dazu da sind, umgangen zu werden.

Das hat nicht nur den Ruf der Deutschen Bank ramponiert, sondern kostet sie auch viel Geld. Ihr Gewinn wird regelmäßig von Bußgeldern und Kosten für Prozesse und Vergleiche aufgefressen. Und dafür ist Jain mitverantwortlich. Schließlich war er viele Jahre Chef des Investmentbankings. Und Fitschen muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Falschaussage in einem Prozess um Schadenersatz wegen der Kirch-Pleite.

Jahrelang demonstrierte die Deutsche Bank eindrucksvoll, was einen Banker von einem Bankier unterscheidet. Oder wie es bezeichnend hieß: Es ist gut, Aktionär der Deutschen Bank zu sein, und schlecht, Kunde der Deutschen Bank zu sein.

Doch selbst die Aktionäre der Deutschen Bank haben seit geraumer Zeit Grund, richtig unzufrieden zu sein. Der Aktienkurs entwickelte sich mies, Besserung war nicht in Sicht. Und so verpassten die Eigner dem Führungsduo auf der letzten Hauptversammlung eine schallende Ohrfeige: Die Entlastung lag bei kümmerlichen 61 Prozent, üblich sind mehr als 90 Prozent.

Inmitten der tiefen Krise müssen die beiden Chefs gehen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, mag sich der Aufsichtsrat gedacht haben. Mit dem Rücktritt verschwinden die vielen Probleme der Deutschen Bank natürlich keinesfalls. Doch er ist die Chance für einen wirklichen Neuanfang. Und den hat die Bank bitter nötig.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema