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Job-Daten lassen Wall Street hüpfen Dax knabbert weiter an Draghi-Schock

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(Foto: imago stock&people)

Zum Wochenschluss geht der Dax mit einem leichten Minus aus dem Handel. Infolge der EZB-Sitzung vom Vortag dominiert Verunsicherung. Für Unruhe sorgt zudem das Opec-Treffen in Wien. An der Wall Street geht es hingegen kräftig aufwärts.

Am Tag nach dem Draghi-Schock dominierte zunächst die Enttäuschung am deutschen Aktienmarkt nach den geplatzten Hoffnungen auf eine Ausweitung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Ein wenig Unterstützung kam von der Wall Street, wo die Börsen zum Frankfurter Handelsschluss kräftig anzogen. Auslöser war der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktdaten fiel besser als erwartet aus. An der Börse wird nun damit gerechnet, dass die US-Notenbank am 16. Dezember die Leitzinsen anhebt.

Dax
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Für Unruhe sorgte das Opec-Meeting in Wien, der Sektor der europäischen Öl- und Gasunternehmen handelte zwischenzeitlich 1,5 Prozent leichter. Laut Insidern hat sich das Öl-Kartell trotz des Ölpreisverfalls überraschend auf eine Anhebung der Förderquoten geeinigt. Der Dax schloss am Ende 0,3 Prozent im Minus auf 10.752 Punkten.

Nachdem der ADP-Bericht am Mittwoch bereits überzeugte, lag auch der offiziellen US-Arbeitsmarktbericht mit 211.000 neu geschaffenen Stellen oberhalb der Markterwartung. "Am 16. Dezember wird die Fed die Leitzinsen anheben", legte sich ein Händler fest. Die Helaba stellte heraus, dass sich der US-Arbeitsmarkt weiter dem Vollbeschäftigungsgrad annähere. Positiv sei zudem, dass die Partizipationsrate gestiegen und es dennoch nicht zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote gekommen sei.

Frankfurt: Stühlerücken in der Dax-Familie

Infineon
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Der Dax schließt am Ende 0,3 Prozent tiefer und sinkt auf 10.752 Punkte. Für den MDax ging es hingegen es 0,3 Prozent nach oben auf 20.904 Zähler. Beim TecDax zeigte sich ein leichter Verlust von 0,1 Prozent auf 1835 Punkte. Ein Minus auch beim Euro-Stoxx-50, der 0,4 Prozent abgab auf 3331 Stellen.

Die größten Dax-Gewinnern waren Infineon und Lufthansa mit einem Plus von 2,7 bis 2,5 Prozent. Auf der Verliererseite standen die Aktien von Eon und RWE, die sich um 2,0 und 4,3 Prozent verbilligen.

Covestro
Covestro 43,90

Wie erwartet seien die Änderungen der Aktienindizes der Deutschen Börse, sagen Händler. Covestro und Ströer werden in den MDax aufgenommen, wie die Deutsche Börse am Donnerstagabend mitteilte. Die Aktien von MAN und Kabel Deutschland verlassen den MDax, da die Unternehmen den sogenannten Prime Standard verlassen und damit die Kriterien für einen Verbleib in den Indizes nicht mehr erfüllen.

Neues Mitglied im TecDax werden Siltronic, wofür Manz ihren Platz räumen müssen. Manz stiegen um 0,7 Prozent. In den SDax rücken Scout24, Schaeffler, WCM und Hypoport auf. Im Gegenzug werden Tom Tailor, Gesco, SHW und der MDax-Aufsteiger Ströer den SDax verlassen. Die Änderungen werden am 21. Dezember wirksam.

USA: Gute Job-Daten beflügeln die Wall Street

Dow Jones
Dow Jones 25.840,00

Überraschend positive Daten vom US-Arbeitsmarkt bescheren der Wall Street zum Wochenschluss ein kräftiges Plus. Die US-Wirtschaft schuf im November mit 211.000 mehr Stellen als von Ökonomen erwartet. Zudem hat die US-Notenbank Fed ihr Ziel einer Vollbeschäftigung annähernd erreicht, womit der ersten Zinserhöhung in den USA seit fast zehn Jahren nichts Mitte Dezember mehr im Weg stehen dürfte. "Die Investoren feiern, dass die Wirtschaft stark genug ist, um eine Zinserhöhung zu verkraften", sagt Chef-Investmentstratege Jack Ablin von BMO Private Bank.

Der Dow-Jones-Index verbesserte sich um 2,1 Prozent auf 17.848 Punkte. Der S&P-500 stieg um 2,1 Prozent auf 2.092 Punkte. Der Nasdaq-Composite legte um 2,1 Prozent auf 5.142 Punkte zu.

Asien: Der Schatten der EZB reicht bis Fernost

Nikkei
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Enttäuschung über die Geldpolitik der EZB hat an Asiens Börsen für Kursverluste gesorgt. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte am Donnerstag zwar an, ihr Anleihenkaufprogramm zu verlängern. Doch Investoren hatten mit deutlicheren Schritten gerechnet.

In Tokio ging der 225 Werte umfassende Nikkei-Index mit einem Minus von 2,1 Prozent im Minus bei 19.504 Punkten aus dem Handel. Händler sagten, der Ausverkauf dürfte nur von kurzer Dauer sein. Schon bald werde sich das Augenmerk der Anleger wieder auf die US-Notenbank (Fed) richten. Der an diesem Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht soll weitere Hinweise liefern, ob die Fed bei ihrer Sitzung Mitte des Monats die Zinsen anheben wird.

Im Fokus der Börsianer standen unter anderem Fujitsu, die 2,3 Prozent anzogen. Einem Bericht der Zeitung "Nikkei" zufolge erwägt der Konzern gemeinsam mit Toshiba und dem Sony-Ableger Vaio eine Fusion der PC-Geschäfte.

Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte mit Ausnahme Japans sank 0,8 Prozent. In Shanghai verlor die Börse 1,7 Prozent. Der Leitindex in Hongkong tendierte mit 0,8 Prozent im Minus.

Devisen: Euro sackt wieder unter 1,09 Dollar

Der Kurs des Euro hat am Freitag seine starken Zuwächse nach den jüngsten Entscheidungen der EZB vom Vortag im Wesentlichen verteidigt und nur leicht nachgegeben. Der Euro ging im späten US-Handel mit 1,0874 Dollar um. Die Europäischen Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,0902 (Donnerstag: 1,0671) Dollar festgesetzt.

Nachdem die EZB ihre Geldpolitik weniger stark gelockert hatte als erwartet, war der Eurokurs am Donnerstag um rund vier Cent gestiegen. Die Entscheidungen der EZB seien eine "extreme Überraschung" gewesen, kommentierte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Der Kursanstieg sei auch in seiner Höhe gerechtfertigt gewesen. "Die Märkte werden sich neu sortieren, das Blatt hat sich noch nicht vollständig gewendet", sagte Moritz Westerheide, Analyst bei der Bremer Landesbank.

Vorerst blieb der Euro am Freitag aber stark. Im frühen Handel hatten die im Oktober stärker als erwartet gestiegenen Industrieaufträge aus Deutschland die Gemeinschaftswährung gestützt. Auch ein positiver US-Arbeitsmarktbericht konnte am Freitag dem vergleichsweise starken Euro nichts anhaben. Die Zinserhöhungsfantasien mit Blick auf die US-Notenbank Fed stiegen daraufhin zwar leicht, der Euro wurde dadurch aber nicht zusätzlich geschwächt.

Rohstoffe: Opec lässt Ölpreis einbrechen

Die Opec hat sich Insidern zufolge trotz des Ölpreisverfalls überraschend auf eine Anhebung der Förderquoten geeinigt. Die Staaten des Kartells dürfen zukünftig täglich 31,5 Millionen Barrel (Fass zu je 159 Liter) Öl aus dem Boden pumpen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Bislang liegt die Obergrenze bei 30 Millionen Barrel. Unklar blieb allerdings, ob die Fördermengen des zurückgekehrten Opec-Mitglieds Indonesien in die neue Fördermenge eingerechnet ist.

Als Reaktion darauf drehte der Ölpreis ins Minus. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel zum US-Settlement um 2,7 Prozent auf 39,97 Dollar. Zuvor hatte sie wegen der Hoffnung auf eine Verringerung des weltweiten Überangebots zwei Prozent im Plus gelegen.

Quelle: n-tv.de, kst/wne/DJ/rts/dpa

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