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Klimawandel ändert Verhalten Clownfische werden leichte Beute

Je höher der Kohlendioxidgehalt im Wasser, desto weniger sind junge Clownfische in der Lage, sich anhand von Geräuschen zu orientieren. Der dadurch fehlende Fluchtreflex lässt die Fische anfälliger für ihre Feinde werden. Mit der Ansäuerung des Wassers ist die Überlebenschancen vieler Arten im Meer gefährdet.

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Normalerweise verstecken sich Clownfische bei Gefahr in Anemonen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Versauerung der Meere durch den steigenden Eintrag des Treibhausgases Kohlendioxid könnte für viele Arten unvorhersehbare Folgen haben. Junge Clownfische etwa verlieren bei steigendem Säuregehalt des Wassers ihre Fähigkeit, sich nach Geräuschen zu orientieren und damit ihren Feinden zu entgehen. Das berichten Forscher der Universität Bristol (Großbritannien) in den britischen "Biology Letters".

Stephen Simpson von der Universität Bristol hatte für seine Experimente junge Clownfische (Amphiprion percula) in mehrere Gruppen aufgeteilt. Ein Teil von ihnen wuchs nach dem Schlüpfen in Meerwasser heran, das mit der heute üblichen Menge des Treibstoffgases Kohlendioxid versetzt war.

Wird das Gehör geschädigt?

Andere Tiere schwammen dagegen in Wasser, dem bis zu doppelt so viel Kohlendioxid zugegeben worden war, wie es nach den Voraussagen internationaler Experten im Jahr 2050 und 2100 in den Meeren zu erwarten wäre. Anschließend testete der Forscher die Reaktion der Tiere auf Unterwasser-Tonaufnahmen eines natürlichen Riffs, mit allen seinen Geräuschen von Fischen und Krebsen.

Die in heutigem Meerwasser aufgewachsenen Jungfische zeigte bei den Riffgeräuschen das normale Clownfisch-Verhalten – und entfernte sich. In der Natur neigen die Fische dazu, sich in Seeanemonen zu verstecken.

Die anderen Gruppen zeigten sich dagegen völlig unbeeindruckt. Schon bei CO2-Konzentrationen, wie sie Mitte des Jahrhunderts erwartet werden, flüchteten sie nicht mehr vor den Geräuschen des Riffs. Es blieb aber unklar, ob das Gehör der Tiere geschädigt wurde, oder ob sich ihr Verhalten änderte. Bisherige Untersuchungen hatten allerdings bereits gezeigt, dass saures Meerwasser die Ausbildung der Hörorgane von Fischen schädigen kann.

Anfälliger für Feinde

Der fehlende Fluchtreflex bei Geräuschen bedeute in jedem Fall, dass die Fische anfälliger für ihre Feinde werden, schließt Simpson. Dies könne ein Beispiel dafür sein, wie die Ansäuerung des Meeres unmerklich das Verhalten und damit auch die Überlebenschancen vieler Arten im Meer beeinflusst.

Mehr als die Hälfte des seit der Industrialisierung vom Menschen in die Lust entlassenen Kohlendioxids hat sich inzwischen in den Meeren gelöst, und die Meere schneller angesäuert als in den vergangenen letzten 650.000 Jahren, erklärt Simpson.

Quelle: n-tv.de, dpa

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