Marktberichte

Wall Street startet durch Bären fressen Dax-Bullen

Auch zur Wochenmitte bleiben die Anleger hochnervös - eine Berg- und Talfahrt der Kurse ist der Beweis. Am Ende behalten im Dax die Bären die Oberhand. In den USA geht es indes steil nach oben.

Langeweile ist auch zur Wochenmitte an den Aktienmärkt nicht aufgekommen. Nach dem Kurssturz am "Schwarzen Montag" und der fulminanten Gegenbewegung am "Turnaround Tuesday" blieben auch am Mittwoch die Handelsspannen enorm. Am Ende betrug sie beim Dax mehr als 300 Punkte. "Im Moment handelt man die technischen Indikatoren", begründete n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. Sparkassen-Broker-Vorstandsmitglied Jens Wöhler riet Anlegern deshalb weiterhin zu "Ruhe und Gelassenheit".

Die Vorgaben aus China waren erneut negativ, auch die Wall Street war schwächer aus dem Dienstagshandel gegangen. Der Dax verlor 1,3 Prozent auf 9997 Punkte und notiert damit wieder unterhalb der 10.000er Marke. Auch der MDax ging leichter in den Feierabend. Nach einem Tageshoch von 19.451 Stellen schloss der Nebenwerteindex 0,7 Prozent schwächer bei 19.161 Punkten. Ein ähnliches Bild auch beim TecDax - er gab 1,2 Prozent auf 1643 Zähler ab.

Rally - und wieso?

Dagegen starteten die US-Börsen durch. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte vier Prozent auf 16.285 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 3,9 Prozent auf 1940 Zähler. Auch der marktbreite Index gewann damit so viel an einem Tag wie seit 2011 nicht mehr. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 4,2 Prozent auf 4697 Punkte vor. Die Umsätze waren wie schon in den vergangenen Tagen ungewöhnlich hoch:

Neue Stimulierungsmaßnahmen in China fachten die Hoffnung an, dass die Behörden in dieser Hinsicht am Ball bleiben. Auch neue US-Daten stimmten die Anleger zuversichtlich. Überdies schürte ein Vertreter der US-Notenbank Erwartungen, dass sich die Federal Reserve mit der Zinswende ein wenig mehr Zeit lässt. In der letzten Handelsstunde nahm die Rally richtig Fahrt auf, ohne dass Marktteilnehmer dafür eine Erklärung hatten.

Dax: Berg- und Talfahrt

In Frankfurt konnten bei den Einzelwerten nur Munich Re leichte Gewinne verbuchen. Dagegen führten Linde und Infineon die Verliererliste an, die Titel gaben jeweils rund 3 Prozent nach. Händler verwiesen auf Gewinnmitnahmen bei Infineon. Ebenfalls schwächer tendierten die Versorger und einige Autowerte. Die Anteilsscheine des Volkswagen-Konzerns, der erneut Absatzeinbußen vermeldete, schlossen nur leicht im Minus.

Im MDax feierten Wincor Nixdorf und ProSiebenSat1 die größten Aufschläge. Die Anteilsscheine legten jewei ls mehr als 3 Prozent zu. An der Spitze der Verlierer lagen Wacker Chemie, Symrise und Kuka mit Abgaben von jeweils rund 3 Prozent.

Im TecDax setzten LPKF eine Duftmarke. LPKF zogen 3,7 Prozent an. Auf der Gegenseite standen Wirecard mit einem Minus von ebenfalls 3,7 Prozent ganz oben. Bei Wirecard gab es Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Worldpay.

Wall Street: Aufwärts

An den US-Börsen spielten neben den geopolitischen Überlegungen  auch Fusionen und Übernahmen eine Rolle. Eine geplante internationale Eheschließung in der Agrarchemiebranche ist geplatzt: Monsanto hat überraschend sein 46 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot für den Schweizer Wettbewerber Syngenta zurückgezogen. Der US-Konzern kündigte überdies an, seine Aktienrückkäufe wieder aufzunehmen. Die Monsanto-Aktie stieg um 8,6 Prozent. In Zürich ging es für den Syngenta-Kurs steil um gut 18 Prozent nach unten.

Ölfeldausrüster Schlumberger verstärkt sich mit einem milliardenschweren Zukauf. Er übernimmt den Konkurrenten Cameron, wie beide Unternehmen mitteilten, Schlumberger zahlt 12,7 Milliarden US-Dollar in bar und Aktien. Deren Papiere fielen um 3,4 Prozent, die Cameron-Aktie sprang gut 41 Prozent nach oben. In Europa verteuerten sich mit der Meldung diverse Werte der Branche.

Allerdings gab es auch Skeptiker: "Der Ölpreis wird sich nicht nennenswert erholen", sagte ein Händler. Die Fracking-Unternehmen müssten fördern, um wenigstens die Zinslasten zu stemmen. Das spreche für ein hartnäckig hohes Überangebot an Öl. Darunter leidet auch der Tiefseebohrspezialist Transocean. Dessen Aktie fiel um 4,9 Prozent, weil Transocean die kommenden beiden Dividendenzahlungen ausfallen lassen will.

Nach oben schossen Oshkosh und legten 6,7 Prozent zu. Der Nutzfahrzeughersteller hat einen Auftrag über 6,7 Milliarden Dollar vom US-Militär erhalten. Solera Holdings und Dycom Industries hatten beide überraschend gute Quartalszahlen ausgewiesen; die Aktien stiegen um 5,5 und 11,1 Prozent. Goldman Sachs hatte eine Kaufempfehlung für Google ausgesprochen und trieb so den Wert 7,8 Prozent nach oben. Nach der Hochstufung auf "Buy" durch Evercore ISI legten die Aktien von Amazon.com um 7,4 Prozent zu.

Asien: Zinssenkung verpufft

Die Zinssenkung der chinesischen Notenbank entpuppte sich an den Börsenplätzen des Landes nicht als der große Befreiungsschlag. Der Shanghai Composite schloss 1,3 Prozent schwächer. Zu den Verlusten der Vortage fiel der Abschlag aber fast schon verschwindend gering aus: An den vorherigen vier Handelstagen hatte der Shanghai Composite 22 Prozent eingebüßt - mehr als eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung wurden in dieser Zeit vernichtet.

In Tokio kletterte der Nikkei-Index dagegen um 3,2 Prozent auf 18.376 Punkte. "Wir sehen einige Käufe von Schnäppchenjägern, und viele wichtige Aktien mit einem Bezug zu China scheinen positiv auf den Schritt der chinesischen Notenbank PBoC zu reagieren", sagte Gavin Parry von Parry International Trading in Hongkong. Allerdings sei noch schwer auszumachen, ob an den Märkten wirklich wieder Stabilität eingekehrt ist. Zulegen konnten vor allem große Exportfirmen, für die China ein wichtiger Absatzmarkt ist. So stiegen die Aktien des Industrieroboter-Herstellers Fanuc um knapp 5 Prozent. Toyota-Anteilsscheine kletterten um rund 3 Prozent, die Papiere von Nissan und Panasonic sogar um über 6 Prozent. An den Nachbarbörsen kam es nach der Zinssenkung der PBoC zu keiner stärkeren Erholung.

Devisen: Euro unter 1,14

Am Devisenmarkt konnte der Euro die Gewinne vom späten Dienstag nicht halten und fiel auf rund 1,1330 Dollar zurück. Noch am Montag wurde der Euro in der Spitze mit 1,1715 Dollar gehandelt. Experten verwiesen auf die gegenläufige Geldpolitik in Amerika und Europa. Die LBBW sagte, der Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar sollte aufgrund der erwarteten Straffung der US-Geldpolitik im zweiten Halbjahr 2015 weiterhin nachgeben.

Der sichere Hafen Gold war nicht gefragt. Der Goldpreis lief mit dem festeren Dollar abwärts und ermäßigte sich bis zum Settlement um 1,2 Prozent bzw 13,70 Dollar auf 1124,60 Dollar. Am Markt war auch die Meinung zu hören, dass der jüngste Anstieg des Goldpreises durch Short-Eindeckungen übertrieben gewesen sei. Auch Staatsanleihen wurden verkauft, weil Anleger lieber auf Aktien setzten. Die Auktion fünfjähriger Anleihen im Volumen von 35 Milliarden Dollar traf auf eine relativ geringe Nachfrage, was zusätzlich auf den Anleihekursen lastete. Im späten Handel rentierten zehnjährige Treasurys mit 2,17 Prozent.

Der Ölpreis selbst drehte nach kleineren Gewinnen ins Minus, obwohl das US-Energieministerium wider Erwarten einen Rückgang seiner Rohölvorräte gemeldet hatte. Das Barrel der US-Sorte WTI verbilligte sich um 1,8 Prozent bzw 0,71 Dollar auf 38,60 Dollar. Der Brent-Preis fiel um 0,2 Prozent bzw 0,07 Dollar auf 43,14 Dollar.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/dpa

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