Marktberichte

Fed-Entscheid und Brexit-Debatte Anleger tasten sich vorsichtig vor

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Analysten meinen Notenbank-Chefin Janet Yellen knurrt, aber beißt nicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Unruhe wächst. Rein oder raus aus der EU, wie entscheiden die Briten am 23. Juni? Und was macht der "zahnlose Tiger" Fed? Börsianer können sich kaum entspannt zurücklehnen.

An großen Themen mangelt es nicht. Manche werfen bereits lange Schatten voraus. Genau deshalb dürften Anleger wohl auch ihr Pulver trocken halten und sich bei Engagements an den Aktienmärkten zurückhalten.

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"Bislang hatte die mögliche Verschiebung der Zinswende in den USA die Anleger bei Laune gehalten", sagt Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Dieser Impuls hat seine Wirkung verloren."

Von der Pressekonferenz der Fed-Chefin Janet Yellen erhoffen sich die Anleger zwar erneut Hinweise auf den Zeitpunkt der geplanten Zinserhöhung. Nach den enttäuschenden Arbeitsmarktdaten für Mai gilt die zuvor für Mittwoch erwartete Anhebung jedoch als ausgeschlossen. Außerdem wird die Fed wohl die Abstimmung über einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU am 23. Juni abwarten wollen.

Daneben wirft das näher rückende Brexit-Referendum am 23. Juni an den Börsen bereits lange Schatten voraus. In der alten Woche büßte der Dax 2,7 Prozent ein.

Yellen hatte zuletzt vor den Gefahren eines Brexit für die US-Konjunktur gewarnt. "Mit der Verschiebung des nächsten Zinsschrittes scheint die Fed erneut zu bestätigen, dass sie zwar laut knurrt, in Wahrheit aber ein zahnloser Tiger ist, der nicht gewillt ist, einen Zinserhöhungszyklus loszutreten", kritisiert Commerzbank-Analystin Esther Reichelt.

Einer Umfrage zufolge erwarten knapp zwei Drittel der befragten Ökonomen, dass die Fed frühestens im September an der Zinsschraube dreht. Den Kursen an den Terminmärkten zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit dafür dagegen nur bei 40 Prozent. Der Dow-Jones-Index  in New York legte auf Wochensicht 0,3 Prozent zu.

Pfund Sterling und Anleiherenditen

Mit jeder neuen Umfrage zum Ausgang des Brexit-Referendums steigt die Unruhe an den Finanzmärkten. Bei einem Sieg der EU-Gegner erwarten Ökonomen ein weltweites Börsenbeben und einen Rückschlag für die britische Konjunktur. "Eine Rezession könnte sogar zu einer Rating-Herabstufung für britische Staatsanleihen führen", warnt Anlagestratege Jörg Rahn vom Bankhaus Marcard, Stein & Co.

Aus diesem Grund steht das Pfund Sterling seit Monaten unter Druck, während gleichzeitig die Kosten für eine Absicherung gegen Kursausschläge der britischen Währung  von einem Hoch zum nächsten eilen. Im Gegenzug greifen immer mehr Investoren zu den als sicher geltenden Bundesanleihen. Dies drückt die Rendite der europaweit richtungsweisenden zehnjährigen Titel auf aktuell etwa 0,02 Prozent. Der Rutsch unter die Marke von null Prozent ist für Börsianer nur noch eine Frage der Zeit. Anleger müssten dann dafür bezahlen, dem Bund Geld leihen zu dürfen.

Neben der Fed berät auch die Bank von England (BoE) in der neuen Woche über ihre Geldpolitik. Anleger warten am Donnerstag gespannt auf Aussagen zum Thema Brexit.

Konjunkturdaten im Hintergrund

Von den anstehenden US-Konjunkturdaten versprechen sich Experten keine größeren Impulse für die Finanzmärkte, da sie an der Verschiebung der Zinserhöhung wohl nichts ändern werden. Am Dienstag stehen die Einzelhandelsumsätze auf dem Terminplan, einen Tag später die Zahlen zur Industrieproduktion.

Außerdem veröffentlichen die Federal Reserve Bank von New York (Mittwoch) und diejenige von Philadelphia (Donnerstag) ihre Stimmungsbarometer. Aus der Euro-Zone stehen Daten zur Industrieproduktion und zur Handelsbilanz zur Veröffentlichung an.

Unabhängig davon verfallen am Freitag Index-Optionen und -Futures sowie Optionen auf einzelne Aktien. In den Tagen vor dem sogenannten "Hexensabbat" schwanken Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise der Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts