Marktberichte

Freundliches Warten auf Georgia Wall Street macht schwachen Jahresstart wett

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Die republikanische Senatorin Kelly Loeffler hofft, ihr Amt verteidigen zu können.

(Foto: REUTERS)

Die Stichwahl in Georgia beeinflusst entscheidend, wie viel Freiraum der künftige Präsident Joe Biden beim Regieren hat. Sowohl eine demokratische als auch eine republikanische Mehrheit im US-Senat hätte für Anleger Vorteile. An der Wall Street blickt man der Abstimmung daher entspannt entgegen.

Am Tag der mit Spannung erwarteten Stichwahl für die beiden Senatsposten des US-Bundesstaats Georgia haben sich Investoren mit Engagements an der Wall Street zurückgehalten, den schwächsten Start in ein US-Börsenjahr seit 2016 aber fast wieder wettgemacht. Für einen positiven Impuls sorgte ein wider Erwarten klar besser ausgefallener Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes im Dezember. Gerne dürften Börsianer auch vernommen haben, dass die US-Notenbankerin Loretta Mester erwartet, dass die Zentralbank ihr Wertpapierkaufprogramm von 120 Milliarden Dollar pro Monat über das ganze Jahr fortsetzen könnte, selbst wenn sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder erholen sollte.

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Eher etwas im Hintergrund schwelten die Sorgen wegen der Corona-Pandemie, obwohl in einigen Teilen der Welt die Lockdowns verschärft werden. Klare Gewinner waren Ölaktien, die Auftrieb erhielten von stark steigenden Ölpreisen. Der Dow Jones gewann 0,6 Prozent auf 30.392 Punkte, der S&P 500 legte einen Tick deutlicher zu, die Nasdaq-Indizes um 0,9 Prozent.

Die Ölpreise lagen zuletzt 5 Prozent höher. Die US-Sorte WTI kostete phasenweise mehr als 50 je Fass - erstmals seit Ende Februar 2019 wieder, als die Corona-Pandemie die Finanzmärkte ergriff. Getrieben wurden die Preise zum einen davon, dass sich die Länder der Opec+ auf eine nur leichte Erhöhung der gesenkten Fördermengen im Februar und März einigten.

Außerdem sorgten die Spannungen um den Iran für preistreibende Spekulationen über ein geringeres Ölangebot aus dem Ölförderland. Iran hat nach eigenen Angaben trotz internationaler Kritik die angekündigte Anreicherung von Uran auf 20 Prozent erreicht. Zudem befindet sich ein US-Flugzeugträger weiter in der Golfregion, laut US-Administration wegen neuer "Drohungen" des Iran.

Blick nach Georgia

Rohöl (WTI)
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Hoffnungsvoll blickten viele Börsianer auf die laufenden Senats-Stichwahlen im Bundesstaat Georgia. "Das Wahlergebnis ist entscheidend dafür, wie viel Freiraum der künftige Präsident Joe Biden bei der Durchsetzung seines Programms hat", sagte Matthias Scheiber, Manager bei der Vermögensverwaltung der Bank Wells Fargo. Sollten Bidens Demokraten neben dem Repräsentantenhaus auch im Senat die Oberhand gewinnen, rechnen Experten mit zusätzlichen staatlichen Ausgabenprogrammen.

Dies hebe die Stimmung am Markt, stellten die Analysten der ING Bank fest. Die Sorgen der Anleger vor einer langfristig strengeren Regulierung und steigenden Steuern träten zumindest für einige Monate in den Hintergrund.

Verteidigen die Republikaner dagegen ihre Mehrheit, würden sie zusätzliche Ausgaben blockieren, prognostizieren die Analysten der Rabobank. Gleichzeitig würden sie aber die Notenbank (Fed) zwingen, zur Abfederung der Coronavirus-Folgen in die Bresche zu springen. Da diese negative Leitzinsen ablehne, blieben nur zusätzliche Wertpapierkäufe.

Rückzieher erfreut China

Die in den USA notierten Titel von China Telekom, China Mobile und China Unicom stiegen um bis zu 13,5 Prozent. Der New Yorker Börsenbetreiber Nyse hatte seinen Plan verworfen, diese Anteilsscheine vom Handel auszuschließen. Boeing erholten sich nach dem sehr schwachen Wochenstart um 4,4 Prozent praktisch vollständig, während Coca-Cola noch etwas weiter nachgaben um 1,1 Prozent.

Der Subindex der Ölaktien im S&P-500-Index gewann über 4,5 Prozent. Im Dow verteuerten sich Chevron um 2,7 Prozent. Für Exxon ging es um 4,8 und für Occidental Petroleum um 10,1 und für Marathon Oil um 9,1 Prozent nach oben.

Dass das ambitionierte Gemeinschaftsunternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsversorgung von Amazon, Berkshire Hathaway und JPMorgan Chase erfolglos beendet wird, bewegte deren Kurse nur moderat. Es sollte die Gesundheitsversorgung der mehr als 1,5 Millionen Mitarbeiter der drei Unternehmen managen und die Kosten für die Konzerne senken. JPM verloren 0,2 Prozent, Amazon schlossen 1 Prozent im Plus und Berkshire gaben um 0,4 Prozent nach.

Delta Air Lines gewannen 2,1 Prozent. Amazon baut seine Flotte an Frachtmaschinen aus und hat dazu elf Maschinen von Delta Air Lines und Westjet Airlines erworben.

Quelle: ntv.de, chr/rts/DJ