Marktberichte

Anleger verdauen US-Angriff Dax trotzt "politischer Börse"

Die Handelswoche endet für den Dax im Minus. Es hätte aber deutlich schlechter kommen können. Eine alte Börsenweisheit bewahrheitet sich wieder einmal - auch an der Wall Street.

Mit negativen Vorzeichen hat sich der deutsche Aktienmarkt ins Wochenende verabschiedet. Dax und Co. konnten sich aber wie bereits an den vorherigen Handelstagen auch am Freitag von ihren Tagestiefs erholen. Beim deutschen Börsenleitindex lag es bei 12.145 Punkten. Das bestimmende Thema war ein Politisches – der US-Angriff in Syrien. Die Anleger hielten sich zurück, sagten die n-tv-Börsenexpertinnen Corinna Wohlfeil und Sabrina Marggraf unisono. "Wir sehen oft Reaktionen und dann schnelle Gegenbewegungen", kommentierte Wohlfeil. Sie sprach von einer "typischen politischen Börse".

Der Dax verlor 0,1 Prozent auf 12.225 Punkte. Am Mittwoch war er schwächer aus dem Handel gegangen, am Donnerstag hatte er sich nach einer Aufholjagd am Nachmittag knapp behauptet. Der MDax legte 0,4 Prozent auf 24.202 Zähler zu. Der TecDax zeigte sich 0,6 Prozent fester mit 2046 Stellen.

Konjunktur: Trump und die Reaktionen

US-Streitkräfte hatten in der Nacht eine Luftwaffenbasis der Truppen von Machthaber Baschar al-Assad angegriffen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Militäreinsatz in einer kurzen Ansprache als "grundlegend für die nationale Sicherheit" seines Landes.

Russland und der Iran verurteilten den US-Angriff scharf. Es handele sich um einen "Angriff gegen einen souveränen Staat", erklärte der Kreml. Präsident Wladimir Putin werte den US-Einsatz als Verstoß gegen internationales Recht, so sein Sprecher. Russland zählt neben dem Iran zu den wichtigsten Verbündeten von Syriens Staatschefs Baschar al-Assad.

"Dunkle Wolken ziehen auf", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Ein mögliches Einschreiten der USA in den Krieg und eine Konfrontation mit Russland könnte die Börsen wieder sehr politisch machen. Angesichts der Fallhöhe, die Dax und Dow Jones aufgebaut haben, steigen die Risiken am Markt."

Das Treffen Trumps mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping spielte indes keine große Rolle mehr. Im Vorfeld des Gipfels war die Verunsicherung an den Märkten allerdings groß gewesen, da Trump China mehrfach der Währungsmanipulation beschuldigt und einen "Handelskrieg" in Aussicht gestellt hatte.

Rohstoffe: Gold zieht an

Der Goldpreis reagierte auf die neue von der politischen Seite getriebene Unsicherheit und sprang zunächst auf den höchsten Stand seit fast fünf Monaten - in der Spitze auf 1269 Dollar. Am späten Abend lag er bei 1255 Dollar und damit 0,1 Prozent höher als am Vortag.

Der Ölpreis legte zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zu US-Handelsschluss 55,18 Dollar. Das waren 0,5 Prozent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg 0,9 Prozent auf 52,62 Dollar. Zeitweise war der Preis für US-Öl in der vergangenen Nacht bis auf 52,94 Dollar und damit den höchsten Stand seit dem 7. März geklettert. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich beim Brent-Preis. Hier ging es bis auf 56,08 Dollar je Barrel nach oben und damit ebenfalls auf den höchsten Stand seit 7. März.

Syrien sei zwar kein wichtiges Förderland, aber durch den US-Angriff steige das Risiko einer Eskalation in der gesamten Region, erklärt der Rohstoffexperte Ric Spooner vom Handelshaus CMC Markets die steigenden Ölpreise.

Devisen: Euro bei 1,06 US-Dollar

Der Euro konnte zum Wochenschluss seine zwischenzeitlichen leichten Gewinne nicht halten und verabschiedete sich schwächer ins Wochenende. Am späten Abend kostete die Gemeinschaftswährung genau 1,06 Dollar und damit 0,4 Prozent weniger als am Donnerstagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0630 Dollar fest nach 1,0666 Dollar einen Tag zuvor.

Der amerikanische Luftangriff habe zu erhöhter Vorsicht an den Märkten geführt, sagte Experte Lutz Karpowitz von der Commerzbank. Die Kursbewegungen hielten sich jedoch in Grenzen. Unter Druck standen vor allem die türkische Lira und der russische Rubel. Die Türkei zählt in der Region zu den größten Gegnern des syrischen Regimes, Russland ist ein Verbündeter des Herrscherhauses Assad und unterstützt das Regime militärisch in dem seit Jahren tobenden Bürgerkrieg.

USA: Wall Street tritt auf der Stelle

Die US-Börsen bewegten sich nach unerwartet schlecht ausgefallenen Arbeitsmarktdaten kaum. Private Unternehmen und der Staat schufen im März insgesamt 98.000 Stellen - Experten hatten mit 180.000 gerechnet. Trotzdem sei der Arbeitsmarkt in Amerika in einer soliden Verfassung, betonte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba. Die separat ermittelte Erwerbslosenquote sank auf 4,5 von 4,7 Prozent.

"Zwar ist der Lohndruck nur mäßig, für die US-Notenbank gibt es aber keinen Grund, den Zinserhöhungspfad zu verlassen", sagte Wortberg. Der US-Angriff auf syrische Militärziele hielt ebenfalls viele Anleger vom Aktienkauf ab.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit 20.656 Punkten fast auf dem Stand des Vortages. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,1 Prozent auf 2356 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte unverändert bei 5878 Punkten.

Nach den US-Angriffen auf Ziele in Syrien standen die Papiere von Rüstungskonzernen im Fokus. Aktien von Raytheon, dessen Tomahawk-Raketen bei dem Luftschlag verwendet wurden, verteuerten sich um 1,5 Prozent, Lockheed Martin gewannen 1,2 Prozent. General Dynamics verteuerten sich um 0,9 und Northrop Grumman um 1,0 Prozent. US-Präsident Donald Trump setzt mit einem Luftangriff auf die syrische Armee das Verhältnis zu Russland einer schweren Belastungsprobe aus. "Jetzt gilt es, die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen des US-Alleingangs zu bewerten", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Der Angriff in Syrien stelle zudem den chinesischen Präsidenten Xi Jinping beim Treffen mit US-Präsident Donald Trump vor zusätzliche Probleme, betonte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. "Denn nun gilt es nicht nur, sich, was den Außenhandel betrifft, zu positionieren."

Dax: Verhaltene Stimmung

Bei den Einzelwerten im Dax gaben Merck etwa 1 Prozent nach. Analysten der Großbank HSBC hatten die Papiere auf "Reduzieren" von "Halten" gesenkt.

Henkel handelten ebenfalls rund 1 Prozent niedriger. Das Kursminus war überwiegend dem Dividendenabschlag von 1,62 Euro je Aktie geschuldet.

Erstmals gehandelt wurden die rund 687 Millionen neuen Aktien der Deutschen Bank aus der Kapitalerhöhung. Der Kurs gab 1,7 Prozent nach. Die Titel gehörten damit zu den größten Verlierern im Leitindex.

Ebenfalls zu den Verlierern zählten auch die Autowerte. Nur Daimler hatte sich erfolgreich am Donnerstag gegen den seit Tagen dauernden Abwärtstrend gestemmt. Nun gaben die Papiere rund 0,4 Prozent nach. BMW und VW büßten je etwa 0,2 Prozent ein. Bei VW kristallisierte sich heraus, dass die Anteile am Mehrheitseigner Porsche Holding von Ferdinand Piech in Familienhand bleiben werden.

MDax: Abgaben bei Fraport

Fraport verbilligten sich mehr als 1.5 Prozent, nachdem Mainfirst die Aktien auf "Halten" von "Outperform" gesenkt hatte.

SDax: Rhön-Dividende enttäuscht

Eine Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux für König & Bauer trieb indes deren Kurs: Er legte fast 1 Prozent zu.

Rhön-Klinikum schlossen unverändert. "Die Dividende ist deutlich unter der Markterwartung und sollte belasten", so ein Marktteilnehmer. Der Klinikbetreiber habe eine Dividende in Höhe von 0,35 Euro je Aktie vorgeschlagen, dagegen seien mit 0,80 Euro mehr als doppelt so viel an der Börse erwartet worden.

Europa: Galenica Sante debütiert

In Zürich ging der schweizerische Gesundheitskonzern Galenica Sante erfolgreich an die Börse. Die zu 39 Franken ausgegebenen Aktien handelten am Ende um 39,65 Franken. Das Tageshoch hatte bei mehr als 40 Franken gelegen. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben das größte Apothekennetz der Schweiz.

Asien: Nur kurze Verunsicherung

Das militärische Eingreifen der USA in den syrischen Bürgerkrieg verunsicherte am Freitag auch in Fernost viele Investoren, allerdings kippte angesichts der bis dahin noch fehlenden Reaktionen aus Russland und China die Stimmung im Handelsverlauf wieder. Die ursprünglichen Themen des Tages - etwa das Gipfeltreffen zwischen den USA und China sowie der US-Arbeitsmarktbericht - waren zwischenzeitlich vernachlässigt worden. Trump hat sich nach einer ersten Begegnung mit Xi Jinping zuversichtlich geäußert. Auf lange Sicht "werden wir eine sehr, sehr gute Beziehung haben, und ich freue mich sehr darauf", sagte er. Die US-Arbeitsmarktdaten für März werden um 14.30 Uhr MESZ mitgeteilt.

Der Tokioter Nikkei-Index schloss 0,4 Prozent fester bei 18.665 Punkten. Zeitweise hatte er auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang Dezember. Der breiter gefasste Topix stieg ebenfalls. Der Kospi in Seoul bewegte sich indes kaum, der Shanghai Composite verbesserte sich.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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