Marktberichte

"Zweite Korrekturwelle ist möglich" Dax-Anleger verlieren die Orientierung

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sehen sich zum Wochenschluss mit einem Ifo-Index konfrontiert, der weder Fisch noch Fleisch ist. Sie bauen nun auf eine "taubenhafte" Fed-Chefin Yellen. Aber sie zweifeln auch.

Mehr als drei Prozent Wochenplus beim Dax konnten sich durchaus sehen lassen, auch die Charttechnik stimmte positiv: Am deutschen Aktienmarkt haben Anleger am letzten Handelstag der Woche die leichten Abschläge gut verkraftet. Grundsätzlich sei die Stimmung am deutschen Aktienmarkt positiv, sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel.

Der Dax schloss 0,4 Prozent schwächer bei 11.815 Punkten. Nach dem furiosen Start - "kleines Kursfeuerwerk" am Montag, "Höhenrausch" am Dienstag - mit insgesamt fast vier Prozent Plus an den ersten beiden Handelstagen bewegte sich der Dax am Mittwoch und Donnerstag kaum. Der MDax büßte am Freitag 0,3 Prozent auf 20.916 Zähler ein. Der TecDax präsentierte am Ende ein Minus von 0,3 Prozent bei 1731 Stellen.

Die Anleger befänden sich in einer "Orientierungsphase" - "kein Anleger will etwas übereilen!", konstatierte Dofel. "Impulse verzweifelt gesucht", sagte Dofels Kollegin Sabrina Marggraf. Sie zielte auf den von Anlegerseite mit großer Spannung erwarteten Ifo-Geschäftsklimaindex an. "Welche Börsenreaktion? Die gibt es nicht!", lautete ihr Fazit bereits kurz nach der Veröffentlichung.

Ifo-Index lieferte keine Impulse

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich im Mai erstmals seit Monaten - allerdings geringfügiger als erwartet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der als Frühindikator für die Entwicklung der Wirtschaft gilt, ging von 108,6 minimal auf 108,5 Punkte zurück.

"Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs", kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die Entwicklung. Die Führungskräfte beurteilen ihre Lage etwas besser, aber ihre Geschäftsaussichten etwas schlechter als im Vormonat. Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit im Aufschwung, hat aber zuletzt wieder mehr Gegenwind gespürt.

"Für den Dax gilt für die kommenden Wochen - der Seitwärtstrend ist trotz aller Ausflüge Richtung 12.000 intakt, eine zweite Korrekturwelle ist durchaus möglich", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Die Volatilität sollte dabei unbedingt beachtet werden", rät er den Anlegern. Am Freitag lag die Handelsspanne des Dax bei vergleichsweise geringen rund 90 Punkten.

New York achtet auf Yellen

Die US-Aktienmärkte gingen vor dem Wochenende schwächer aus dem Handel: Inflationsdaten überschatteten die Stimmung. Die Anleger deuteten aus den jüngsten Zahlen zur Preisentwicklung in den USA, dass sich die Zeit des ultra-billigen Notenbank-Geldes, das die Börsen auf Rekordhöhen schickte, dem Ende entgegen neigt.

Die Verbraucherpreise fielen in den USA im April wegen des günstigeren Öls insgesamt um 0,2 Prozent zum Vorjahr und damit so kräftig wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. "Das gibt der Notenbank Fed weniger Spielraum für eine Verschiebung der Zinswende", sagte der Chefvolkswirt von Capital Economics, Paul Ashworth.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,3 Prozent auf 18.232 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,2 Prozent auf 2126 Zähler nach. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq beendete den Freitagshandel leicht im Minus bei 5089 Stellen.

Zu den Gewinnern zählte die Aktie von Hewlett-Packard  mit einem Plus von zeitweise rund 2 Prozent. Die Anleger reagierten mit Käufen darauf, dass der Konzern die Kosten für seine geplante Aufspaltung nur noch auf knapp die Hälfte der ursprünglich kalkulierten eine Milliarde Dollar veranschlagt.

Daneben galt das Interesse einer Rede von US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen, die allerdings erst für 19.00 Uhr MESZ auf der Agenda stand. Man sei gespannt darauf, ob die Fed-Präsidentin eine "taubenhaftere" Haltung durchscheinen lasse, hieß es. "Wahrscheinlich wird häufig das Wort 'datenabhängig' fallen", prognostiziert Michael Hewson von CNC Markets.

"Big Player" ex Dividende

Bei den Einzelaktien hierzulande blickten Anleger erneut auf die Titel der Deutschen Bank. Nach dem Denkzettel der Aktionäre fü r die Führung wurden die Papiere ex Dividende gehandelt. Sie gaben etwa 2,8 Prozent ab. Auch Deutsche Telekom liefen unter ex Dividende: minus 4,5 Prozent.

Zu den Wochengewinnern gehörten die Autowerte. Am Freitag nahmen die Anleger bei ihnen  Gewinne mit. BMW und VW büßten jeweils rund 0,5 Prozent ein. Daimler schlossen 0,3 Prozent schwächer. An der Spitze der zugegebenermaßen kurzen Gewinnerliste tummelten sich die Anteilsscheine von RWE, sie zogen 0,7 Prozent an.

Grohe-Tochter Joyou ist pleite

Mit Kursverlusten von rund 30 Prozent warteten die in Deutschland gelisteten Joyou-Aktien auf. Die chinesische Grohe-Tochtrer ist nach eigenen Angaben überschuldet. Bereits am Donnerstag hatte es einen Kursrutsch von 80 Prozent gegeben. Die Papiere sind mit tlerweile klassische Penny-Stocks: 0,37 Euro. Analysten warnten Aktionäre zudem vor einem "Totalverlust".

Devisen: Euro sackt durch

Nach der Bekanntgabe der Preisdaten aus den USA fiel der Euro von Ständen von rund 1,1150 bis auf das Niveau um 1,1030 Dollar zurück. Im Handel zeigte man sich überrascht ob der deutlichen Reaktion. Allerdings spräche der in der Zwischenzeit ordentliche Preisauftrieb dafür, dass die Fed im September die Leitzinsen erstmalig anheben wird, hieß es. Auf Wochensicht hat die Gemeinschaftswährung mehr als 4 US-Cent nachgegeben.

Asien: Nikkei auf 15-Jahreshoch

In Asien folgten die Börsen der Wall Street ins Plus: Der Nikkei-Index schloss 0,3 Prozent höher bei 20.264 Punkten - einem 15-Jahreshoch. Eine positive Einschätzung der japanischen Wirtschaft hatte bereits in den Handelstagen zuvor den Nikkei angetrieben. Zudem beschloss die japanische Notenbank wie erwartet, an ihrer expansiven Geldpolitik festzuhalten. Die Zentralbank zeichnete dabei ein etwas rosigeres Bild der Wirtschaft. Auch der Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag rund 1 Prozent im Plus.

Rohstoffe: Ölpreis im Rückwärtsgang

Die Ölpreise gaben nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete 65,52 US-Dollar, rund 1,5 Prozent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) gab 1,5 Prozent auf 59,79 Dollar nach. Am Donnerstag waren die Ölpreise deutlich gestiegen. Der gesunkene Dollarkurs hatte sie laut Händlern beflügelt. Ein schwächerer Dollar macht Rohöl für Anleger aus anderen Währungsräumen günstiger. Leichte Unterstützung erhielten die Ölpreise zudem von den zuletzt in den USA gesunkenen Rohöl-Lagerbeständen. Allerdings bleiben die Vorräte im längeren Vergleich sehr gut gefüllt.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ/dpa